Elstaler Perspektive vom 4. September 2011
Kürzlich beobachtete ich eine Gruppe von Menschen mit Behinderung, die einen Ausflug in ein größeres Kaufhaus machten. Welchen Spaß hatten sie, sich alles anzuschauen und auszuprobieren! Es machte mir große Freude, ihnen zuzuschauen.
Dann dachte ich weiter: Wo sind eigentlich Menschen mit Behinderungen in unseren Gemeinden zu finden? Vereinzelt tauchen sie in den Gottesdiensten auf. Besonders an Orten mit Kliniken oder integrativen Einrichtungen haben sich Gemeinden darauf eingestellt. Und wenn dann ein Rollstuhlfahrer die Wege zum Gottesdienst problemlos bewältigen kann und in der Gemeinde herzlich aufgenommen wird, bringt er oft weitere Menschen in ähnlicher Situation mit.
Rund 10 Prozent der Menschen in Deutschland leben mit einer Behinderung. Unsere Städte und Kommunen haben einiges getan, um ihnen das Leben zu erleichtern. Barrierefreie Bauweise in öffentlichen Gebäuden ist inzwischen Standard, immer mehr Busse und Bahnen ermöglichen Rollstuhlfahren den Einstieg, Gehwege haben Rampen. Auch in diesen Punkten gibt es noch viel zu verbessern. Mehr noch als auf die äußeren Bedingungen kommt es jedoch auf unsere innere Haltung an. Ich wünsche mir, dass wir viel selbstverständlicher darauf achten, es behinderten Menschen zu ermöglichen, vollständig am Gemeindeleben teilzunehmen. Verschiedene Netzwerke, wie zum Beispiel das in unserem Bund initiierte Christliche MS-Netzwerk, tragen viel dazu bei, die Situation von Menschen mit Behinderungen zu thematisieren. Letztendlich ist es eine Frage unseres Menschenbildes, ob wir uns von den gesellschaftlichen Klischees von Gesundheit, Jugendlichkeit, Schönheit, Leistungsfähigkeit und Schnelligkeit gefangen nehmen lassen, oder einen Menschen nach seinem Wert vor Gott anschauen – einzigartig, bedingungslos geliebt und wertgeschätzt.
Regina Claas
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