Evangelisation - Grundlegendes

Jesus Christus verstand sich als Diakon (Mk 10,45). Seine Sendung kann unter dem Begriff „Diakonie” zusammengefasst werden (Mt 20,25ff). Er nahm sich ganzheitlich Menschen in leiblicher und psychischer Not an. Untrennbar gehörten Heilen und Verkündigen in der Diakonie Jesu zusammen. Diakonie im Namen Jesu lebt in der noch nicht erlösten Welt von der am Kreuz geschaffenen Versöhnung und handelt schon jetzt in Erwartung und Wegbereitung des kommenden Reiches Gottes (2 Kor 5,17ff). Mit dem Opfertod Jesu am Kreuz erfuhr die Diakonie Jesu ihre tiefste Begründung und Inkraftsetzung (Phil 2, 5-11). Die Diakonie Jesu geht weiter, so wahr der Gekreuzigte lebt und durch seinen Geist in die Gemeinde hinein wirkt (Röm 5,5 und 12,11). Sie lebt aus der empfangenen Liebe Gottes heraus (Joh 3,16) und gibt diese Liebe weiter (Lk 10,25ff; Joh 13,11ff).
Der Missionsbefehl Jesu umfasst neben dem Verkündigungsauftrag auch den Diakonieauftrag (vgl. Mt 10,5ff; Mt 28,18-20; vgl. Joh 20,21). Die Sendung der Jüngerinnen und Jünger soll Jesu Sendung abbilden und sie bezeugen in Wort und Tat. Träger des diakonischen Auftrags Jesu ist die Gemeinde. In der im Abendmahl erfahrenen Gemeinschaft des Leibes Christi liegt die Berufung zum diakonischen Dienst aller Gläubigen (1 Kor 11,17ff; 1 Petr 4,8ff). Darum ist der Lebenszusammenhang von Diakonie und Gottesdienst unverzichtbar. Diakonie geschieht im Namen Jesu (Mt 18,20) oder ihr droht die innere Aushöhlung.
Diakonie als tätige Nächstenliebe tritt neben dem Verkündigungsauftrag der Gemeinde als eine andere, eigenständige und gleichrangige Gestalt ihres umfassenden Zeugnisauftrages. Schon früh hat sich neben dem „Diakonentum aller Gläubigen” ein geordneter Diakonat herausgebildet, der bestimmten Personen übertragen wurde (Apg 6, Phil 1,1; Röm 16,1; 1 Tim 3,8ff u.a.). Die segnende, fürbittende und seelsorgerliche Begleitung der diakonischen Mitarbeiter und die Zurüstung zu ihrem Dienst (Eph 4,11ff) durch Ausbildung und Schulung sind genuine Aufgaben einer diakonischen Gemeinde.
Wort und Geist Gottes wollen nicht allein in die Anbetung führen, sondern auch zur konkreten Lebensgestaltung anleiten. Gott hat einen ethischen Anspruch an uns. Er verweist uns an unseren Mitmenschen. Wir sind berufen, den Menschen zu dienen - zu ihrem ewigen Heil und zu ihrem irdischen Wohl. So rufen Gerichtstexte des Alten (z. B. Jes 58) und des Neuen Testaments (z. B. Mt 25,31ff) dazu auf, dem Hungrigen zu essen zu geben, Gefangene und Kranke zu besuchen, den Obdachlosen eine Bleibe anzubieten, den Nackten zu bekleiden … - auch um unseres eigenen Heils willen (vgl. Lk 10,25).
Im Alten wie im Neuen Testament können wir erkennen, dass Gott ein Gott ist, der das Schwache und Geringe erwählt und der sich des Elenden und des Bedürftigen erbarmt: „Schaffet Recht den Armen und der Waise und helft dem Elenden und Bedürftigen zurecht. Errettet den Geringen und Armen und erlöst ihn aus der Gewalt der Gottlosen (Ps 82,3f). In seiner Antrittsrede (Lk 4,18f par) gibt Jesus sich als Messias zu erkennen und nennt demgemäß die Zielgruppen, zu denen er sich gesandt weiß: die Elenden, die Zerbrochenen und die Gefangenen, die Trauernden, …. So sah man Jesus, zum Ärger der damaligen Frommen, immer wieder zu Tisch sitzen mit Sünderinnen und Zöllnern (Lk 5,27ff).