Situation
Das weltmissionarische Engagement europäischer Kirchen und Gemeinden hat in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine lange Zeit der Krise durchlitten. Während der Glaube in Europa immer mehr „unter die Räder“ der Säkularisierung kam, wuchsen die Kirchen der südlichen Welt unaufhörlich. Die Christen in den jungen Kirchen entwickelten ein starkes Selbstbewusstsein, so dass sie sich nicht mehr durch die finanzkräftigen europäischen Mutterkirchen bestimmen lassen, sondern ihre eigenen Wege gehen wollten. Die Mission des BEFG wurde von dieser Krise und ihren Veränderungen zwar berührt, aber nicht im selben Maß erschüttert wie Missionen, die über ihre Kirchen enger mit einer europäischen Kolonialmacht verbunden waren. Das liegt vor allem daran, dass es zum baptistischen Selbstverständnis gehört, dass Gemeindegründungen sich so bald wie möglich verselbstständigen sollten. Die wenigen Regionen (vor allem Kamerun), in denen deutsche baptistische Mission in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aktiv war, konnten starke und selbstständige baptistisch geprägte Bünde vorweisen, so dass die Unterbrechung der deutschen Weltmission bis 1955 keine verheerenden Auswirkungen auf die Missionsgebiete hatte. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnten deutsche Baptisten sich nur über europäische Zusammenschlüsse in anderen Kontinenten engagieren. So wurde 1954, gemeinsam mit französischen und schweizer Baptisten, die Europäische Baptistische Missionsgesellschaft (EBM INTERNATIONAL) gegründet, die ein großes Missionsgebiet im Norden Kameruns auftat und mit der enthusiastischer Unterstützung vieler deutscher Gemeinden eine Reihe deutscher Missionare dorthin sandte.
Die Krise der Weltmission im 20. Jahrhundert hat die „Außenmission“ des BEFG insoweit berührt, als die patriarchalischen Missionsstrukturen sich immer stärker in partnerschaftliche verändert haben. Der Missionar ist zum Bruder und Partner der einheimischen Kirche geworden, die ihn nach ihren Bedürfnissen einlädt und einsetzt.
Diese Entwicklung führt heute z. B. dazu, dass die Baptistenunionen in Afrika und Lateinamerika nicht einfach nur Partnerunionen innerhalb EBM INTERNATIONAL sein wollen, sondern als Mitgliedsunionen auch Verantwortung in der Weltmission, und damit auch in Europa, übernehmen. Weltmission ist heute wechselseitige Hilfe zwischen den Kirchen unterschiedlicher Kulturen und Länder. Dieser strukturellen Veränderung steht auch eine inhaltliche gegenüber: Mission bedeutet nicht nur, das Evangelium zu predigen, so dass die Menschen Christen werden, sich taufen lassen, und dadurch christliche Gemeinden entstehen und wachsen. Mission wird heute darin gesehen, dass Gottes Liebe und Gerechtigkeit bei den Menschen in ihren unterschiedlichen Situationen und Nöten ankommen und wirksam werden. Die Gründung von Schulen und Krankenhäusern ist nicht nur einfach Beiwerk zur eigentlichen Mission, sondern darin wird Gottes Liebe schon sichtbar und greifbar. Mission bedeutet heute Evangelisation, Gemeindegründung, theologische Ausbildung und Diakonie, Entwicklungshilfe, Katastrophenhilfe, Bildungsarbeit, und das alles unter der Leitung der Kirchen des betroffenen Landes.
Zu diesen weltweiten dynamischen Veränderungen („Paradigmenwechsel“) gesellen sich Entwicklungen innerhalb der Gemeinden des BEFG, die die Gründung des Komitees für Weltmission (KfW) notwendig machten. Manche verbinden mit dem Stichwort „Weltmission“ nichts Gutes, weil es nach Imperialismus und Kolonialzeit, nach weißer Dominanz und dem „nickenden Neger“ klingt. Andere verstehen Mission weiterhin ganz als Evangelisation, so dass sie Brunnenprojekte und den Aufbau von Schulen bereits als Verdunkelungen der christlichen Botschaft ansehen. Wieder andere engagieren sich kaum in der Weltmission, weil sie es von ihrem Verständnis her für richtig halten, dass jede Kirche sich um ihre eigene Umwelt kümmern soll. Viele Gemeinden unterstützen individuell ihnen bekannte Glaubensgeschwister, die ihren Weg in die Weltmission über alle möglichen Missionsinitiativen und –gesellschaften gefunden haben. Andere engagieren sich stärker in diakonischen Projekten oder Katastrophen. Das Missionsengagement der einzelnen Gemeinden im BEFG ist sehr vielfältig, doch bisweilen werden auch unreflektiert Projekte unterstützt, die den Menschen nicht in seiner Ganzheit wahrnehmen oder die einheimischen Christen von den Hilfsgeldern aus Europa abhängig machen. Angesichts dieser herausfordernden Vielfalt von Missionsverständnissen und –aktivitäten in den Gemeinden des BEFG hat das KfW die Aufgabe, dies alles wahrzunehmen, zu begleiten und zu unterstützen.
Angesichts der Tatsache, dass der BEFG Mitglied und Trägerbund der Europäischen Baptistischen Mission ist und seine weltmissionarische Verantwortung in erster Linie über EBM INTERNATIONAL wahrnimmt, liegt die besondere Aufgabe des KfW darin, die Anliegen der EBM in Bund und Gemeinden zu verstärken, konstruktiv in den Strukturen von EBM INTERNATIONAL mitzuarbeiten und Impulse zu geben.

Vorsitzender Komitee für Weltmission
Drosselweg 5
51766 Engelskirchen
Tel.: 02263/2999
email: weltmission[at]baptisten.de