„Fairantwortung“ – Armut vor der Tür und in der Welt

Konventtagung der Diakoninnen und Diakone vom 23.-26.02.2012 in Rotenburg a.d. Fulda

Ein herausfordernder Titel für eine Tagung, die mehr sein wollte als nur ein Treffen eines Berufsverbandes. Obwohl organisatorische Fragen, berufsspezifische Informationen und auch Formalien eines Jahrestreffens ihren Raum hatten, stand doch die Beschäftigung mit der Armutsthematik in biblischer und heutiger Zeit ganz klar im Vordergrund.

Entsprechend dem Profil der Diakoninnen und Diakone, kreativ und theologisch fundiert zu sein, war die Tagung gestaltet. Es gelang, auf ganzheitliche Weise ein komplexes Thema kreativ und dabei ernsthaft und anregend zu bearbeiten. So wurde den knapp 50 Tagungsteilnehmern z.B. mit erlebnispädagogischen Elementen vor Augen geführt, wie unterschiedlich das Pro-Kopf-Einkommen weltweit verteilt ist.

Für die biblische Fundierung sorgte das Referat von Dr. Michael Rohde, Professor für Altes Testament am Theologischen Seminar in Elstal, zur Frage: Armut abschaffen, Reichtum verbieten? Seine Ausführungen zu Texten des Alten und des Neuen Testaments mündeten in Aussagen zum Thema Armut und Reichtum, die der christlichen Gemeinde gelten: Reichtum solle weder glorifiziert noch dämonisiert werden, sondern gute Gaben Gottes sollten zur Dankbarkeit führen und Teilhabe anderer ermöglichen. Dabei sei wahrzunehmen, dass der Arme nicht zum reinen Almosenempfänger degradiert werde, sondern im Gegenteil zum Segensträger für den Reichen werden könne. Grundsätzlich habe die christliche Gemeinde stets eine Form von Armenfürsorge als Aufgabe, bei der Hilfe anonym ankommt und für den Empfänger damit ehrenhafter ist, als eine direkte Unterstützung, bei der ein Gefälle entstehen könnte. So sei die christliche Gemeinde keine Kirche für Arme sondern Kirche mit Armen.

Zum Thema Armut vor der Tür diskutierten die Diakoninnen und Diakone in Workshops über unterschiedliche Hintergründe von Armut im Gemeindeumfeld (Altersarmut, Sucht und Armut, Armut bei Kindern und Jugendlichen).

Die Armut in der Welt führte ein eindrückliches Referat von Alexander Gentsch, Koordinator der Micha-Initiative Deutschland, vor Augen. Er erklärte die Aufgabe der Bewegung, die weltweit auf der Basis der evangelischen Allianz tätig ist, nämlich Einsatz für die Erreichung der UN-Millenniumsziele, die die Bekämpfung von extremer Armut bis 2015 vorsehen.

Den Tagungsteilnehmern erläuterte Alexander Gentsch unter vier Stichworten mögliche Antworten von Gemeinden und Einzelnen auf globale Armut:

1. Hilfsprojekte und Partnerschaften auf Augenhöhe, wie sie z.B. der BEFG mit dem Baptistenbund in Malawi anstrebt.

2. Strategischer Konsum und nachhaltiger Lebensstil – einmal mehr wurde deutlich, dass auch der Fairtrade-Kaffee im Gemeindebistro ein nicht zu unterschätzendes Zeichen ist.

3. Politisches Engagement, beispielsweise durch Unterschriftenaktionen, für die die Micha-Initiative Materialien bereitstellt. Alexander Gentsch rief dazu auf, dass Gemeinden als „Alltagspropheten“ auftreten sollten, indem sie z.B. Bürgersprechstunden von Abgeordneten aufsuchen, um sich deutlich für Dritte einzusetzen.

4. Gebet für Gerechtigkeit – das Gebet der Gemeinden sollte nicht auf das persönliche Glaubensleben beschränkt bleiben, sondern groß von Gott denken und ihm zutrauen, dass er auch politische Verhältnisse ändern kann.

Eine praktische Hilfe zur Umsetzung guter Vorsätze erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch Diakon Markus Hamann (Ratingen), der Fairtrade-Produkte zum Verkauf anbot.

Konventleiter Michael Job (Hannover) erläuterte beim Haushaltsplan, dass der Konvent in diesem Jahr 1.500 Euro an das Projekt „Kinder helfen Kindern“ des Gemeindejugendwerkes spenden wird, bei dem es um Hilfe für Straßenkinder geht. So soll auch an dieser Stelle eine praktische Auswirkung der Tagung deutlich werden.

Ein weiteres Thema war die geplante Neuorganisation des Vikariats, die gleichermaßen Diakoninnen und Diakone wie Pastoren und Pastorinnen betrifft. Friedbert Neese, Leiter des BEFG-Dienstbereichs Ordinierte Mitarbeiter, erläuterte den Konventteilnehmern das Konzept.

Besondere Werbung machte Dr. Ralf Dziewas, Professor für Diakonik in Elstal, für den neuen Master-Studiengang „Freikirchliche Diakonie“, der im Herbst 2012 beginnen soll. Absolventen von sozialwissenschaftlichen Studiengängen erhalten dort eine theologische Qualifizierung, um zukünftig als Diakoninnen und Diakone in Gemeinden und Werken tätig sein zu können.

Um die Tagungsbesucher persönlich und dienstlich zu unterstützen, gab es später Workshops zu Themen wie Zeitmanagement und Burn out, Abendmahl oder „Perlen des Glaubens“. Außerdem übte ein Konventchor.

Gunnar Bremer, Referent des Dienstbereichs Mission, erarbeitete mit einer Reihe von Interessierten ein neues Konzept für eine besondere Gemeindeaktion, die er in Anlehnung an den Begriff Evangelisation „Diakonisation“ nannte. Er erklärte die Unterschiede zwischen beidem: Eine klassische Evangelisation könne den Blick einer Gemeinde neu auf die Menschen in ihrer Umgebung lenken, um sie mit dem Wort Gottes zu erreichen. Eine „Diakonisation“ könne dazu führen, dass man im gemeinsamen Dienen mit anderen erlebe, was es bedeutet, Christus im bedürftigen Nächsten zu begegnen.

Als Gast nahm Pastor Frank Fornaçon (Kassel), Mitglied des BEFG-Präsidiums, teilweise an Veranstaltungen des Konvents teil und stellte die selbstkritische Frage: Wenn wir von Inklusion reden, also der selbstverständlichen Teilhabe der Armen, haben wir denn eigentlich durchlässige Strukturen, damit tatsächlich jeder etwas beitragen kann?

Letzte Zweifel an der Relevanz des Themas beseitigte die Predigt von Friedbert Neese im Abschlussgottesdienst, der ausgehend von Amos 5 unterstrich, dass der Gottesdienst wertlos sei, wenn die Gesellschaft, die ihn feiert, korrupt und ungerecht ist.

Die anwesenden Konventmitglieder verabschiedeten Walter Becker (Hannover) aus der Konventleitung und wählten Damaris Werner (Nordhorn) und Petra Klatt (Bielefeld) wieder, bzw. neu hinzu.

Befragt zu ihrem Fazit aus der Tagung sagte eine Teilnehmerin, dass sie als erste Konsequenz ihr Einkaufsverhalten ändern wolle. Eine junge Berufsanfängerin hob ihre Freude darüber hervor, dass sie als Neuling offen und herzlich aufgenommen worden sei und eine gute Gemeinschaft im Konvent erlebt habe.

Almut Siodlaczek, Ober-Ramstadt

 

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