Seniorenarbeit in der Gemeinde oder Gemeindearbeit mit Senioren
Wenn wir uns die Zahlen der Bevölkerungsentwicklung in Deutschland anschauen, dann ist Gemeindearbeit mit Senioren, die Aufgabe für die Zukunft. Immer mehr Menschen erleben eine lange Altersphase in relativ guter Gesundheit. In vielen Gemeinden sind 40-50% der Mitglieder über 60 Jahre alt. Das ist nicht nur eine Herausforderung für den diakonischen Auftrag der Gemeinden, sondern auch ein enormes Potenzial. Doch bei aller Einsatzbereitschaft der tatkräftigen Rentnerinnen und Rentner, lassen sie sich in der Regel nicht mehr einfach da einsetzen, wo andere es für sinnvoll halten. Viele haben schon mehrere Jahrzehnte treu in ihren Gemeinden „gedient“ und wollen jetzt die neu gewonnene Freiheit nicht wieder aufgeben durch zu starre Verpflichtungen. Besonders unattraktiv für die große Gruppe der „jungen Alten“ ist der klassische Seniorenkreis – und das liegt meistens nicht an den Seniorenkreisen selbst. Das sind fröhliche Gruppen mit abwechslungsreichem Programm und guter Gemeinschaft, hoch geschätzt von denen, die dazu gehören. Und genau das möchten viele Menschen auch jenseits der 65 eben nicht: Dazugehören zum Kreis der Senioren und damit zu der Gruppe von Menschen, die alt sind. Sie können sich selbst nicht damit identifizieren und vor allem möchten sie nicht von anderen mit „den Alten“ identifiziert werden. Hier sehe ich eine Ursache dafür, dass viele Seniorenkreise immer kleiner werden. Ein anderer Grund für den großen Veränderungsbedarf in der Seniorenarbeit liegt in dem breiten Altersspektrum. Die Gruppe der Senioren umfasst zwei bis drei Generationen. Wer heute 65 Jahre alt wird, ist erst nach dem 2. Weltkrieg geboren und trifft in der Seniorengruppe auf die Generation der eigenen Eltern.
Parallel zur allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung sind die Lebensentwürfe, Interessenslagen und Überzeugungen der heutigen jungen Seniorengeneration sehr ausdifferenziert und individuell höchst verschieden.
Im Landesverband Westfalen des BEFG gibt es seit kurzem die Initiative „between“, die sich genau damit beschäftigt. between – das heißt dazwischen und meint hier nicht mehr jung, noch nicht alt und mitten im Leben. Beim ersten Entdeckertag von „between“ am 07.11.2009 in Herten wurde deutlich, dass sich kaum noch jemand nur auf Grund des eigenen Alters in eine bestimmte Gruppe einladen lässt. Viel wichtiger sind Interessen und Lebenssituationen. Es scheint eine allgemeine Unlust zu geben, sich in eine Gruppe zu integrieren. Gewünscht werden eher überschaubare Projekte, kleine, nach Interessen gebildete Kreise, Angebote, die wahrgenommen werden können oder auch nicht. Es gibt die ersten Versuche von Gemeinden, dieser Situation gerecht zu werden.
Menschen können das am besten, was sie gerne tun. Und genau dafür können Gemeinden ihre Häuser öffnen:
Die Liste lässt sich fortsetzen. Menschen in fortgeschrittenem Alter sind oft auf der Suche nach Gemeinschaft mit Gleichgesinnten, sie wollen eine sinnvolle Beschäftigung nach dem Beruf, sie sehnen sich nach neuen Impulsen und nach Antworten auf die letzten Fragen. Gemeinden können Orte werden, wo sie das alles finden. Dazu braucht es nur Menschen mit kreativen Ideen, Zeit und Lust und Gemeinden mit offenen Häusern und Herzen.
Irmgard Neese in „Gemeinde“ 2010
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