Das Präsidium des Bundes hat in seiner November- Sitzung 2010 eine Stellungnahme verfasst, in der die Gemeinden dazu aufgefordert werden, sich intensiv dem Hören auf Gott zu widmen. Das hat zur Folge, so meinte das Präsidium, dass sich daraus eine neue Sicht für Menschen ergeben würde.
Meine blinde Freundin Jani verblüfft mich immer wieder damit, dass sie begeistert davon erzählt, wie schön etwas „aussieht“. Wie kann sie, die nie mit ihren Augen sehen konnte, von einem schönen Anblick reden? Ihr intensives Hören zum Ausgleich für das fehlende Augenlicht hat ihr Dimensionen einer inneren Schau eröffnet, die uns Sehenden verborgen bleiben.
Wenn ich mich im Hören auf Gott übe – sei es durch Gebet und Meditation, sei es durch das Lesen und Studieren von Gottes Wort, sei es durch Predigten oder Austausch mit anderen – dann erlaube ich Gott, meine Wahrnehmung zu prägen und zu verändern. Ich beginne, auf die Dinge zu achten, die Gott wichtig sind, und lerne, meine eigenen Filter und „Brillen“, mit denen ich die Realität begrenzt wahrnehme, zu erkennen und einzuordnen. Dann entdecke ich vielleicht hinter dem Elend und der abstoßenden Erscheinung eines Menschen seine Schönheit und seinen Wert als Geschöpf Gottes. Vielleicht verführt und blendet mich das allgemeine Festhalten am materiellen Wohlstand nicht mehr so sehr, sondern ich werde bereit, meine Güter mit anderen zu teilen.
Wenn Jesus Menschen begegnete, wagten sie oft, aus sich heraus zu kommen, weil er sie liebevoll ansah. Jesus war offen für sie, und so konnten sie sich ihm öffnen. Wäre es nicht wundervoll, wenn wir in unseren Gemeinden Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kultur und Stand so offen begegnen könnten wie Jesus, weil wir ganz konzentriert sind auf seine Liebe?
Regina Claas
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