Elstaler Perpektive vom 27. November 2011
„Wie seht ihr das eigentlich mit den richtig großen Gemeinden im Bund?“, so werde ich immer wieder gefragt. Früher galt das Prinzip: Wenn eine Gemeinde über eine bestimmte Größe hinaus gewachsen ist, wird die Gründung einer Zweiggemeinde in einem Nachbarort angestrebt. Die Hauptgemeinde begleitet die Neugründung einige Jahre aktiv, bis diese in die Selbstständigkeit entlassen werden kann. Heute sind solche Gründungen von Zweiggemeinden nicht mehr selbstverständlich. Nicht nur finanzielle Belastungen spielen eine Rolle. Auch die Sehnsucht der Menschen nach einer großen Gemeinde, in der mehr los ist, in der man auch mal untertauchen und ohne schlechtes Gewissen konsumieren kann, scheint zu wachsen.
Irmgard Neese vom GemeindeSeniorenwerk brachte kürzlich aus einem Treffen mit landeskirchlichen Kolleginnen und Kollegen einen Vergleich mit, der mich seitdem beschäftigt: In der kirchlichen Landschaft gibt es verschiedene Arten von „Feuer“. Da sind einmal die Leuchttürme, die weithin sichtbar sind, Aufmerksamkeit wecken und Orientierung geben – wie vielleicht die eine oder andere sehr große Gemeinde. Dann gibt es die Lagerfeuer, die spontan entstehen, gute Stimmung machen und Menschen anziehen, aber nicht auf Dauer angelegt sind. So könnte man manche innovativen und kreativen Gemeindeprojekte darstellen. Daneben, so beschrieb es Irmgard Neese, gibt es die Herdfeuer, Orte, an denen Menschen sich zuhause fühlen, wo sie Wärme, verbindliche Gemeinschaft und Nähe erleben. Alle diese Gemeindeformen sind wichtig, sie ergänzen sich. Und so antworte ich auf die Frage vom Anfang: Große Gemeinden sind gut, doch die kleinen Herdfeuer dürfen nicht aussterben, gerade weil in unserer Gesellschaft viele Menschen zunehmend vereinsamen.
Regina Claas
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