BWA-Ratstagung in Kuala Lumpur

Bericht von Regina Claas und Frank Fornaçon

Anfang Juli fand in Kuala Lumpur, der Hauptstadt Malaysias, die Ratstagung des Baptistischen Weltbundes (BWA) statt. Lesen Sie hier die Berichte der BEFG-Generalsekretärin Regina Claas und des Präsidiumsmitglieds Frank Fornaçon.  

Regina Claas berichtet:    

Das Jahrestreffen des Baptistischen Weltbundes findet jedes Jahr Anfang Juli statt, sofern dieser Termin nicht wegen weltweiter Kongresse verschoben wird. Es besteht aus einer Kombination verschiedener Sitzungen. Ab Beginn der Woche treffen sich verschiedene Fachgruppen, Studienkommissionen und Komitees, um anhand der Arbeitsschwerpunkte der BWA Einzelthemen zu entfalten und Entscheidungen vorzubereiten.  Einige dieser Themen, die übergreifend mehrere Fachgebiete betreffen, werden in Foren behandelt. In diesem Jahr ging es in drei Foren um  Baptisten in der asiatisch-pazifischen Region, um die Situation in Japan und um die Bibel im religiösen Pluralismus.  Auch ein regionales Treffen ist eingeplant. Im zweiten Teil der Woche hat zunächst die Exekutive ihre Sitzungen, und die letzten 1 ½ Tage sind für die eigentliche Ratstagung (General Council) reserviert. Dort werden – vergleichbar mit unserem Bundesrat – die Entscheidungen der Vollversammlung durch die Mitgliedsbünde getroffen. In der jetzigen Legislaturperiode sind wir als BEFG durch Regina Claas und Frank Fornaçon (als Vertreter des Präsidenten) im Rat vertreten. Ich bin gleichzeitig – zunächst bis 2013 – Mitglied der Exekutive. In verschiedenen Fachgruppen sind Referenten des BEFG als korrespondierende Mitglieder vertreten – Reisemöglichkeiten sind durch die finanzielle Situation unseres Bundes stark eingeschränkt.

Noch immer hat die BWA damit zu tun, ihre Satzung bzw. die Geschäftsordnungen der jeweiligen Arbeitsbereiche der neuen Struktur anzupassen. So wurden für die einzelnen Kommissionen und Komitees in diesem Jahr die Arbeitsgrundlagen verabschiedet. Ein eiserner Sparhaushalt führt zu erheblichen Einschränkungen inhaltlicher Arbeit, ist aber angesichts der wirtschaftlichen Situation der BWA unumgänglich. Es ist daher eine große Hilfe, dass auch Einzelspender, Ortsgemeinden und Werke die Arbeit finanziell unterstützen. Denn viele Mitgliedsbünde sind finanziell nicht in der Lage, große Beiträge zu zahlen. Dazu gehören auch die Bünde, die in diesem Jahr als neue Mitglieder aufgenommen wurden: vier Bünde aus Afrika (zwei aus der Demokratischen Republik Kongo, je einer aus dem neu gegründeten Staat Südsudan und der Zentralafrikanischen Republik) und als Assoziiertes Mitglied ein Zusammenschluss verschiedener Baptistenbünde in Nordostindien (Council of Baptist Churches in Northeast India).

Der Rat verabschiedete  wieder einige Resolutionen und empfahl sie den Mitgliedsbünden zum Gebrauch. Die Themen sind Theologische Ausbildung und Leiterschaft, Staatengründung im Südsudan, Umgang mit Fremdarbeitern (Migranten), Evangelisation, Ausbeutung von Bodenschätzen als Ursache für Gewalt, Praxis des Gerechten Friedens, Versöhnungsprozess in Nagaland, Religionsfreiheit und die Situation im Nahen Osten. Die Resolutionen sind noch nicht ins Deutsche übersetzt, finden sich aber in englischer Sprache auf der Webseite der BWA.
Die Ratstagung des Baptistischen Weltbundes wird 2012 in Santiago de Chile stattfinden. Im Jahr darauf gibt es eine Fortsetzung von „Dive Deeper“ in Leipzig: die 16. Jugendweltkonferenz findet vom 17. bis 21.Juli 2013 in Singapore statt. Der nächste Kongress für alle ist für 2015 in Durban (Südafrika) geplant.

Frank Fornaçon berichtet:   

Die Jahrestagung der BWA vom 3. bis 9. Juli 2011 in Kuala Lumpur (Malaysia) war inhaltlich stark vom asiatischen Kontext geprägt. In den Kommissionen und Unterabteilungen ging es vor allem um Fragen der Menschenrechte und der Religionsfreiheit.

Malaysia: Die Baptisten des Landes sind mit 26.000 Mitgliedern in ihrem Land anteilig etwa so stark vertreten, wie in Deutschland - Malaysia hat 26 Millionen Einwohner. Sie haben in den letzten zehn Jahren ihre Mitgliederzahl verdoppelt. Fast alle Gemeindemitglieder gehören zur chinesischen Minderheit (20 Prozent der Einwohner). Wichtig ist für Malaysia die strikte Rassentrennung, die zwischen Chinesen, Indern und Malaien unterscheidet. Alle Malaien gelten grundsätzlich als Muslime. Ein Wechsel der Religion ist für Muslime nicht möglich. Auch die Nationalität kann nicht gewechselt werden. Malaysia gilt offiziell als säkularer Staat, der Islam ist jedoch die Religion des Staates. Im Straßenbild fällt auf, dass es zahlreiche tief verschleierte junge Frauen gibt, während andere einen westlichen Lebensstil demonstrieren. Trotz der schwierigen Situation strahlen die Baptisten eine große Gelassenheit und Freundlichkeit aus.

Religionsfreiheit: Entsprechend dem Tagungsort in einem islamisch dominierten Land war die Menschenrechtssituation in muslimischen Ländern ein Schwerpunkt. Dabei wurde sehr deutlich, wie wichtig die Ermutigung von jungen Christen ist, in ihren Ländern, zum Beispiel den Ländern des Nahen Ostens, zu bleiben und nicht das Land zu verlassen. Hier wird deutlich, wie wichtig das Partnerschaftsprogramm unseres Bundes mit den Libanesischen Baptisten ist. Ausdrücklich gelobt wurden die gute Konferenz über muslimisch-baptistische Beziehungen vor einigen Wochen in Elstal und der Einsatz von Michael Kißkalt. Es wurde unter anderem aber auch über die Situation der Bergvölker in Burma gesprochen (Chin und Karen), die zu einem großen Teil Christen, oft Baptisten sind.  Eine Mischung aus rassistischen und religiösen Gründen hat einen großen Teil dieser Christen ins Exil geführt. Während viele Karen seit Jahrzehnten in Lagern an der thailändisch-burmesischen Grenze leben, sind viele Chin zum Teil legal, zum Teil illegal in Malaysia (40.000 bis 60.000), wo sie mit den typischen Problemen von Asylanten zu kämpfen haben. Durch ein großzügiges Hilfsprogramm der norwegischen Regierung sind viele Chin nach Norwegen eingewandert.

Humanitäre Hilfe: Es gab Gespräche mit den indonesischen Baptisten über die Möglichkeiten, noch vorhandene Tsunami- Mittel für langfristige Wiederaufbauhilfe einzusetzen. Es geht zum Beispiel um Mikrokredite für Existenzgründer in Aceh, dem extrem gegen jeden Kontakt mit Christen abgeschotteten, aber vom Tsunami besonders betroffenen Bundesstaat von Indonesien. Daneben gibt es voraussichtlich ein BWAid-Projekt, das Fischern an der Ostküste Sri Lankas die Wiederansiedlung ermöglichen kann. Im Gespräch mit den Indonesiern wurde deutlich, wie wichtig die langfristige Hilfe ist, wenn der erste Ansturm kurzfristiger Helfer verebbt.

Japan: Die Japan Baptist Convention präsentierte in einem eindrucksvollen Abendprogramm die Folgen der dreifachen Katastrophe (Erdbeben, Tsunami und Reaktorunfall). Der Bericht konzentrierte sich auf die allgemeine Hilfe. Daneben wurde von einer Pastorin exemplarisch die Situation ihrer Gemeinde geschildert und ein Theologe des Bundes, Dr. Hamano Michio, formulierte theologische Folgerungen aus der Reaktorkatastrophe, die in einen eindringlichen Appell mündeten, auf Atomkraft zu verzichten. Hier gibt es eine große Übereinstimmung mit dem Brief der VEF und des BEFG an die Bundeskanzlerin.  Eine Geber-Konferenz in Tokyo im September 2011 unter der koordinierenden Leitung der Asia-Pacific Baptist Fellowship (APBF)  wird sich unter anderem mit der Planung von Projekten beschäftigen, die die lokalen Hilfsstrukturen stärken (Begleitung von Helfern in der Trauma- Arbeit).

Streiflicht: Interessante Gespräche gibt es bei den BWA Konferenzen immer wieder in den Pausen. Mich interessierten zum Beispiel die Umstände der Kirchenunion in Schweden, die von Methodisten, Covenant-Church (der schwedischen Version der Freien evangelischen Gemeinden, die mit Abstand die größte unter den beteiligten Kirchen ist) und Baptisten eingegangen wurde. Christer Daelander, der Sekretär für Internationale Mission der schwedischen Baptisten, berichtete, dass in den neuen Ordnungen nicht festgelegt wurde, dass nur Getaufte Mitglied werden können. So umging man das Problem, dass Baptisten gezwungen sein könnten, eine Säuglingstaufe als Taufe anzusehen.

BWA Resolutions (Englisch)

 

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