Delegierte mit Vorstandsmitglied Harald Rückert (r.)

Evangelium weitergeben, Orientierung in Lebensfragen

Mitgliederversammlung der Vereinigung Evangelischer Freikirchen

„Die Zukunft der Kirche hängt entscheidend von unserer Bereitschaft und Fähigkeit ab, den Glauben weiterzugeben.“ Mit diesem Appell hat der Theologe, Autor und Bibelübersetzer Prof. Dr. Dr. Roland Werner in der Mitgliederversammlung der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) dafür geworben, in den Kirchen ganz neu eine „Theologie und Praxis der Evangelisation“ umzusetzen. Bei der Tagung im brandenburgischen Elstal befassten sich die Delegierten aus den VEF-Kirchen zudem mit dem Lebensschutz, mit Asylverfahren von Konvertiten und mit den Vorbereitungen auf einen historischen Jahrestag.

„Hierzulande haben wir den Glauben privatisiert und sind deshalb als Christen in der Öffentlichkeit und im Alltag nicht sichtbar“, so die Analyse von Roland Werner. Darum sei die Evangelisation in einer Krise: „Bevor wir wieder stärker evangelistisch aktiv werden, müssen wir mit unserem Glauben aus der Privatsphäre heraustreten. Denn der Glaube ist zwar persönlich, aber nicht privat!“ Wenn man dann über den Glauben ins Gespräch komme, sei es wichtig, Evangelisation nicht isoliert zu sehen: „Soziale Verantwortung und Evangelisation gehören zusammen. Wenn wir sie gegeneinander ausspielen, lähmen und schwächen wir uns selbst.“

Der Glaube dürfe nicht nur unter Gleichaltrigen geteilt werden, sondern müsse auch an jüngere Generationen weitergegeben werden: „Sonst stirbt der Glaube aus“, so Roland Werner. Kirchen hätten nun die Aufgabe, das Anliegen der Evangelisation auf allen Ebenen der kirchlichen Arbeit zu verankern und evangelistisch begabte Frauen und Männer zu fördern und auszubilden. Die Weitergabe der frohen Botschaft müsse in einer Weise geschehen, die Menschen ganz unabhängig von ihrem Milieu oder ihrem kulturellen Background verstehen: „Wir wollen kulturell flexibel und in großer Vielfalt predigen, dabei jedoch stets Christus im Blick haben, unser Zentrum.“

Prof. Dr. Dr. Roland Werner

Mitgliederversammlung

VEF-Präsident Christoph Stiba

Die Delegierten waren sich einig in dem Anliegen, die Evangelisation auf VEF-Ebene weiter zu stärken. „Dafür wollen wir zunächst vorhandene Netzwerke nutzen, denn nicht jeder muss das Rad neu erfinden“, so VEF-Präsident Christoph Stiba. Deshalb werde man künftig enger mit der von Roland Werner geleiteten „Koalition für Evangelisation“ zusammenarbeiten: „Eine gute Gelegenheit ist die Teilnahme am Runden Tisch der Koalition am 3. und 4. Juni 2019 im Kloster Volkenroda.“

Lebensschutz

„Das Leben und die einzigartige Würde des Menschen als unantastbare Gabe Gottes sind von Anfang an und bis zu dessen Ende zu schützen und zu respektieren.“ Mit diesem Motto gibt die Stiftung ProVita Orientierungshilfe in medizinethischen Fragen, die den Anfang und das Ende des Lebens betreffen – von vorgeburtlicher Diagnostik über Schwangerschaftskonfliktberatung bis hin zu Sterbebegleitung und Palliativmedizin. Dr. Detlev Katzwinkel und Dr. Heike Fischer vom ProVita-Vorstand stellten der Mitgliederversammlung die Arbeit der „Stiftung für Lebensethik“ vor. „Es ist uns wichtig, keine einfachen Antworten zu geben, sondern differenziert hinzuschauen“, betonte Heike Fischer. Denn, so Detlev Katzwinkel, man wolle mit Menschen ins Gespräch über Lebensthemen kommen: „Wir suchen den Diskurs und begegnen anderen Meinungen nicht mit Verurteilung.“

VEF-Politikbeauftragter Peter Jörgensen, Christoph Stiba und andere VEF-Delegierte zeigten sich dankbar für das Angebot der Stiftung, der VEF beratend zur Seite zu stehen. „Für die Positionierung der VEF in diesen schwierigen ethischen Fragen ist es gut, vom Knowhow von Fachleuten profitieren zu können, die sich auf der gleichen Wertebasis für den Lebensschutz einsetzen, der uns sehr wichtig ist“, so Stiba. Der VEF-Präsident äußerte auch seine Wertschätzung für die differenzierte Herangehensweise der Stiftung: „Plakative Aussagen helfen bei diesen fundamentalen Fragen des Lebens, bei denen es um persönliche Schicksale geht, niemandem weiter.“

Ablehnung christlicher Asylbewerber

Asylanträge christlicher Konvertiten werden oftmals dann abgelehnt, wenn es den Bewerbern in den Verfahren nicht gelingt, über die persönliche Dimension ihres Glaubens Auskunft zu geben. Diese Beobachtung und seine Vorschläge, wie damit umzugehen ist, erläuterte der VEF-Kirchenasylbeauftragte, Rechtsanwalt Andreas Hantschel aus Frankfurt.

Rechtsanwalt Andreas Hantschel

Delegierte

Vorstandsmitglied Marc Brenner (l.)

Hantschel führte in der Mitgliederversammlung aus, dass Bewerber, die aufgrund ihrer Konversion zum christlichen Glauben Asyl in Deutschland beantragen, laut einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts nachweisen müssen, dass sich bei ihnen eine feste religiöse Überzeugung gebildet hat und eine Prägung der religiösen Identität erfolgt ist. Um dies darzulegen, reiche es nicht aus, so Hantschel, dass der Bewerber von außen sichtbare Aktivitäten aufzähle, etwa die Teilnahme am Gottesdienst oder die Mitarbeit im Kirchencafé. Vielmehr sei es unerlässlich, vom inneren Glaubensprozess zu berichten und die Entscheider so ins eigene Herz blicken zu lassen. „Wo Glaubensgeschwister dies tun und die Tiefe ihres persönlichen Glaubens nachvollziehbar beschreiben, stehen die Chancen für ihr Asylverfahren gut.“

Gemeinden werden gebeten, sich mit Fragen zum Thema Asyl an die Migrationsbeauftragten ihrer Freikirchen zu wenden.

500 Jahre Täuferbewegung

Mit fünf Themenjahren ab 2020 und einem großen Abschluss zu Himmelfahrt 2025 will eine überkonfessionelle Initiative an 500 Jahre Täuferbewegung erinnern. Reinhard Assmann vom Trägerverein nahm die VEF-Mitgliederversammlung mit hinein in die Geschichte und stellte den aktuellen Stand der Planungen vor.

Der 21. Januar 1525 gilt als Beginn der Täuferbewegung. Nach einer „heftigen öffentlichen Diskussion über die Kindertaufe fand an diesem Tag die erste sogenannte Gläubigentaufe statt“, so Assmann. „Die Täufer verstanden sich stets als Teil der Reformation, wollten weiterführen, was sie in den frühen Jahren Luthers und Zwinglis verstanden hatten.“ Die Mennoniten verstünden sich als direkte Nachfahren der Täufer, doch „auch einige andere heutige Freikirchen sehen sich theologisch in der Tradition der Täuferbewegung.“

Dem Gründerverein gehören Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden (AMG), des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG), des Bibelseminars Bonn und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) an. Ihr Ziel sei es, „an die Täuferbewegung zu erinnern, den Jahrestag 2025 gemeinsam zu begehen und dabei viele miteinzubeziehen“, wie der pensionierte Baptistenpastor Assmann hervorhob. Die vorgeschalteten Themenjahre werden sich mit den fünf Schwerpunkten „mündig, gemeinsam, konsequent, gewaltlos und Hoffnung leben“ befassen. Es sollen Begleitmaterialien und Veranstaltungen angeboten werden. „Wir freuen uns, wenn sich viele Menschen an den Vorbereitungen beteiligen“, so Reinhard Assmann. Interessierte können sich an den Geschäftsführer des Vereins, Pastor Bernd Densky, wenden.

Dr. Oliver Pilnei

Plenum

Vorstandsmitglied Frank Uphoff (M.)

Theologischer Grund- und Aufbaukurs

Dr. Oliver Pilnei vom BEFG und Jürgen Stolze von der Evangelisch-methodistischen Kirche stellten den Delegierten den Theologischen Grund- und Aufbaukurs der VEF vor. Seit über 40 Jahren bietet der Kurs eine theologische Fortbildung. Allein in den letzten zehn Jahren gab es über 400 Absolventinnen und Absolventen. VEF-Präsident Christoph Stiba würdigte den Kurs als „fundierte theologische Grundlegung für Laienprediger und alle an Theologie Interessierten.“ Er ermutigte dazu, das Angebot in den Freikirchen bekannt zu machen.

Ein Artikel von Dr. Michael Gruber (Pressesprecher der VEF)