Andacht zum Monatsspruch September

Alles ist Seine Zeit

Ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes. Koh 3,13 (L)

Ein weiser Mann wurde einmal gefragt, warum er trotz seiner vielen Beschäftigungen immer so gesammelt sein könne. Dieser sagte: Wenn ich stehe, dann stehe ich, wenn ich gehe, dann gehe ich, wenn ich sitze, dann sitze ich, wenn ich esse, dann esse ich, wenn ich spreche, dann spreche ich... Da fielen ihm die Fragesteller ins Wort und sagten: Das tun wir auch, aber was machst du noch darüber hinaus? Er sagte wiederum: Wenn ich stehe, dann stehe ich, wenn ich gehe, dann gehe ich, wenn ich sitze, dann sitze ich, wenn ich esse, dann esse ich, wenn ich spreche, dann spreche ich ... Wieder sagten die Leute: Das tun wir doch auch. Er aber sagte zu ihnen: Nein, wenn ihr sitzt, dann steht ihr schon, wenn ihr steht, dann lauft ihr schon, wenn ihr lauft, dann seid ihr schon am Ziel.
Ein wirklich weiser Mann, der solches beobachtet – und er hat Recht, der Technik sei „Dank“! Die Werbung präsentiert uns glückliche Menschen, die im Park an ihrem iPad arbeiten oder in der Bahn im Internet surfen, dasselbe Bild in jedem ICE bei Tempo 250. Alles ist Arbeit. Alles ist Freizeit. Schöne neue Welt, oder?
Dabei übersehen wir leicht, dass der Park gar nicht zum Arbeiten gedacht ist, sondern viel besser zum Spazierengehen. Und vielleicht ist eine Bahnfahrt auch viel schöner, wenn man zum Fenster herausschauen kann, als bei Tempo 250 die E-Mails zu bearbeiten? Wo alles gleichzeitig geht, geht in Wirklichkeit nichts mehr richtig.
Der Versuch, alles gleichzeitig zu machen, führt zu einer Unfähigkeit, den Augenblick – und das heißt Menschen, Eindrücke, Möglichkeiten – wahrzunehmen. Wenn der Gottesdienst länger dauert, werden viele unruhig.
Wenn wir eingeladen werden, sagen wir vorsichtshalber: "Mal sehen!", weil wir uns noch andere Möglichkeiten offen halten wollen. Freiwillige Mitarbeit ist für manchen ein unkalkulierbares Risiko geworden. Wenn wir es noch irgendwie reinkriegen in unser Zeitkorsett, vielleicht ja.
Der alttestamentliche Weise hat schon Recht: Alles hat seine Zeit (Koh 3, 1-8). Allerdings geht es für ihn um mehr als ein noch effizienteres Zeitmanagement. Er erinnert nicht nur daran, die Dinge ganz und zur richtigen Zeit zu machen, sondern auch in der angemessenen Zuordnung. Dass in jedem Augenblick Gottes Möglichkeiten liegen, ja, er selbst sie anbietet - das fordert heraus, jeden Augenblick als geschenkte Möglichkeit, als Gabe Gottes wahrzunehmen. Alles hat seine Zeit – und alles ist Seine Zeit.

Thomas Seibert

Andacht zum Monatsspruch August

Jesus Christus spricht: Ihr urteilt, wie Menschen urteilen, ich urteile über keinen. Joh 8,15

Jeden Tag werden unzählige Urteile über Menschen gefällt. Gedankenlose Urteile, erschreckende Urteile, kleinkarierte Urteile und bittere.
„Wie sieht der schon wieder aus?“ „Typisch, dass sie das wieder sagen musste.“ „Immer bist du wie deine Mutter.“ „Der kann ja auch kein Glück im Leben haben, so wie der lebt.“ Darin sind wir gut – Urteile über das Leben anderer auszusprechen, oft auch über unser eigenes. Manchmal reicht ein kurzer Eindruck, und wir haben den anderen schon festgenagelt, auf eine Erfahrung, eine Aussage, manchmal aufgrund eines Blickes.
Jesus warnt uns davor andere zu verurteilen. Er stellt sich Leben teilen und Gemeinschaft leben anders vor.
Jesus Christus spricht: „Ihr urteilt, wie Menschen urteilen, ich urteile über keinen.“ In diesem kurzen Vers aus dem Johannesevangelium geht es um Gerechtigkeit und darum, wer sagt eigentlich was falsch und richtig ist. Wer darf beurteilen und Recht sprechen?
Manch einer wird denken: Hoffentlich tut es einer! Ja, hoffentlich gibt es jemanden, der Recht spricht. Und manch anderer denkt vielleicht auch: oh hoffentlich nicht! Hoffentlich schaut man nicht allzu genau auf mein Leben, auf die Höhen und Tiefen meines Alltags und der Entscheidungen, die ich manches Mal schon bitter bereut habe.
Wir sollten nicht Gericht sprechen. Sondern Gnade! Es liegt nicht in unserer Hand – Gott sei Dank – zu urteilen. Und das Erstaunliche an diesem kleinen Vers – auch Jesus sagt von sich, dass er nicht urteilen, verurteilen will. Die Menschen sollen ihn entdecken, sein Wesen, seine Art, die Gnade, die er mit sich bringt, die Offenheit, die Liebe. Ihm geht es nicht um richtig oder falsch – ihm geht es um das Wichtigste: um die Liebe zum Vater, um die Liebe von ihm.
Jesus urteilt nicht nach dem Augenschein -  er urteilt nicht, wie wir das tun. Jesus sieht das Herz. Er sieht nicht nur, was ist, sondern wer wir in seinen Augen sind und sein können. Er sieht mehr als die Realität. Und er gibt die Hoffnung nicht auf, dass wir zu den Menschen werden, die Gott sich gedacht hat. Dazu kann aber nur die Gnade verhelfen und die Liebe.
Auch in unseren Beziehungen helfen nicht die Verurteilungen, den anderen zu dem zu verhelfen, was Gott in ihm sieht, sondern die Liebe. Die Liebe verleiht Flügel. Sie befreit. Sie erneuert uns, da wo wir gebrochen sind.
Die Gnade gibt Raum zum Atmen, auch nach und in schweren Erfahrungen. Die Gnade in Person ist Jesus Christus, der sich in unserem Leben und unseren Beziehungen widerspiegeln darf.

Angela Klinge
Die Autorin ist Pastorin in Siegen

Andacht zum Monatsspruch Juli

So bekehre dich nun zu deinem Gott, halte fest an Barmherzigkeit und Recht und hoffe stets auf deinen Gott. (Hos 12, 7)

So kann man sich irren
Irren ist menschlich – vor allem im Hinblick auf die eigene Person. Gut, wenn man dann Freunde hat, die einem die Augen für die eigenen blinden Flecke öffnen. Auch, wenn das, was man sieht, nicht immer angenehm ist.
Der Satz aus dem Buch des Propheten Hosea hat so eine Situation vor Augen.
„Ich bin reich. Ich habe genug. Bei all meinen Mühen wird man keine Schuld an mir finden, die Sünde ist.“ – So werden zwei Sätze weiter im Israel seiner Zeit offenbar weit verbreitete Überzeugungen zitiert. Aber, wie
gesagt: Irren ist menschlich. Damals und heute. Nein, Gott sieht die Situation der Frommen in Israel ganz anders. Der Prophet Hosea nimmt die Decke der Selbstüberschätzung von ihren Augen – und wer seine Wort hört und versteht, wird erkennen, wie es um ihn steht.
Was nun? Palmblätter der Selbstrechtfertigung pflücken und daraus einen Lendenschurz basteln, um sich nicht ganz so nackt vorzukommen? Und dann hoffen, dass es keiner – vor allem er, Gott, es nicht merkt? Irren ist menschlich – auch das Denken des Menschen über Gott ist nicht frei von Irrtümern. Wer die Kapitel 11 und 12 im Buch des Propheten Hosea liest, entdeckt einen zugewandten, menschenfreundlichen Gott. Einer, der sich nach (seinen) Menschen verzehrt. Der gar nicht anders kann, als ihnen nachzugehen. Die Antwort Gottes auf den menschlichen Irrtum ist kein Wutausbruch, sondern eine freundliche, liebevolle Einladung, anders zu leben. Noch einmal neu anzufangen. Der biblische Fachbegriff dafür ist „Umkehr“. Deshalb findet sich in einer Bibel-Ausgabe die sachgemäße
Übersetzung: Du darfst umkehren.
Diese Umkehr ist mehr als ein Gedanke – auch mehr als ein Bekenntnis. Die Menschen täuschen sich ja nicht in ihrem Bekenntnis, sondern sie trennen Bekenntnis und Alltag. Gerade an dieser Stelle sind sie blind: Deshalb werden sie aufgerufen, zu Barmherzigkeit und Recht zurückzukehren. Dass auch der Nächste zu seinem Recht kommt – das ist ein hohes Gut, und es soll sorgfältig beachtet werden.
So kann man sich irren – wie gut, dass dieser Gott ganz anders ist, als man manchmal meint. Einer, der nicht nur Treue einfordert, sondern selbst treu ist. Einer, der nicht aufrechnet, sondern gerecht macht. Einer, dem es nicht nur um das richtige Bekenntnis geht, sondern um Barmherzigkeit, die niemanden ausschließt. Diesem Gott kann man sich anvertrauen. Seine Einladung, umzukehren, ist eine Einladung zum Leben.

Thomas Seibert
Der Autor ist Pastor und arbeitet als Redakteur im Oncken Verlag (Kassel)

Andachten zum Nachhören

Mit freundlicher Genehmigung verschiedener Radiosender stehen an dieser Stelle Radioandachten zum Donwloaden und Nachhören bereit. 

 

Hiroshima
Andacht Pastorin Anja Neu-Illg, Ev. Radio- und Fernsehkirche im NDR 90,3 (www.radiokirche.de)

Feinheiten
Andacht Pastorin Anja Neu-Illg, Ev. Radio- und Fernsehkirche im NDR 90,3 (www.radiokirche.de)

Wohlerspark
Andacht Pastorin Anja Neu-Illg, Ev. Radio- und Fernsehkirche im NDR 90,3 (www.radiokirche.de)

Valentinstag
Andacht Pastorin Anja Neu-Illg, Ev. Radio- und Fernsehkirche im NDR 90,3 (www.radiokirche.de)

Pilgerreise für Verliebte
Andacht Pastorin Anja Neu-Illg, Ev. Radio- und Fernsehkirche im NDR 90,3 (www.radiokirche.de)

Über die Liebe
Andacht Pastorin Anja Neu-Illg, Ev. Radio- und Fernsehkirche im NDR 90,3  (www.radiokirche.de)

Du stellst meine Füße auf weiten Raum (Psalm 31,9)
Andacht Pastor Carsten Hokema 25.1.2010 im NordWestRadio

Euer Herz erschrecke nicht (Johannes 14,1)
Andacht Pastor Carsten Hokema 26.1.2010 im NordWestRadio

Meine Seele ist still zu Gott, der mir hilft (Psalm 62,2)
Andacht Pastor Carsten Hokema 27.1.2010 im NordWestRadio

Geburtstag DFB - Jahrestage
Andacht Pastor Carsten Hokema 28.1.2010 im NordWestRadio

Sabbat
Andacht Pastor Carsten Hokema 29.1.2010 im NordWestRadio

Gemeinsames Festmahl
Andacht Pastor Carsten Hokema 30.1.2010 im NordWestRadio

Der Schicksalstag der Deutschen (Psalm 18,30)
Andacht Prof. Dr. Kim Strübind 9.11.2009 im Deutschlandfunk

Die Entdeckung der Weisheit (Genesis 3)
Andacht Prof. Dr. Kim Strübind 10.11.2009 im Deutschlandfunk

Vom Staunen (Psalm 8)
Andacht Prof. Dr. Kim Strübind 11.11.2009 im Deutschlandfunk

Mitleid statt Rache (2. Samuel 13)
Andacht Prof. Dr. Kim Strübind 12.11.2009 im Deutschlandfunk

Gerechtigkeit (Habakuk 2,4/Römer 1,17)
Andacht Prof. Dr. Kim Strübind 14.11.2009 im Deutschlandfunk

Kurze Andachten für jeden Tag können hier abonniert werden: radio m

 

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Aktuelles

Das GJW Elstal sucht einen neuen Zivi

Zum 01. Oktober 2010 suchen wir einen neuen Zivi für die Mitarbeit in unserer...

21.08.10
 
Gebetsaufruf für Betroffene in Katastrophengebieten

Generalsekretärin der Baptisten bittet um Fürbitte für Opfer und Hilfeleistende

11.08.10
 
Neuer Präsident beim Baptistischen Weltbund

Baptisten wollen Armut und Hunger bekämpfen

06.08.10
 

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