
Seit 1988 kamen jährlich über 200.000 Menschen deutscher Volkszugehörigkeit nach Deutschland, vornehmlich aus Russland und Kasachstan. Es handelte sich überwiegend um Nachkommen der deutschen Siedler, die durch Anwerbung im 18. Jahrhundert nach Russland gezogen waren (u.a. „Wolgadeutsche“). Viele von ihnen wurden 1940/45 durch die Kommunisten nach Kasachstan zwangsumgesiedelt. Seit den Jahren 2000/2001 ist die Spätaussiedlermigration fast zum Erliegen gekommen. 2006 siedelten weniger als 8.000 Menschen nach Deutschland aus. Aussiedler, seit dem 1. Jan. 1993 „Spätaussiedler“ genannt, sind keine Ausländer, sondern Deutsche im Sinne des Grundgesetzes.
Für viele Aussiedlerinnen und Aussiedler ergeben sich ganz ähnliche Sprach- und Integrationsprobleme wie für ausländische Zuwanderer. Bis in die 1990er Jahre hatten die meisten Aussiedlerinnen und Aussiedler bei ihrer Einreise relativ gute Deutschkenntnisse und konnten großzügige staatliche Eingliederungshilfen wahrnehmen. Doch viele der jüngeren Einwanderer haben nur wenig Bindung zur deutschen Sprache und Kultur. Sie sind mit vielfältigen Integrationsproblemen und mangelnder Akzeptanz in der deutschen Gesellschaft konfrontiert. Dies trifft insbesondere auf die Aussiedler aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion zu, die im allgemeinen Sprachgebrauch auch oft „Russlanddeutsche“ genannt werden.
Für viele Aussiedler war und ist ihr Glaube an Jesus Christus Halt in den persönlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Umbrüchen und Veränderungen ihres Lebens. In den vergangenen Jahrzehnten bildeten sich in Deutschland mehrere selbstständige Bünde russlanddeutscher Christen aus Baptisten-, Mennonitenund Brüdergemeinden, deren Kontakte zueinander von der jeweiligen theologischen Ausrichtung der beteiligten Bünde bestimmt sind.
In den Gemeinden des BEFG haben mehrere tausend Aussiedler ihre geistliche Heimat gefunden.
Die Aussiedlerarbeit des BEFG war in den letzten Jahren im Wesentlichen von der Frage nach dem Auftrag unter den Deutschen aus der früheren Sowjetunion bestimmt. Die meisten Aussiedler des BEFG leben schon länger in Deutschland und wissen sich von Gott in die Gemeinschaft des BEFG gestellt. Die Aussiedlerarbeit des BEFG wird auch in Zukunft insbesondere die Aussiedler, die sich im Rahmen des BEFG beheimatet wissen, in theologischen, gesellschaftlichen und persönlichen Fragen kompetent begleiten und betreuen. Zugleich sucht die Aussiedlerarbeit den Kontakt und den Austausch mit weiteren Bünden, in denen Aussiedler sich zusammengeschlossen haben.
Zu den froh machenden Erfahrungen in der Aussiedlerarbeit gehört die Begegnung zwischen der Leitung des BEFG und den Dozenten des Theologischen Seminars–FH in Elstal mit dem Bibelseminar Bonn und mit einigen Vertretern der Aussiedlerverbände in Deutschland. Neben dem persönlichen Austausch geht es dabei vor allem um das nähere Kennenlernen. Weitere Begegnungen und Konsultationsgespräche sollen in Zukunft stattfinden und regelmäßig durchgeführt werden.
Für die meisten Aussiedler des BEFG, die schon seit mehreren Jahren oder Jahrzehnten in Deutschland sind, kann die gesellschaftliche Integrationsarbeit im Wesentlichen als abgeschlossen gelten. Die „geistliche Integrationsarbeit“ geht weiter. Bez. ihrer geistlichen Ausrichtung haben Aussiedler in der Begegnung mit Gemeinden des BEFG noch viele Fragen, die sie mit Sicherheit auch in der Zukunft noch sehr stark beschäftigen werden. Das sind z. B. Fragen nach der geistlichen Ausrichtung des BEFG, dem Schriftverständnis oder den moralisch– ethischen Werten im BEFG. Aber auch ganz praktische Fragen, wie z.B. eine Gemeindeordnung auszuarbeiten und zu beschließen ist, beschäftigen die Aussiedler immer wieder.
Zur Integrationsarbeit der Aussiedlerarbeit des BEFG gehört es deshalb, Gespräche zwischen Aussiedlern und den Gemeinden des BEFG auf möglichst vielfältige Weise zu fördern. Begegnungs- und Gesprächsmöglichkeiten sowie gemeinsame theologische Arbeit gehören zu den Angeboten der Aussiedlerarbeit.
Um die Integration und das Miteinander zu fördern, engagieren sich Mitarbeiter der Aussiedlerarbeit auch im Rahmen von Einzelveranstaltungen, Gottesdiensten und Evangelisationen in Gemeinden, in denen Aussiedler Mitglieder sind.
Aussiedlergemeinden werden von der Aussiedlerarbeit des BEFG auch weiterhin begleitet und beraten, um das Miteinander im Rahmen des BEFG zu fördern. Bei Begleitung und Beratung der Aussiedlergemeinden geht es dabei in erster Linie um praktische Fragen des Gemeindelebens sowie um geistliche Fragestellungen. Denn ebenso wichtig wie die Frage der nationalen Heimat ist für die Aussiedler die Frage nach der geistlichen Heimat im BEFG.

Pastor Rudolf Janzen
Beauftragter für Aussiedlerarbeit
Tel.: 0851 / 201 70 38
Email: Rudolf.Janzen(at)web.de