Ein Bericht von Friedrich Schneider
Mein Kirchentag war kalt und nass, aber nichts desto trotz eindrucksvoll. Gefroren habe ich zunächst beim Eröffnungsgottesdienst auf der Theresienwiese, den meine Frau gemeinsam mit dem evangelischen Kirchentagspastor Joachim Lenz geleitet hat. Danach haben wir mit allen anderen Kirchentagsbesuchern die Innenstadt überfüllt. Das Erstaunliche aber: Unter 100.000 trifft man nicht wenige alte Bekannte! Nach kurzem Auftauen über Nacht hatte ich dann das Vergnügen, auf dem nasskalten Odeonsplatz den Himmerfahrtsgottesdienst zu erleben. Eine schöne, musikalisch interessant gestaltete Liturgie erwärmte (allerdings nur) das Herz. In diesem Gottesdienst wurden der ökumenische Schöpfungstag und die Schöpfungszeit für jedes Jahr im September ausgerufen. Als Zeichen dafür erhielten die Vertreter der ACK-Kirchen ein Apfelbäumchen – frei nach Luther, der selbst beim kommenden Weltuntergang ihn noch pflanzen würde. Wir pflanzen ihn vor die Geschäftsstelle des Bundes in Elstal – damit wir Hoffnung haben...Übrigens war es eine interessante Erfahrung, mit meinem Freund, dem Baum (immerhin schlappe 1,80 groß) in der Müncher U-Bahn zu fahren. Während Kirchentagen ist die Stimmung in öffentlichen Verkehrsmitteln ja sowieso sehr kommunikativ. Aber mit so einem Baum an der Seite bietet man selbstverständliche Gesprächseinstiege. Ich habe in der U-Bahn mehr von unserer Kirche erzählt als am Stand des Bundes... Die nächste Station auf dem ÖKT war für mich ein Podium zur Sicherung der bisherigen Ergebnisse im Ökumenischen Dialog: „Ökumene in via“. Ein sehr rühmliches und lobenswertes Unterfangen, da wir alle zur Vergesslichkeit neigen. Mir war es aber wichtig, zu unterstreichen, dass Ökumene mehr ist als der Versuch theologisch-dogmatischer Verständigung auf kirchenleitender Ebene. Zwar freuen sich lutherische und katholische Christen über die Einigung in der Tauffrage, kommen aber beim Thema Abendmahl nicht weiter. Das wiederum ist für uns kein Problem, dafür stören wir bei der Tauffrage ein wenig. Und die Orthodoxen haben Schwierigkeiten mit der Anerkennung des „Bischofs von Rom“ als Oberhirten. Was uns alle verbindet, ist also nicht das, worauf wir uns verständigen konnten. Das Verbindende liegt außerhalb unserer Möglichkeiten im Blick auf den gemeinsamen Herrn und im Befolgen seines Auftrages.Ähnlich wie andere Kirchentagsbesucher habe ich auch festgestellt: Was Theologen und Kirchenleitungen schwer fällt, ist bei der Basis selbstverständlich. Hier zählt die gemeinsame Erfahrung im Gottesdienst und die Zusammenarbeit in einzelnen Projekten mehr als die unterschiedlichen Einsichten und Bekenntnisse.Die Selbstverständlichkeit basisökumenischen Miteinanders hat mich beeindruckt. Es ist, als ob die Christen wieder rufen „Wir sind das (Kirchen-)Volk!“ Und damit sind sie viel weiter im Aufeinanderzugehen als manche Verantwortungsträger. Man könnte es auch in Anlehnung an eine andere Veranstaltung sagen: „Gemeinsam dienen wir dem Herrn.“ Und das ist auch gut so.
Pastor Friedrich Schneider, Mitglied der Bundesgeschäftsführung des BEFG
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