Ammersbeck/Hamburg – Eine vorschnell ausgesprochene Vergebung kann den seelischen Heilungsprozess beeinträchtigen. Das verdeutlichte die Verhaltens-therapeutin Dr. Heike Ewers (Hamburg) auf der alle zwei Jahre stattfindenden Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft evangelisch-freikirchlicher Beratungsstellen (AGefB) am Wochenende (17. bis 19.06.2011) in Ammersbeck bei Hamburg. In Beratungsgesprächen müsse oft zunächst geklärt werden: „Ist eine Vergebung schon angesagt oder sind erst ganz andere Themen dran?“
Einer sehr frühen formellen Vergebung folgten später oft Wut oder Scham, erklärte die fachliche Leiterin der Evangelisch-Freikirchlichen Beratungsstelle (EBF) Hamburg vor 25 Teilnehmern aus dem ganzen Bundesgebiet. Zudem hieße Versöhnung nicht „Frieden und Harmonie um jeden Preis oder Konflikte zu bagatellisieren.“ Jede Person, die eine Beratungsstelle aufsucht, benötige ihren eigenen Prozess und ihre eigene Zeit“. Darauf gelte es auch in der christlichen Beratungsarbeit behutsam zu achten. Dann könne später auch die Frage berechtigt sein, ob die ratsuchende Person etwa „auf der Seite des Hasses“ bleiben möchten oder die Offenheit und den Mut aufbringen möchte, ihr Handeln zu verändern.
Vergebung sei aus theologischer Sicht stets „unverfügbar und ein Geschenk“, erläuterte der Theologe und Geschäftsführer der EFB Hamburg, Dr. Tilman Schreiber. Sie entziehe sich letztlich psychotherapeutischer Methoden. Vergebung und Sühne seien „grundsätzlich und immer möglich“ und „eröffneten einen Hoffnungshorizont und eine Kraftquelle“. Dazu könne dann auch „psychologische und psychotherapeutische Kompetenz beitragen“.
Als neuen Vorstandssprecher wählte die AGefB Dietmar Ullrich (Hamburg) sowie als weitere Mitglieder des dreiköpfigen Vorstands Tilman Schreiber (Hamburg) und Hans-Günter Simon (Gütersloh). Zudem nahm sie die Christliche Beratungsstelle Ostwestfalen-Lippe (Bad Salzulfen) als neues Mitglied auf. Pastor Olaf Kormannshaus (Wustermark-Elstal) dankte den scheidenden Vorständen Elisabeth Böhlke (Berlin) und Joachim Voges (Einbeck) für die geleistete Arbeit. Thomas Mruck (Dortmund) war zu Jahresbeginn überraschend zurückgetreten.
Insgesamt sind in der 1997 als Fachverband gegründeten AGefB rund 100 Beratende in den etwa zehn evangelisch-freikirchlichen Trägereinrichtungen zusammen-geschlossen. Die nächste Mitgliederversammlung findet vom 7. bis 9. Juni 2013 in Hannover statt.
Holger Gohla
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