Wort des Generalsekretärs zu Karfreitag und zum Osterfest

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Liebe Leserin, lieber Leser,

die Passionszeit neigt sich ihrem Ende und traurigen Höhepunkt zu, der Kreuzigung Jesu am morgigen Karfreitag. Von den Hosianna-Rufen bis zum „Kreuzige ihn!“ waren es nur wenige Tage. Viele von Euch werden in den letzten Tagen in Passionsandachten an das Leiden Jesu erinnert worden sein. Ein Leiden, an dessen Ende der Schrei steht: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ (Matthäus 27, 46). Von Gott verlassen. Alleingelassen. Aufgegeben. War Jesus das wirklich?

Aus einer Gemeinde unseres Bundes erreichte mich folgende Nachricht: „Am Sonntag hatten wir beim Kirchenkaffee eine Reihe syrischer Kurden sitzen, die in Tränen aufgelöst waren. Unsere kurdischen Gemeindemitglieder und Freunde sind völlig verstört. Sie verfolgen am Handy was in ihrer Heimat geschieht. Viele haben Freunde und Verwandte in Afrin. Von denen sind einige schon aus Aleppo ins friedliche Afrin geflohen und sind nun wieder auf der Flucht. Die Eltern unseres jüngsten Täuflings sind durch eine Granate ausgebombt und haben tausende Dollar für die Flucht aus Afrin bezahlen müssen. Viele finden nachts keinen Schlaf. Der Hass zwischen Kurden und Türken wächst.“ Vielleicht kennt Ihr ähnliche Situationen. Unter den Augen der Weltgemeinschaft hat sich in Syrien eine Katastrophe entwickelt. Furchtbar! Und unsere Geschwister wie auch die Menschen anderer Religionen in der Region fragen ganz ähnlich wie Jesus: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du uns verlassen?“ Ist es so? Hat Gott die Region verlassen und die Menschen den Händen ihrer Peiniger überlassen? So wie damals Jesus?

Ich kann in diesem Jahr nicht fröhlich auf Ostern zugehen ohne diese Gedanken. Und ich frage mich, welche Hoffnung es für die Menschen in den Kriegs- und Krisengebieten dieser Welt gibt. Als Pastor und Theologe weiß ich, dass natürlich gerade das Osterfest die Hoffnung gibt, dass ausweglose Situationen sich zum Positiven wenden. Der Tod Jesu am Kreuz war der Weg Gottes, um mit uns Menschen Frieden zu schließen. Der auferstandene Christus zeigt uns die Perspektive Gottes für unser Leben. Wir dürfen uns ihm anvertrauen. Als Pastor und Theologe weiß ich das alles und verkündige es mit Überzeugung.

Und dennoch müssen wir in diesem Jahr im Angesicht des leidenden Christus in besonderer Weise an der Seite unserer in aller Welt gepeinigten Geschwister stehen und ihr Leid zu unserem Leid machen. „Nehmt euch der Nöte der Heiligen an. Weint mit den Weinenden“, (Römer 12, 13.15). So schreibt es der Apostel Paulus an die Gemeinde in Rom. Die oben erwähnte Bundesgemeinde hat spontan vor der nachmittäglichen Jahresgemeindestunde mit etwa 20 Kurden einen Klagegottesdienst improvisiert. Die Mail endete mit den Worten: „Ein Gebetsaufruf an unsere Gemeinden wäre das wichtigste. Unsere Gemeinden sollten Orte sein, an denen die Menschen getröstet werden und wo ihre Not in Gebete einfließt. Wir sollen nicht nachlassen, auch die Baptisten im Nahen Osten in ihrer humanitären und seelsorgerlichen Arbeit zu stärken.“

Liebe Geschwister, ich wünsche Euch allen die Kraft des Glaubens, von Herzen ein frohes Osterfest feiern zu können! Wir haben allen Grund dazu, denn der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! So, bewegt von der Auferstehungskraft und mit dieser Auferstehungshoffnung im Herzen, stehen wir an der Seite der Menschen, die in diesen Tagen unaussprechliche Not leiden. Auch ihr Leid soll verwandelt werden! Wir wehren uns dagegen, dass wir uns an die täglichen Bilder des Leidens in den Nachrichten gewöhnen. Wir treten ein für den Frieden, wo immer es geht.

Ich wünsche allen besinnliche Kartage und ein gesegnetes Osterfest!

Christoph Stiba
Generalsekretär des BEFG

Elstal, 29. März 2018

Gebetsaufruf