Andacht zum Monatsspruch für Januar 2012

Weise mir, Herr, deinen Weg; ich will ihn gehen in Treue zu dir.
(Psalm 86,11a) 

Diese Bitte an Gott, diesen Wunsch der Wegweisung am  Anfang eines neuen Jahres teilen viele Menschen mit dem Psalmbeter. Gerade zu Beginn eines neuen Jahres ist das Gefühl der Unsicherheit groß – und mit der Unsicherheit auch die Angst, was im neuen Jahr alles auf einen zukommen wird. So vieles ist noch unbestimmt. Noch ist nicht absehbar, welche Situationen und Ereignisse auf einen zukommen. Noch ist unklar, welche Weichen für Familie und/oder Beruf gestellt werden müssen. In solchen Momenten der Verunsicherung liegt es nahe, sich dorthin zu wenden, wo Sicherheit, Halt, Geborgenheit erfahren wurden und zu erfahren sind: bei Gott. „Weise mir, Herr, deinen Weg.“
In solchen Momenten der Verunsicherung treten vielleicht auch die Aussagen von Psalm 139 vor Augen: „Herr, du hast mich erforscht und kennst mich […] Deine Augen sahen, wie ich entstand und in Deinem Buch war schon alles verzeichnet, meine Tage schon gebildet, bevor überhaupt einer da war.“ Wie schön wäre es doch, wenn Gott etwas von seinem Wissen über den eigenen Lebenslauf offenbaren und die richtigen, gottgefälligen Entscheidungsoptionen mitteilen würde. „Weise mir, Herr, deinen Weg!“

Der Beter des 86. Psalms denkt bei dieser Bitte an Gott in eine andere Richtung, wie der zweite Teil von V. 11 zeigt: „Richte mein Herz darauf hin, allein deinen Namen zu fürchten“. Diese beiden Bitten um Wegweisung und Ausrichtung des Herzens bilden eine Einheit. Und in dieser Einheit konkretisiert die Bitte um die Ausrichtung des Herzens die Bitte um die Weisung des Weges Gottes.

Der Beter erhofft die Wegweisung Gottes nicht durch eine Vorausschau auf den eigenen Lebensablauf oder eine konkrete Anweisung zur Entscheidung für die eine oder andere Option. Für ihn liegt die Wegweisung Gottes darin, dass sein Herz allein auf Gott hin ausgerichtet ist. Denn diese Herzensausrichtung ist die grundlegende Befähigung dazu, selbst Entscheidungen nach Gottes Willen fällen zu können. Und Gottes Wille ist es seit jeher, dass Mensch und Gott und Mensch und Mensch versöhnt miteinander leben.

Die Bitte „Weise mir, Herr, deinen Weg“ vermag damit zwar nicht, die Unsicherheit über das Ungewisse des neuen Jahres zu nehmen. Aber sie kann die Unsicherheit und Angst darüber, wie wir uns in den noch unbekannten Situationen verhalten und entscheiden sollen, in Zuversicht und Mut verwandeln. Denn hinter dieser Bitte steht zugleich die Gewissheit, dass Gott uns befähigen will, so zu entscheiden, dass wir seinen Namen und seinen Willen fürchten.

Mit dieser Gewissheit können wir uns zuversichtlich und mutig den noch unbekannten Situationen des neuen Jahres stellen.

Christian Wehde

Der Autor ist wissenschaftlicher Mitarbeiter für Neues Testament am Theologischen Seminar Elstal (Fachhochschule).

„Lass uns über Jesus reden!“

Weihnachtsandacht der BEFG-Generalsekretärin

Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete? (Lukas 24,32) 

Während der Gemeindetage, zu denen ich kürzlich unterwegs war, starb eine ältere Schwester der Gemeinde. Mit großer Wertschätzung sprachen alle über diese Frau. „Sie wollte immer über Jesus reden“, hieß es. Jedes Gespräch lenkte sie früher oder später dahin. „Lass uns über Jesus reden!“, bat sie dann ihr Gegenüber.

Überall in der Welt sind mir solche Menschen begegnet, denen es sehr wichtig war, über Jesus zu sprechen. Der Weltreisende, der jeden Taxifahrer und jeden Hotelportier über kurz oder lang nach seiner Beziehung zu Jesus fragt, tut dies aus Begeisterung für seinen Herrn, und die Frage kommt ihm ganz natürlich über die Lippen. Die schwarze südafrikanische Frau, die frühmorgens auf dem Weg zur Arbeit im Regionalzug Mitreisenden von Jesus erzählt und mit ihnen Lobpreis-Lieder singt, freut sich jeden Tag auf diese besonderen Begegnungen. Für den Sozialarbeiter in Nicaragua ist es selbstverständlich, bei seinen Besuchen in den ärmsten Familien nicht nur Lebensmittel zu verteilen, sondern die Menschen auf die Hoffnung hinzuweisen, die Jesus ihnen schenken möchte.

Die Hirten damals in Bethlehem auf dem Feld staunen nicht schlecht, als die Engel ihnen von Jesus erzählen: „Euch ist heute der Heiland geboren!“ Und Jahre später, als zwei Männer auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus sind, kommen sie mit einem Fremden ins Gespräch über diesen Jesus – und merken zuerst nicht, dass er es selbst ist. Doch sie spüren, wie ihnen das Herz brennt, als er mit ihnen über Gottes Plan für diese Welt und Gottes Heil für jeden Menschen redet. Die Männer auf dem Weg nach Emmaus erleben durch dieses Gespräch über und mit Jesus, wie sie eine neue Perspektive für ihr Leben gewinnen.

Lasst uns also über Jesus reden! Im Trubel unserer so sehr kommerzialisierten Weihnachtsgeschäftigkeit geht das Reden über Jesus manchmal unter. Dabei ist er doch der eigentliche Anlass für dieses Fest! Ich wünsche mir in dieser Weihnachtszeit, dass wir wieder miteinander von Jesus reden. Dann werden wir merken: auch er redet mit uns!

Regina Claas

Andacht zum Monatsspruch für Dezember 2011

Gott spricht: Nur für eine kleine Weile habe ich dich verlassen, doch mit großem Erbarmen hole ich dich heim. (Jes 54,7) 


Mit welchem Zeitgefühl leben Sie? Nach meinem Eindruck sind viele Menschen, ja unsere Gesellschaft von Schnelligkeit geprägt. Wir leben in einer Instantgesellschaft. Alles kann ganz schnell gehen. Auf Knopfdruck. Im Fertigbeutel. In rasender Geschwindigkeit. Was „kurz“ und „lang“ dauert, ist dabei relativ, eine Frage des Betrachters. Die Adventszeit mit ihrem jährlichen Rhythmus von vier Wochen bis zum Heiligen Abend wird gestreckt, indem die ersten Adventsnaschereien schon im September in den Supermärkten angeboten werden und der Nikolaus schon mal im Oktober beim Bäcker als Dekoration aufgestellt wird, damit sich die Anschaffung auch gelohnt hat. Und zugleich ist die Adventszeit für manchen immer zu kurz, um anzukommen. Anzukommen bei sich selbst, seinem Nächsten oder etwa bei Gott.

Der Monatsspruch für Dezember stellt unterschiedliche Perspektiven einander gegenüber: Was ist kurz und was ewig? Was ist klein und groß?  Dabei spricht das Bibelwort aus dem Propheten Jesaja nicht aus der Sicht des Menschen, der im Rückblick auf seine Leidenszeit reflektiert betet wie Psalm 30,6: „Denn sein Zorn währet einen Augenblick und lebenslang seine Gnade. Den Abend lang währet das Weinen, aber des Morgens ist Freude.“ Sondern Jesaja 54 verspricht aus göttlicher Perspektive zunächst Israel eine verheißungsvolle Zukunft: Die Zeit der Zerstreuung - im babylonischen Exil - dauert nur „kurz“, in Aussicht steht Sammlung und Heimkehr. Die Wende der Zeiten von damals und morgen geschieht dabei in Gott selbst. Gott entscheidet sich, sein fremdes Werk, seinen Zorn in Zaum zu halten und zu begrenzen, ihn klein zu halten. Gott als Ehegatte verlässt - bildlich gesprochen - seine Braut nicht für lange Zeit, sondern will sie nach Hause holen, er kann sie nicht verstoßen (Jes 54,6). Und Gott lässt sein Erbarmen groß werden.

Erbarmen ist die Aufmerksamkeit des Herzens. Das hebräische Äquivalent für das deutsche Erbarmen (racham) ist im Wortstamm verwandt mit dem Begriff Mutterschoß (raechaem) – Erbarmen ist mit Emotionen und Leidenschaft für Hilflose und Angewiesene verbunden. Gottes Leidenschaft ist groß, wenn es darum geht, Zukunft zu ermöglichen. Israel war im babylonischen Exil angewiesen auf Hilfe von außen, um neue Perspektiven des Glaubens und des Lebens zu entwickeln. Es war nicht alles schlecht beim Leben in der Zerstreuung, aber eine tragende Bewegung hoffte darauf, wieder nach Hause kommen zu können.

Die Adventszeit bietet viele Möglichkeit der selbstgewählten Zerstreuung. Wir können diese Zeit schnell abhaken, ohne bei uns selbst, beim Nächsten oder gar in Gottes Gegenwart anzukommen. Gott möchte Menschen aus der Zerstreuung zu sich nach Hause holen und sammeln. In Jesus Christus möchte Gott alle Menschen bei sich haben. Wenn es wieder heißt: „denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr“ (Lk 2,11), laden christliche Gemeinden zum Geburtstag der Barmherzigkeit Gottes mit allen Menschen ein. Nehmen Sie sich dafür Zeit, ruhig mehr als letztes Jahr!

Michael Rohde

Der Autor ist Professor für Altes Testament am Theologischen Seminar Elstal (Fachhochschule).

Andacht zum Monatsspruch für November 2011

Gut ist der Herr, eine feste Burg am Tag der Not. Er kennt alle, die Schutz suchen bei ihm. (Nah 1,7) 

Wie viele Menschen lassen Gott heutzutage einen „guten Mann“ sein? Der sogenannte „liebe Gott“ darf irgendwo im Himmel gemütlich sitzen und auf die Erde schauen, aber relevant für die alltäglichen Herausforderungen, Ängste und Bedrohungen ist er für viele nicht. Wenn Nahum 1 vom guten Jahwe (HERRN) spricht, dann meint das keinen harmlosen, machtlosen Greis, sondern dass Gott gut ist wird vorangestellt: „Gut ist Jahwe“ betont, dass er auch die Machtmittel zur Güte hat. Gott kann gut sein, seine Güte ist wirksam.

Das Buch Nahum atmet stark die militärische und existentielle Bedrohung durch die Heeresmacht der Assyrer. Die Assyrer galten damals als Geißel des Orients und waren bekannt für ihre Gewaltherrschaft, die alle Lebensbereiche erfassen konnte. Unter Angst und Bedrohung hält der für diesen Monat ausgewählte Vers daran fest, dass das Gutsein Gottes für denjenigen, der zu ihm flieht, Schutz bedeutet. Wir benötigen vermutlich keine Hilfe, uns auszumalen, was Tage der Not sein können, sie stehen uns leicht vor Augen. Nahum 1,7 bekennt: Gerade an solchen Tagen ist Gott Zuflucht, wie eine feste Burg. Und Gott weiß, wer seine Hilfe benötigt, er kennt diejenigen, die zu ihm fliehen. Darauf ist Verlass!

Wer durch Medienberichte und persönliche Nachrichten aus der Ferne daran Anteil nimmt, wie es anderen Menschen geht, kann angesichts von Schutzlosigkeit, Flüchtlingsdramen und Kriegswirren seine Überzeugung, dass Gott Zuflucht ist, zur Fürbitte werden lassen für Bedrohte, Verängstigte und Ohnmächtige. Und als christliche Gemeinschaft vor Ort können wir uns fragen, wie unsere Überzeugung, dass Gott gut ist und ein Zufluchtsort, unsere Gemeindehäuser zu Noteingängen macht. Hier kannst Du erfahren, dass Gott gut ist und Schutz erfahrbar wird. „Dankt dem HERRN, denn er ist freundlich/gut, und seine Güte währet ewiglich“ Das ist so wichtig, dass es nicht nur einmal in der Heiligen Schrift steht, sondern beispielsweise in Jer 33,11; Ps 100,5; 106,1; 107,1; 118,1.29; 136,1 und öfter. Wir benötigen die Erinnerung daran und auch dass uns Menschen durch Berichte von Erfahrungen mit unserem guten Gott ermutigen.

Michael Rohde

Der Autor ist Professor für Altes Testament am Theologischen Seminar Elstal (Fachhochschule).

Andachten zum Nachhören

Mit freundlicher Genehmigung verschiedener Radiosender stehen an dieser Stelle Radioandachten zum Donwloaden und Nachhören bereit. 

 

Vergessene Segenswünsche - die Wunschliste
Andacht Pastor i.R. Dietrich Wook 12.7.2010 im NordWestRadio

Vergessene Segenswünsche - Herzlichen Glückwunsch
Andacht Pastor i.R. Dietrich Woock 14.7.2010 im NordWestRadio

Vergessene Segenswünsche- Gute Besserung
Andacht Pastor i.R. Dietrich Woock 15.7.2010 im NordWestRadio

Vergessene Segenswünsche - Ahoi!
Andacht Pastor i.R. Dietrich Woock 16.7.2010 im NordWestRadio

Vergessene Segenswünsche - Das Amen in der Kirche
Andacht Pastor i.R. Dietrich Woock 17.7.2010 im NordWestRadio

Hiroshima
Andacht Pastorin Anja Neu-Illg, Ev. Radio- und Fernsehkirche im NDR 90,3 (www.radiokirche.de)

Feinheiten
Andacht Pastorin Anja Neu-Illg, Ev. Radio- und Fernsehkirche im NDR 90,3 (www.radiokirche.de)

Wohlerspark
Andacht Pastorin Anja Neu-Illg, Ev. Radio- und Fernsehkirche im NDR 90,3 (www.radiokirche.de)

Valentinstag
Andacht Pastorin Anja Neu-Illg, Ev. Radio- und Fernsehkirche im NDR 90,3 (www.radiokirche.de)

Pilgerreise für Verliebte
Andacht Pastorin Anja Neu-Illg, Ev. Radio- und Fernsehkirche im NDR 90,3 (www.radiokirche.de)

Über die Liebe
Andacht Pastorin Anja Neu-Illg, Ev. Radio- und Fernsehkirche im NDR 90,3  (www.radiokirche.de)

Du stellst meine Füße auf weiten Raum (Psalm 31,9)
Andacht Pastor Carsten Hokema 25.1.2010 im NordWestRadio

Euer Herz erschrecke nicht (Johannes 14,1)
Andacht Pastor Carsten Hokema 26.1.2010 im NordWestRadio

Meine Seele ist still zu Gott, der mir hilft (Psalm 62,2)
Andacht Pastor Carsten Hokema 27.1.2010 im NordWestRadio

Geburtstag DFB - Jahrestage
Andacht Pastor Carsten Hokema 28.1.2010 im NordWestRadio

Sabbat
Andacht Pastor Carsten Hokema 29.1.2010 im NordWestRadio

Gemeinsames Festmahl
Andacht Pastor Carsten Hokema 30.1.2010 im NordWestRadio

Der Schicksalstag der Deutschen (Psalm 18,30)
Andacht Prof. Dr. Kim Strübind 9.11.2009 im Deutschlandfunk

Die Entdeckung der Weisheit (Genesis 3)
Andacht Prof. Dr. Kim Strübind 10.11.2009 im Deutschlandfunk

Vom Staunen (Psalm 8)
Andacht Prof. Dr. Kim Strübind 11.11.2009 im Deutschlandfunk

Mitleid statt Rache (2. Samuel 13)
Andacht Prof. Dr. Kim Strübind 12.11.2009 im Deutschlandfunk

Gerechtigkeit (Habakuk 2,4/Römer 1,17)
Andacht Prof. Dr. Kim Strübind 14.11.2009 im Deutschlandfunk

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Es geht um mehr, als in den Himmel zu kommen

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