Biblische Bezüge

Während die Einheit der Mission in Wort und Tat schon in anderen Kapiteln der Handreichung dargelegt wurde, sind hier nun besonders der weltweite Zusammenhang der Kirche und ihre weltweite Verantwortung zu begründen.

Das Gottesvolk als Beispiel für die Völkerwelt (AT)

Dass Gottes Erwählung und Erlösung nicht nur einige Fromme betrifft, sondern auf die ganze Menschheit zielt, wird schon im Alten Testament deutlich. Gott erwählt Abraham und seine Nachkommen zu seinem Volk, um in ihm alle Völker zu segnen (Gen 12,1-3). Die Geschichte Gottes mit Israel schließt die anderen Völker nicht einfach aus, sondern macht beispielhaft an Israel deutlich, wie Gott für alle handelt (z. B. Am 9,7). Der hingegebene Glaube an den Gott der Geschichte und der Schöpfung weitet den Horizont des israelitischen Glaubens hin auf die Völker, die sich in den Wallfahrtszug nach Zion einreihen (Mi 4,1-5). In der Konfrontation mit den Völkern, besonders in der Zeit des Exils Israels in Babylon, wird den Propheten die weltweite Herrschaft Gottes deutlich, die dann auch in den Psalmen besungen (Ps 96) und als Sendungsauftrag (Jes 49,6) ausgesprochen wird. Jedoch wird die Wirklichkeit der universalen Herrschaft Gottes in Israel vor der Zeit Jesu nur mühsam begriffen (Jona).

Gottes Heil für alle Völker (NT)

Die Darstellung des Lebens Jesu in den Evangelien zeugt von der weiteren Öffnung des Glaubenshorizontes. Nicht nur der enge Kern des Gottesvolkes ist mit Gottes Zuwendung gemeint, sondern auch diejenigen, die am Rande (Kranke, Zöllner, Prostituierte) oder gar außerhalb des Gottesvolkes (Syrophönizerin: Mk 7,24ff) stehen. Die Apostelgeschichte beschreibt dann das stufenweise Vordringen (1,8) des Evangeliums hinein in die Völkerwelt. Die Glaubenden als Gottesvolk und als Gemeinde Jesus bilden in ihren Gemeinschaften nicht nur Orte der Sammlung, sondern auch Orte der Sendung hinaus zu den Menschen und Völkern (Apg 13,2-3). Das Evangelium will bei allen Menschen ankommen.

Mission als Sein und Tun der Gemeinde

Mission ist nicht die Spezialität einzelner Christen, sondern die Berufung der ganzen Gemeinde. Die missionarische Kraft der Gemeinde besteht einerseits darin, dass in ihr das Evangelium von Gottes Liebe und Gerechtigkeit immer wieder neu gehört und gelebt wird. Gemeinde ist missionarisch in ihrem Sein (Licht der Welt Mt 5,14f). Durch ihre Einheit in der Liebe bezeugt sie die Kraft des Evangeliums gegenüber allen menschlichen Trennungen (Joh 17,20f; Eph 2,11ff). Andererseits hat sie den Auftrag, selbst aktiv zu werden und zu den Menschen zu gehen (Mt 28,18ff). Dabei bleibt ihre Mission immer Mission Gottes, wie sie sich im Leben Jesu verwirklicht hat (Joh 20,21). Jesu Leben und Wirken bleibt ihr Vorbild. Das heißt, es geht in der Mission nicht um die Ausbreitung irgendeines kirchlichen Einflusses, auch nicht einfach um die Seelenrettung einzelner Menschen, sondern um die Verheißung des Reiches Gottes (Lk 4,18f), das unter den Menschen aufleuchten will und Wirklichkeit wird.

Mission als Wort und Tat

Gemeinde ist darin Salz und Licht, dass sie das Evangelium lebt in all ihrem Sein und Gottes Liebe handfest weitergibt (Mt 25,40). Vor der Not um sich herum dürfen Christen nicht die Augen verschließen, sondern sie sind zur Hilfeleistung aufgerufen (Lk 10,25ff). Während aber alles menschliche Helfen bruchstückhaft bleibt, bringt das Wort des Evangeliums die heilsame Kraft Gottes in das Leben einzelner Menschen und ganzer Völker hinein. Damit dieses Wort seine Kraft entfaltet und zum Glauben führt, muss es gesagt werden (Röm 10,17). Darum gehört das worthafte Zeugnis des Evangeliums, Evangelisation, wesenhaft zum Missionsauftrag der Gemeinde.

Mission durch Menschen für Menschen

Das Evangelium vom Reich Gottes entfaltet seine Kraft durch Menschen, die, aller Bruchstückhaftigkeit zum Trotz, ihr Leben daran festmachen. Nicht zuerst durch Programme und Projekte breitet sich die Liebe Gottes in der Welt aus, sondern durch einfache Christen, die es wagen, ihre Grenzen zu überschreiten (Apg 10 Petrus lernt, dass Gottes Geist den Heiden Kornelius bewegt) und auf andere Menschen in ihren anderen Sprachen und Kulturen zugehen. Der Respekt vor der Würde eines jeden Menschen (als „Ebenbild Gottes“ Gen 1,27), egal welchen Glaubens, ist dem Missionar vom Evangelium her geboten.

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