Pressefreiheit oder Sensationslust?

Elstaler Perspektive vom 5. Februar 2012

 

In den letzten Wochen wird viel über Pressefreiheit in Deutschland gesprochen. Der erste Mann im Staat hat Fehler gemacht. Das muss aufgeklärt werden. Medien schaffen Transparenz bzgl. des Verhaltens leitender Persönlichkeiten, und sie gewährleisten die Freiheit, sich auch kritisch zu äußern. Das alles ist ein hohes Gut. Die berechtigte Beschäftigung der Medien mit dem Fehlverhalten des Bundespräsidenten ist natürlich ein Luxusproblem, wenn ich zum Beispiel an die lebensbedrohliche Situation verfolgter Christen denke. Die Presse- und Meinungsfreiheit ist ein unverzichtbares Instrument, um Menschenrechtsverletzungen aufzudecken und den Rechtlosen und Entmachteten zu einer Stimme zu verhelfen.

Ich frage mich jedoch, ob die Pressefreiheit in demokratischen Gesellschaften mitunter Gefahr läuft, zu einer Pressediktatur zu werden. Hiermit meine ich nicht die Affäre Wulff. Allzu oft wird das Versagen oder die Not von Menschen als Sensation ausgeschlachtet. Es werden viele negative Nachrichten, oft mit vernichtender Wirkung veröffentlicht, und nur wenige mit positivem, konstruktivem und motivierendem Inhalt. Ein vertrauensvolles zwischenmenschliches Klima wird so nicht gefördert!

Die Presse schreibt allerdings nur das, was die Leute auch lesen. Sensationslust oder sich auf Kosten anderer zu amüsieren – das empfinden augenscheinlich viele als Nervenkitzel oder Unterhaltung. Ich will meine Motivation im Umgang mit Nachrichten hinterfragen. Ich will mir von den Medien nicht diktieren lassen, was ich über andere denken soll. Der Respektlosigkeit können wir etwas entgegensetzen, indem wir nicht schlecht hinter dem Rücken anderer reden, indem wir achtsam miteinander umgehen und unsere Aufmerksamkeit verweigern, wenn uns entwürdigende Sensations-Nachrichten angeboten werden.

Regina Claas

 

 

 

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