Gottesdienst im Großmünster in Zürich

Foto: Stephen Stookey

Menschenrechte im Mittelpunkt

Jahrestagung des Baptistischen Weltbunds vom 2. bis 6. Juli in Zürich

320 Männer und Frauen aus 46 Nationen von 51 Mitgliedsorganisationen trafen sich Anfang Juli in Zürich zur Jahrestagung des Baptistischen Weltbunds (BWA). BEFG-Präsidiumsmitglied Frank Fornaçon, Pastor der EFG Kassel-West, war einer von ihnen. Lesen Sie hier seinen Bericht über das Treffen.
 
Höhepunkt der diesjährigen Ratstagung der BWA war ein gemeinsamer Gottesdienst reformierter und baptistischer Christen im Großmünster von Zürich. In dieser Kirche hatte Huldrych Zwingli begonnen, die Bibel in die Sprache des Volkes zu übersetzen. Von dort aus nahm die Reformation in der Schweiz und Süddeutschland ihren Anfang. Aber in Sichtweite der Kathedrale wurden auch die ersten Täufer in der Limmat ertränkt, weil sie in ihrem Eifer über Zwinglis Reform der Volkskirche hinausgingen und eine Gemeinde der Glaubenden und Getauften bildeten. Im Zuge der Reformationsfeiern wollte die reformierte Landeskirche von Zürich ein Zeichen der Versöhnung setzen und hatte zu dem Gottesdienst eingeladen. Die Baptisten aus aller Welt waren der Einladung gefolgt, weniger als sonst, da die Schweiz zahlreichen Kirchenvertretern die Einreise verweigert hatte. Viele Baptisten leben in Ländern, deren Einwohner vom europäischen Visarecht sehr zurückhaltend behandelt werden.

Teilnehmer der BWA-Konferenz säubert die Felix-Manz-Gedenktafel an der Limmat

Foto: Stephen Stookey

Gedenktafel an der Limmat, in der die frühen Täufer ertränkt wurden

Foto: Stephen Stookey

Gottesdienst im Großmünster in Zürich

Foto: Stephen Stookey


Der inhaltliche Schwerpunkt der Tagung lag aus meiner Sicht auf der Menschenrechtsfrage, besonders der Religionsfreiheit. Der neue Generalsekretär der BWA, Elijah Brown (USA) analysierte, dass 40 Prozent der Baptisten in Staaten leben, in denen die Religionsfreiheit nur eingeschränkt oder gar nicht gewährt wird. Die Zahl hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht. Er appellierte an die Teilnehmer, im Einsatz für die Religionsfreiheit nicht nachzulassen. Immer öfter mischten sich die Missachtung der Menschenrechte mit Verweigerung religiöser Freiheit. Neben religiöser Bedrückung erfahren die Baptisten, zu Beispiel im Norden Nigerias auch politische und terroristische Verfolgung. Der dortige Konflikt zwischen Muslimen und Christen steht schon seit längerem im Focus der BWA. Eine Delegierte aus Nigeria machte darauf aufmerksam, dass 90 Prozent der Opfer der Gewalt Christen seien. Sie zitierte eine Frau, die Opfer eines Massakers geworden war: „Sag den Christen in Europa, dass ich für sie bete, dass sie niemals so etwas erleben müssen, was wir hier erleben.“

Breiten Raum nahm die Situation der Baptisten in der von russischsprachigen Separatisten beherrschten Ostukraine ein. Die dortigen 43 Baptistengemeinden, die zum Ukrainischen Bund gehören, verlieren, wie alle anderen nichtorthodoxen Kirchengemeinden, am 7. August ihren Status als Religionsgemeinschaft. Sie müssen sich bei den Behörden der „Lugansker Volksrepublik“, einem nur von Russland anerkanntem Staat, neu registrieren lassen, zu Bedingungen, die keine der Gemeinden erfüllen kann. Igor Bandura, der Generalsekretär der ukrainischen Baptisten, bat die Teilnehmer um vielfältige Interventionen, um die einflussreiche russische Regierung zu bewegen, die von ihr unterstützten Separatisten zur Mäßigung aufzufordern.
 
Der Menschenrechtspreis der BWA ging ebenfalls an einen Menschenrechtsaktivisten, Christer Daelander aus Schweden, der die Baptisten beim UN-Menschenrechtsrat vertritt und sich besonders für die unterdrückten Christen in Zentralasien einsetzt. Der Weltbund beteiligt sich an der Kampagne #REDWEDNESDAY am 28. November. Alle Gemeinden sind aufgerufen, an diesem Tag ihre Kirchen und Gemeindehäuser rot anzustrahlen, um öffentlich auf die zunehmende Verletzung der Religionsfreiheit hinzuweisen.
 

BWA-Generalsekretär Eiljah Brown

Foto: Ferrell Foster

Verleihung des Menschenrechtspreises an Christer Daelander (2.v.l.)

Foto: Ferrell Foster

Die Teilnehmenden unterzeichneten symbolisch die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte

Foto: David Kerrigan


Immer wieder wurde auch die Not der weltweit 60 Millionen Flüchtlinge angesprochen. Über deren Behandlung in Europa wurde sowohl im Plenum als vor allem auch in den Pausen gesprochen. Eine Resolution, die die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Ratstagung verabschiedet haben, verurteilt das Grenzregime der USA an der Grenze zu Mexiko, verweist aber auch darauf, dass auch anderswo die Rechte von Asylsuchenden mit Füßen getreten werden.
 
Intensiv geworben wurde für den nächsten weltweiten Kongress, den die BWA gemeinsam mit ihrer Jugendorganisation im Juli 2020 in Rio de Janeiro (Brasilien) veranstaltet. Elijah Brown sagte: „Wenn ich nicht am BWA-Jugendkongress in Glasgow 1988 teilgenommen hätte, wäre mein Leben anders verlaufen. Viele leitende Baptisten haben bei solchen Gelegenheiten Impulse für ihre lebenslange Berufung erhalten.“
 

BEFG-Delegierter Thomas Klammt

Foto: Ferrell Foster

BEFG-Delegierter Dr. Oliver Pilnei

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Plenum

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Der BEFG war mit zehn Teilnehmern und Teilnehmerinnen bei der Ratstagung vertreten. Darunter waren Präsident Michael Noss und Generalsekretär Christoph Stiba. Referate hielten der Rektor der Theologischen Hochschule Elstal, Prof. Dr. Michael Kißkalt, und der Kirchengeschichtler Prof. Dr. Martin Rothkegel, der die Themen „Täufer“ und „Menschenrechte“ behandelte. Kißkalt sprach über den „Interreligiösen Dialog“.

Weitere Berichte, Fotos und kurze Videoclips von der BWA-Ratstagung sind in den sozialen Medien unter dem Hashtag #BWA18 zu finden.

Ein Artikel von Frank Fornaçon