HEAR THE SPIRIT

Eindrücke vom Baptistischen Weltkongress (BWA) in Honolulu

Die Fakten sind schnell genannt:

  • Es war der 20. Kongress dieser Art seit 1905.
  • Er fand vom 28. Juli bis 1. August 2010 in Honolulu auf Hawaii (USA) statt. 
  • 4.000 Teilnehmende aus über 100 Ländern und etwa 250 Mitgliedsbünde und -organisationen des Baptistischen Weltbundes (Baptist World Alliance) waren dabei.
  • 1.000 mehr wären gern dabei gewesen, konnten es aber nicht, da die US-Behörden ihnen die Einreise-Visa verweigerten.
  • Bibelarbeiten, Gottesdienste, Workshops, Seminare und missionarische Projekte standen auf dem Programm.
  • Ein eigenes Programm gab es für Kinder und Jugendliche.
  • Die BWA hat einen neuen Präsidenten gewählt (John Upton / USA) und eine neue Exekutive, der auch Regina Claas, die Generalsekretärin des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland, angehört.
  • Regina Claas wurde zudem als einzige Frau zur Vizepräsidentin gewählt (neben 11 weiteren Vizepräsidenten, die die verschiedenen Reginonen der BWA repräsentieren)
  • Denton Lotz, ehemaliger BWA-Generalsekretär, erhielt den Menschenrechtspreis des Baptistischen Weltbunds (Baptist World Alliance’s Human Rights Award).

Was diese Fakten nicht vermitteln: Der 20. baptistische Weltkongress war eine einmalige Gelegenheit, den weltweiten Baptismus live zu erleben!Wo sonst kann man in so kurzer Zeit inspirierende Redner und Rednerinnen von allen Kontinenten dieser Welt hören? Wo sonst treten in so wenigen Tagen auf ein und derselben Bühne ein Gospelchor aus Norwegen, ein aus 400 Kindern bestehender koreanischer Kinderchor (mit eigenem Orchester) und eine Musikgruppe aus Nagaland in Nordindien auf? Wo sonst findet man sich in der einen Veranstaltung neben Geschwistern aus Togo und Kamerun wieder, und in der anderen neben solchen aus den USA oder Australien?

HEAR THE SPIRIT (Höre die Stimme des Heiligen Geistes) war das Thema dieser Veranstaltung. Hypercharismatisch oder pfingstlerisch ging es dennoch nicht zu. Im Mittelpunkt standen vielmehr der Geist Jesu Christi und – gut baptistisch – das Wort der Bibel.Beschlichen einem beim Lesen des Programmheftes noch leise Zweifel, ob sechs Predigten über ein und denselben Text (Lukas 4,18-19) nicht doch am Ende langweilig werden könnten, so verflog diese Sorge schnell. Die Redner und Rednerinnen aus Argentinien, Jamaika, Kanada, Indien, Südafrika und den USA legten nicht nur verschiedene Schwerpunkte. Sie brachten auch ihre ganz unterschiedlichen kulturellen Hintergründe und Erfahrungen in die Auslegung des Textes mit ein.Dabei waren alle Predigten nicht nur fromm, sondern auch politisch – eine Kombination, die auch auf deutschen Kanzeln häufiger vorkommen dürfte! Immer ging es um die Konsequenzen des Glaubens und des Hörens auf den Geist für das Leben in dieser Welt und die Mitgestaltung der Gesellschaft. Themen wie das Eintreten für Religionsfreiheit und der Kampf gegen Armut, Hunger, AIDS und Menschenhandel waren allgegenwärtig.Da erscheint es nur konsequent, dass die Schlusserklärung des Kongresses darin gipfelte, dass der baptistische Weltbund sein Versprechen erneuerte, sich – „in step with the Spirit“ (frei übersetzt: im Einklang mit dem Heiligen Geist) – für die Erreichung der UN-Millenniums-Ziele einzusetzen.Angesichts der großen Themen mit ihren globalen Herausforderungen kam leider die Konkretisierung des Ganzen für das alltägliche Leben des Einzelnen in den Plenumsveranstaltungen manchmal etwas zu kurz. So hätte man – zum Beispiel – die aus allen Teilen der Welt nach Hawai’i eingeflogenen Kongressbesucher und -besucherinnen doch einladen können, ihre globale Verantwortung für die Schöpfung dadurch wahrzunehmen, dass sie gleich vor Ort einen CO2-Ausgleich für die zurückgelegten Flugmeilen leisten – sofern sie es sich leisten können! Solche und andere Ideen wurden in den Workshops und Seminaren entwickelt, wo in Kleingruppen an relevanten Themen (weiter-) gearbeitet werden konnte.Und ganz nebenbei packten 300 Freiwillige in drei Tagen 30.000 Lebensmittelpakete für obdachlose Menschen auf dem Inselstaat – nur eins von mehreren „Missionsprojekten“.

Alles in allem war der 20. Baptistische Weltkongress in Honolulu nicht nur ein touristisches, sondern vor allem auch ein geistliches Erlebnis. Schade, dass nur etwa 30 deutschsprachige Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz dabei waren. Für den 21. Kongress von Baptist World Alliance, der 2015 in Durban in Südafrika zum ersten Mal auf dem afrikanischen Kontinent stattfinden wird, wünschen wir uns eine deutlich größere Beteiligung aus unserem Kulturkreis. Junge Leute können schon zwei Jahre früher internationalen Baptismus live erleben: bei der 16. Baptistischen Weltjugendkonferenz vom 17. bis 21. Juli 2013 in Singapur! „A life-changing experience“ - eine lebensveränderde Erfahrung!

Volkmar Hamp

Hier gibt es noch mehr Bilder vom BWA-Kongress 2010

Zum Herunterladen: Die Botschaft des 20. Baptistischen Weltkongresses auf Deutsch

 




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