Beobachtungen zum Wandel des Familienbildes

Herausgegeben vom Forum Familie im Fachbereich Familie und Generationen

„Ich bin ein absoluter Familienmensch“ – Diese Beschreibung trifft auf mich zu. Fotos von Familientreffen, Kindern, Enkeln, Eltern, Geschwistern usw. in verschiedenen Altersstufen und Lebenssituationen zieren mein Arbeitszimmer. Immer wieder sehe ich sie mir intensiv an und verbinde damit viele Begegnungen, Gespräche und Erlebnisse. Zwischen all den Kinderfotos hängt auch das Foto der Enkeltochter meines zweiten Mannes. Und das Foto meiner Stiefschwester. Wir haben alle ein gutes Verhältnis zueinander. Sind sie Teil meiner „richtigen“ Familie?

„Die Gestaltung der Todesanzeige war ein echter Machtkampf.“ Jahrzehnte hat das Paar zusammengelebt, Schönes und Schweres miteinander geteilt. Nun war ein Partner verstorben und die Geschwister des Verstorbenen wollten nicht akzeptieren, dass der Name der Lebenspartnerin in der Anzeige an erster Stelle steht. Sie sei nicht Teil der „echten“ Familie.

„Wer wird zur Hochzeit eingeladen? Wir müssen uns entscheiden – Vater oder Mutter? Beide geht nicht. Sie können seit der Scheidung nicht mehr in einem Raum sein, ohne sich anzufeinden.“ Viele Kinder aus geschiedenen Ehen stehen bei Familienfeiern vor dieser schwierigen Frage. Das Fest, auf das sie sich doch freuen, bekommt einen bitteren Beigeschmack. „Wer ist der wichtigere Teil für mich in unserer gescheiterten Familie?“

Die Beispiele könnten fortgesetzt werden.

Ein Achtjähriger stellt voller Freude fest, dass die Gemeinde, zu der er geht, doch eigentlich auch seine Familie ist. Was verbindet dieser Junge mit der Aussage? Offensichtlich fühlt er sich dort angenommen, fühlt sich sicher, darf sich ausprobieren, hat Menschen, die ihn fördern usw. Das Thema „Familie“ beschäftigt auf vielfältige Weise Politik, Kirchen, Gesellschaft, Medien und viele Gespräche und Diskussionen in den Gemeinden. Dabei spielen zwei Komponenten eine wesentliche Rolle. Zum einen die persönlichen Bilder und Wertvorstellungen, die uns geprägt haben. Zum anderen die Feststellung, dass sich die Realität unserer Gesellschaft oft nicht mit den persönlichen Bildern und Normen deckt.

Die einfachste Lösung ist die Ignoranz von Lebensentwürfen, die uns fremd sind und zum Teil bedrohlich erscheinen. Eine verantwortliche und reife Lösung ist die Auseinandersetzung mit den vielen unüberschaubaren Lebensentwürfen und Rollenbildern in unserem Umfeld.

Mit dem vorliegenden Papier wollen wir nicht zu einer schnellen und einfachen Antwort beitragen, sondern zum Nachdenken, zum Dialog und zur Diskussion anregen. Es ist unser Anliegen, die Bandbreite aufzuzeigen, nicht das Ideal. Dabei sind Wertschätzung und Achtung vor dem Anderen unabdingbar – und manchmal gründliche Information und Bereitschaft, Neues zu entdecken sowie ein weites Herz und ein Sprung über die eigenen Grenzen.

Dazu wünschen wir Weisheit und den Segen Gottes.

 

Renate Girlich-Bubeck, Mitglied des Leitungskreises Diakonie im BEFG.
Ich empfinde es als Reichtum, Teil einer Familie zu sein und dort Geben und Nehmen zu praktizieren. Meine Enkel sind das „Sahnehäubchen“.

Wandel der Familie

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass das Schlagwort vom „Wandel der Familie“ nicht nur für die Gegenwart gilt. Die Vorstellungen, Aufgaben und Funktionen der Mutter-Vater-Kind- Konstellation haben sich kontinuierlich verändert und wurden immer wieder neu definiert.

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Ewa Reinhardt, Magister der Soziologie, Psychologie und Erziehungswissenschaften.
An Familie finde ich gut, dass sie stets ihrer eigenen Dynamik und den eigenen Bedürfnissen folgt; Keine ist wie die andere.

 

Familienbilder der Bibel

Grundsätzlich lässt sich konstatieren, dass die Bibel an keiner Stelle wirkliches Interesse daran erkennen lässt, Familie aus dem einen oder anderen Grund zu definieren. Ein "Leitbild Familie" in Bezug auf Formen des Zusammenlebens lässt sich der Bibel nicht entlocken – schon gar kein geschlossenes.

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Simon Werner

Familie in ihrer kulturellen Vielfalt

Jede Familie hat ihre eigene Kultur, ebenso jede Region und jedes Land. Unsere Kultur prägt unser Wahrnehmen, Verhalten, Handeln und unsere Erziehungsziele.

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Gabriele Löding, Religionspädagogin/Diakonin, Referentin für gemeindenahe Diakonie.
Ich lebe gerne in meiner Familie. Es ist für mich ein Ort wo ich mit meinem Mann und unseren beiden erwachsenen Kindern einübe, verantwortungsvoll Leben zu gestalten.

 

Familie als Generationengemeinschaft

Eine Mehrgenerationenfamilie bildet ein starkes soziales Netz, wenn sie in der Verbundenheit gelebt wird und die Chancen der Vielfalt nutzt. Ein solches Netz fängt auf, schützt und gibt Halt. Es stärkt die Identität der einzelnen Familienmitglieder.

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Jutta Teubert, Lehrerin und Coach, Leitungskreismitglied im Fachbereich Familie und Generationen.
An Familie finde ich gut, dass die Verbundenheit, eine gute Basis für Geborgenheit, Verlässlichkeit und Fürsorge bildet. Sie bedarf der Pflege und Veränderungsbereitschaft. Damit – neue Familienmitglieder und in die Familie hineingeborene, Kinder bis Hochbetagte – erleben: Familie, das sind „meine“ Menschen, die es gut mit mir meinen und wo ich mich zu Hause fühlen kann.

 

Familie als Leitmotiv für politisches Engagement

Wir müssen uns entscheiden, ob wir uns mit kurzfristigen, egozentrischen Denken weiter der Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen entziehen oder umdenken und mit mutigem Handeln die Chancen künftiger Generationen auf Gesundheit, Erfüllung und Glück wiederherstellen.

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Friedrich Schneider