Raus aus der Komfortzone!

Ein persönlicher Einblick in die Konventwoche der Diakoninnen und Diakone

Melanie Bergerhoff, die zweite Vorsitzende des Konvents der Diakoninnen und Diakone des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG), berichtet, wie der Konvent sie ermutigt hat, Gott mehr zuzutrauen.

Manch einer sehnt sich nach einer Komfortzone, einer Wohlfühl-Oase inmitten der hektischen und stressigen Zeit, in der sich die Menschheit befindet. Einer Zeit, in der alles schnell und unübersichtlich ist und vieles sich vermischt und verschwimmt. Da ist es doch schön, das Bild von der bequemen Couch, in die man sich kuscheln und von vorne berieseln lassen kann. Der Input, den man in so einer Kuschelzone bekommt, ist leicht verdaulich und sehr leicht zu schlucken. Es muss sich gar nichts ändern – alles ist gut, so wie es ist. Was nach einem guten Wochenendprogramm nach einer anstrengenden Arbeitswoche klingt, kann auf Gemeinden gemünzt auf Dauer tödlich sein. Was macht Gemeinden heute relevant für die Menschen? Was sind Themen, die wir angehen sollten, um Menschen wieder Hoffnung und Glaube zu geben?

Diese Fragen und Gedanken waren Ausgangspunkt für unsere Konventwoche, die einmal im Jahr stattfindet. So trafen wir – das sind bis zu 35 Diakoninnen und Diakone – uns vom 11. bis 14. März im Bildungszentrum Elstal. Wir wollten uns herausfordern lassen, auftanken und für unsere Arbeit in Gemeinden und an anderen Orten, an denen wir arbeiten, inspiriert werden. Raus aus der Komfortzone! Unter diesem Motto luden wir Paul Michael Zulehner als Referenten ein. Er ist katholischer Priester aus Österreich, mittlerweile emeritierter Professor für Pastoraltheologie der Universität Wien und zählt zu den bekanntesten Religionssoziologen Europas.

Paul Zulehner forderte uns heraus. Er referierte mit unerschöpflich scheinendem Wissen über die christlichen Konfessionen und geschichtliche Mystiken, mythologische Erzählungen und kirchengeschichtliche Entwicklungen. Dabei hörte er seinem Gegenüber zu, fragte im Gespräch nach und war interessiert. Zulehner wollte wissen, was sein Gegenüber denkt und glaubt, um in einen Dialog zu treten, der freundlich, wohlwollend und grenzerweiternd für jeden Gesprächsteilnehmenden ist.

In den zwei Tagen, in denen wir ihn als Referenten gewinnen konnten, ging es immer wieder um die Fragen: Was können wir als Gemeinden den Menschen, die auf der Suche sind, bieten? Und was haben wir als Christen zu sagen und zu geben, wonach sich die Menschen sehnen; was ihnen fehlt?

Beim Studientag, bei dem auch andere interessierte Hörer teilnahmen, wurde uns durch Zulehner Folgendes besonders deutlich gemacht: Jesus steigt in das Reich des Todes, um die Menschheit aus dem Tod „herauszulieben“. Das ist so weit weg von jeglicher Komfortzone. Das ist die reinste Panikzone! Aber genau das sei die Kernbotschaft der Bibel. Gott will die Menschen retten und ins Leben zurückführen. Gott handelt auf der Erde, aber in erster Linie durch uns Menschen, die wir zu seiner Gemeinde gehören und dort leben und glauben. Wir als Christen „glauben Gott in die Welt hinein“. Durch uns ist Gott gegenwärtig auf der Erde. Damit das ein möglichst gutes und ansatzweise vollständiges Bild ergibt, müssen wir mit Gott verbunden sein. Wir müssen selbst nicht perfekt sein. Denn diesen Zustand können wir niemals erreichen. Aber wir müssen ständig mit Gott in Verbindung stehen, um ihn widerzuspiegeln.

Als Gemeinden in einer Welt, in der rechtes Gedankengut wieder mehr Gewicht bekommt, sollten wir relevante Gemeinden der Zukunft sein. Dazu sollten wir auf die Ängste in unserer Gesellschaft eingehen und sie ernst nehmen. Wir sollten dabei nicht rational versuchen zu argumentieren, sondern den Ängsten – die oft aus einem Gefühl heraus entstehen – ebenso auf emotionaler Ebene begegnen. Denn wer Angst hat, dem kann man nicht mit schlauen Worten antworten. Wir können ihm oder ihr nur ebenso mit Emotion und Gefühl begegnen und zeigen, was Gott bietet: Liebe, Annahme, Verständnis und Gnade. Dazu rief Zulehner uns immer wieder auf, Gott etwas zuzutrauen und daran zu glauben, dass Gott Dinge tun und verändern kann.

Die Konventwoche war voll von einem tiefen Ringen darum, was uns als Gemeinden ausmacht, was wir den Suchenden zu bieten haben, wie wir Gott in die Welt hinein glauben können, und was das alles auch für unsere ganz praktische Gemeindearbeit bedeuten könnte.

Als Konventleitung sind wir froh neben dem Referenten viele weitere wertvolle Begegnungen und Programmpunkte gehabt zu haben, wie der Besuch und Austausch mit unserem BEFG-Präsidenten Michael Noss und unserem Generalsekretär Christoph Stiba. Pastor Peter Jörgensen, der Beauftragte der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) am Bundestag, rundete das Thema mit seinen Erfahrungen am Regierungssitz, aber auch aus seiner Gemeinde praktisch ab. Außerdem arbeiteten wir in der Konventversammlung an unseren Grundsätzen und einer neuen Wahlordnung. Gottesdienst, Workshops und ein Kulturabend durften dabei nicht fehlen. Nach diesen Tagen in Elstal sind wir zuversichtlich, dass wir es sind, die Gott auf der Erde gegenwärtig werden lassen können. Und dass Gott mehr kann und mehr tun wird, als wir das bisher erlebt und verstanden haben.

Ein Artikel von Melanie Bergerhoff