Elstaler Perspektive vom 16. Oktober 2011
„Muss nur noch kurz die Welt retten, und gleich danach bin ich bei Dir“ – dieser Song läuft seit dem Sommer andauernd im Radio. Mit dem Text scheint Songwriter Tim Bendzko den Nerv der Zeit getroffen zu haben. Viele Menschen fühlen sich gejagt von den Aufgaben des Alltags. Je mehr Verantwortung, umso schlimmer scheint es zu werden. Kein Wunder, dass es in vielen Gemeinden immer schwerer wird, geeignete Kandidaten für die Gemeindeleitungswahlen oder für überregionale Aufgaben – etwa den Landesverband – zu finden. Aber muss das eigentlich so schwer sein?
Im September feierten wir in der EFG Freiberg (Sachsen) einen Gottesdienst, in dem das Präsidium und die Bundesgeschäftsführung für ihre Leitungsaufgaben im Bund unter den Segen Gottes gestellt wurden. In der Predigt ging es um Epheser 4, wo Leitungsaufgaben in der Gemeinde Jesu beschrieben sind. Gleich die erste Aussage sprach mich an: Gott hat die Mitarbeiter mit ihren unterschiedlichen Aufgaben der Gemeinde gegeben. Sie sind nicht vorgesetzt, sie stehen nicht über den anderen, sondern sie sind mit ihren jeweiligen Gaben und ihrer Berufung, etwa als Hirte, Lehrer oder Prophet, ein Geschenk oder eine Leihgabe Gottes an die Gemeinde. Wenn wir uns am biblischen Verständnis von Leitung orientieren, erwarten wir nicht, dass einzelne Mitarbeitende alles können, sondern sie ergänzen sich gegenseitig. Dann erwarten wir von einem Menschen in Leitungsverantwortung auch nicht, dass er oder sie „die Welt rettet“. Wir schauen auch nicht nach Menschen, die sich für eine Aufgabe breitschlagen lassen. Wenn wir eine Person in eine Leitungsaufgabe berufen, weil sie uns von Gott dafür gegeben ist, dann wollen wir sie auch entsprechend pfleglich behandeln, ihre Arbeit würdigen und ihr Raum geben, ihre Gaben einzusetzen und zu entfalten. Das dient dem Aufbau der ganzen Gemeinde.
Regina Claas
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