Die „Iglesía Hispana Evangelica Libre“ als Tochtergemeinde der EFG Kassel-Möncheberg

Im Herbst 2006 unterschrieben Vertreter der EFG Kassel-Möncheberg und der Iglesía Hispana Evangelica Libre einen Vertrag, der die spanische Gemeinde zur Tochtergemeinde der deutschen Gemeinde erklärt und das enge Miteinander der beiden Gemeinden dokumentiert. Dieser Schritt ist das Ergebnis einer über 20jährigen Geschichte:

Im Winter 1963/64 beschlossen einige Gemeindeglieder der EFG Kassel-Möncheberg, etwas für die damals zahlreichen spanischen Gastarbeiter in Kassel zu tun. So organisierten zwei pensionierte Handwerksmeister, ohne jegliche Kenntnis der spanischen Sprache, eine Adventsfeier für Spanier. Die Gemeinde unterstützte dieses Engagement, indem sie Second-Hand-Winterkleidung für diesen Anlass sammelte und sich für Hilfe im Umgang mit deutschen Behörden zur Verfügung stellte. Diese, sogar von Kasseler Firmen unterstützte Adventsfeier, wurde so gut angenommen, dass daraus unter der gemeindeinternen Bezeichnung „Spaniermission“ eine kontinuierliche diakonische und missionarische Arbeit entstand. Anfangs nahmen 20 Spanier an den Treffen teil, später wurde die Gruppe größer, auch durch den Nachzug von Familienangehörigen. Die wachsende Gruppe wurde dann von zwei spanisch sprechenden Gemeindemitarbeitern aus dem Raum Kassel begleitet, wobei man gerne Unterstützung durch durchreisende spanische baptistische Pastoren in Anspruch nahm.

Die besonderen Herausforderungen der Arbeit bestehen z. B. darin, dass Menschen kommen und gehen: Viele Spanier sind in ihre Heimat zurückgekehrt und wurden von Familien aus Lateinamerika ersetzt. Die dort übliche starke Bindung an den Katholizismus erschwert bisweilen den Übertritt einzelner in das baptistische Umfeld, auch müssen sich viele erst an (deutsch-) baptistische Ideen und Strukturen gewöhnen, doch erhielt die Gemeinde durch die aus Chile gekommene Pastorenfamilie Raggazzoni eine stärkere Struktur und Ausweitung und entwickelte sich zu einer regelrechten Gemeinde mit verschiedenen Gruppen (Jugend-, Männer-, Frauen- und Kinderarbeit) und finanzieller Selbständigkeit.

Gab es über längere Zeit hin ein gewisses Nebeneinander mit der Möncheberg- Gemeinde, die vor allem Räume und einzelne Mitarbeiter zur Verfügung stellte, so zeigte sich mit der Zeit, dass eine reguläre Gemeindestruktur erforderlich wurde, zumal auch einige Mitglieder der Gruppe inzwischen hier getauft werden konnten. Außerdem trafen sich die (wenigen) deutschen und (zahlreichen) spanischen Jugendlichen oft schon in einer Gruppe und halfen sich gegenseitig mit ihrer Spiritualität oder mit ihrer sprachlichen Herkunft. So kam es ab Ende 2004 zu konkreten Gesprächen mit der Gemeindeleitung, um das Verhältnis zwischen der Gemeinde und der Gruppe, die sich inzwischen „Iglesia Hispana Evangelica Libre“ nannte, auf eine dauerhafte organisatorische Basis zu stellen. Der Vorschlag, eine „selbstständige Zweiggemeinde“ zu bilden, führte zur Erarbeitung einer inzwischen von beiden Seiten verabschiedeten Satzung, danach zunächst zur förmlichen Aufnahme von 11 gläubig getauften Mitgliedern der Gruppe in die Möncheberg-Gemeinde und anschließend zur förmlichen Gründung der Zweiggemeinde, die sich allerdings aus sprachlichen Gründen „Tochtergemeinde“ (Iglesia filial) nennt, und von Menschen aus insgesamt 14 Nationen gebildet wird. Damit kann diese unter Beibehaltung ihrer Prägung und ihres bisherigen Namens die Körperschaftsrechte der Muttergemeinde für den Umgang mit Behörden (z. B. mit dem Finanzamt) und für Arbeit an Studenten (in Göttingen) und Strafgefangenen (in Kassel) nutzen.

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