(Alte Döhrener Straße)

Flüchtlings- und Aussiedlerwohnheim Hannover

In den Jahren 1992/1993 kam es auf Grund der Öffnung der Ostgrenzen und der Eskalation der Konflikte im ehemaligen Jugoslawien, Afghanistan und dem Kongo zu einem schnellen und starkem Anstieg der Flüchtlingszahlen. Allein in dem Jahr 1993 kamen 450.000 Kinder, Männer und Frauen, um in Deutschland Asyl zu beantragen. Die Kommunen waren vielerorts überrannt worden und Menschen lagerten in Zelten und Containern, weil keine Unterbringungsmöglichkeiten bestanden. In Hannover entstand wenige Meter vom Gemeindezentrum „Am Döhrener Turm“ eben so ein Zeltplatz. Da der Wintereinbruch bevorstand, musste die Stadt eine längerfristige Alternative schaffen.

Da die Gemeinde durch die Drogenarbeit des „Neuen Landes“ und dem Sozialwerk der hannoverschen Gemeinden bereits durch fachlich kompetente, werteorientierte und sozial-diakonische Projekte bekannt war, fragte die Stadt an, ob eine Bereitschaft bestände, die Gesamtverantwortung für das neu zu errichtende Flüchtlingswohnheim zu übernehmen. Angesichts der wahrgenommenen Not dieser Menschen entschied die Gemeinde sich mit einer großen Mehrheit für dieses Projekt. So entstand das Wohnheim mit 38 Wohnungen für Familien und in den Jahren 1993 bis 1998 wohnten zeitgleich bis zu 200 Menschen aus z. T. 10 Nationen im Haus. Die Hausgemeinschaft setzt sich auch heute noch zu 2/3 aus Kindern und Jugendlichen zusammen, so dass gerade die Betreuung und Begleitung durch Kindergarten, Hausaufgabenbetreuung und freizeitpädagogische Angebote ein wichtiger Baustein unserer Arbeit ist.

Das Ziel dieser Arbeit war und ist, den Menschen in ihrer besonderen Lebenssituation einen Ort anzubieten, der ihnen Heimat auf Zeit ist. Das Haus ist sauber und sicher und wir bieten für diese besondere Zeit Unterstützung in allen sozialrechtlichen Fragen, Antragstellungen, Informationen über das Asylverfahren, Hilfe bei pädagogischen Fragen usw. Neben diesen praktischen und fachlichen Angeboten ist es uns ein besonderes Anliegen, dass unsere Bewohner Freundlichkeit und Mitmenschlichkeit erleben. Sie sind, wie auch wir, Geschöpfe Gottes und haben aus dieser Gottes Ebenbildlichkeit einen Anspruch auf eine menschenwürdige Art des Umgangs und auch der Unterstützung.

Gerade durch die Begegnungen der Bewohner mit vielen ehrenamtlichen Helfern aus der Gemeinde, durch Sprachkurse, Frauenfrühstück, Ausflüge, Einzelhilfen und Weihnachtsaktionen ist die Gemeinde zusätzlich zu den 13 Hauptamtlichen präsent im Wohnheim. Christen im Alltag zu erleben ist unsere natürliche Form etwas von Christus weiterzugeben.

In 14 Jahren des Betriebes hat es nie Übergriffe von außen, oder Auseinandersetzungen zwischen Bewohnern gegeben. Für uns ist dies ein Zeichen der Gegenwart Gottes in diesem Haus. Einige Menschen haben sich im Laufe der Zeit bekehrt und für uns alle ist dies eine wunderbare Erfahrung gewesen. Wir haben jedoch nie direkt, z. B. durch Traktate, missionarische Gottesdienste im Haus oder andere evangelistische Aktionen „missioniert“.

Nachdem die Stadt Hannover das ihr eigene Haus und Gebäude des alten Flüwo veräußert hatte, können wir die Flüchtlingsarbeit in einem neu erbauten Haus in der Nähe des Gemeindezentrums fortsetzen. Wir sind gespannt, was Gott mit uns und diesem Haus vorhat!

Der Segen Gottes ist über dem FlüWo. Aber auch die Gemeinde wird durch das Flüwo gesegnet. Die Notwendigkeit der Existenz dieses Hauses, und die Begegnung mit dem einen oder anderen Bewohner sind uns eine Mahnung und Erinnerung, dass unsere behagliche und geschützte Wirklichkeit nicht die Normalität der meisten Menschen auf dieser Welt ist. Darum ist das Engagement für und mit dem Flüwo auch Ausdruck christusorientierter Gemeinde für den Schutz und die Würde des menschlichen Lebens. Das Flüwo ist eine 14 Jahre alte Institution, aber gleichzeitig auch ein sichtbarer Ausdruck unseres Gemeindemottos: Christusorientiert - Weltoffen - Menschenfreundlich.

nach einem Bericht von Irene Wegener

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