Situation

Gemäß dem Mikrozensus 2006 leben und arbeiten in Deutschland ca. 7,5 Millionen Ausländer (mit ausländischem Pass) und dazu 8,5 Millionen Einwohner „nicht-deutscher Herkunft“, die sich in den letzten Jahrzehnten einbürgern ließen und über einen deutschen Pass verfügen. Angesichts von ca. 85 Millionen Einwohnern stellen die 16 Millionen „Ausländer“ (Migranten) in Deutschland immerhin 20% der Gesamtbevölkerung dar. Manche Migranten sehen Deutschland aufgrund seiner rigiden Einwanderungspolitik nur als Durchgangsstadium auf ihrem Weg weiter in Richtung Großbritannien oder Nordamerika. Andere versuchen sich hier eine neue Existenz aufzubauen. Während sich die erste Generation der Migranten kulturell und sprachlich noch stark mit der Herkunftsheimat verbunden wissen, identifizieren sich deren Kinder (2. Generation) eher mit der deutschen Kultur und Gesellschaft, in der sie geboren oder zumindest aufgewachsen sind. Hin und her geworfen zwischen zwei Kulturen haben Immigranten damit zu kämpfen, dass sie sich einerseits ihrer Herkunftskultur immer mehr entfremden und andererseits in ihrer deutschen Wahlheimat noch nicht richtig verwurzelt sind.

Ihren Anfang nahm diese Entwicklung mit der Gastarbeiterbewegung in den 60er Jahren, als viele Italiener und Türken nach Deutschland kamen. Während sich die türkischen Immigranten in national-kulturellen Gruppen und Moscheen organisierten und vom Evangelium nicht wirklich erreicht wurden, fanden die meisten italienischen Gastarbeiter ihre geistliche Heimat unter dem Dach der römisch-katholischen Kirche in Deutschland. Die vielen anderen ethnischen christlichen Gruppen, die z. B. als Flüchtlinge, Studenten oder Geschäftsleute nach Deutschland kamen, kommen in einer Vielfalt kleiner, ethnisch geprägter, christlicher Gemeinden und Gruppen zusammen. Die besondere Situation der vielen Immigranten in Deutschland wird von den Kirchen jedoch nur zögernd wahrgenommen. Während sich kirchliche und menschenrechtsorientierte Gruppen besonders den Rechtsfragen und Hilfeleistungen rund um die Asylproblematik zuwenden, bleibt ihre existenziale und geistliche Not eher unbeachtet.

Im Umfeld des BEFG kommen vor allem Stadtgemeinden mit den Herausforderungen der Immigration in Berührung. Zum Beispiel dann, wenn christliche Migrantengruppen um Räume für ihre Gemeindeveranstaltungen bitten. Kulturelle und sprachliche Barrieren erschweren allerdings oft eine nähere Kontaktaufnahme zwischen der deutschen Gemeinde und den internationalen Gruppen. Je nach Situation engagieren sich einzelne Mitglieder in deutschen Gemeinden für ihre ausländischen Mitchristen, doch könnte dieses Engagement stärker wahrgenommen und vernetzt werden, damit die verschiedenen Initiativen um die Migrationsgemeinden voneinander wissen und lernen.

Auf diesem Hintergrund wurde in den 90er Jahren im Rahmen der Heimatmission des BEFG die „Ausländerarbeit“ (Leitung: Hans Guderian) begründet und später in „Internationale Mission in Deutschland“ - IMD (Leitung: Heinrich Christian Rust; ab 2003: Michael Kißkalt) umbenannt.

Folgende Fragen und Aufgaben ergeben sich aufgrund dieser Situation:

  • Wie können die Menschen in Deutschland in ihrer kulturellen Vielfalt mit dem Evangelium erreicht werden? Wie kann man ihnen in ihrer besonderen Situation Gottes Liebe und Gerechtigkeit bezeugen?
  • Wie können die christlichen internationalen Gruppen und Gemeinden in ihrem Engagement gestärkt und vernetzt werden, damit sie die Inkulturationsprozesse ihrer Mitglieder in gesunder Weise gestalten und begleiten können?
  • Wie kann der Kontakt zwischen deutschen und internationalen Gemeinden gestärkt werden, damit alle voneinander lernen und einander ergänzen können. Wie gelingt es, die internationalen Gemeinden in die Gemeinschaft des BEFG zu integrieren?

Kontakt

 

 

Pastor Michael Kißkalt

Dozent für Mission
Referent für Evangelisation
Leiter Internationale Mission in D.

mkisskalt(at)baptisten.de

 

Die Dienstbereiche

 

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