Bund Evangelisch-Freikichlicher Gemeinden in Deutschland https://www.baptisten.de Die Nachrichten aus dem Bund Evangelisch-Freikichlicher Gemeinden de-de Bund Evangelisch-Freikichlicher Gemeinden in Deutschland K.d.ö.R. Wed, 23 Oct 2019 11:33:54 +0200 Wed, 23 Oct 2019 11:33:54 +0200 TYPO3 EXT:news news-2528 Mon, 21 Oct 2019 09:43:51 +0200 Das neue Jahresprogramm ist da! https://www.baptisten.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/das-neue-jahresprogramm-ist-da-1/ Viele neue und alt bewährte Angebote auch im Jahr 2020. Druckfrisch ist das Jahresprogramm 2020 der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie Elstal bei uns eingetroffen. Sowohl das Cover als auch die Einstiegsseiten der Rubriken haben grafisch eine Auffrischung bekommen. Gerne kann schon in der digitalen Version geblättert werden. Die gedruckten Exemplare werden im Laufe der Woche an die Gemeinden verschickt.

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news-2524 Thu, 17 Oct 2019 14:45:00 +0200 Den sicheren Hafen verlassen – gutes Handwerkszeug an Bord Dr. Oliver Pilnei https://www.baptisten.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/den-sicheren-hafen-verlassen-gutes-handwerkszeug-an-bord/ Die Evangelisch-Freikirchliche Akademie Elstal bietet vor Ort in den Landesverbänden und Gemeinden für Gemeindeleitungen das Training FÜHREN UND LEITEN an. Die Evangelisch-Freikirchliche Akademie Elstal bietet vor Ort in den Landesverbänden und Gemeinden für Gemeindeleitungen das Training FÜHREN UND LEITEN an. Zuletzt in der EFG Kiel Wilhelminenstraße unter der Leitung von Annika Jans, Stefan ter Haseborg und Dr. Oliver Pilnei.

Am 27. und 28. September fand das dritte Modul von FÜHREN UND LEITEN statt. 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Landesverband Norddeutschland beschäftigten sich mit dem Thema: Gemeinde führen – Veränderungsprozesse gestalten. Dabei wurde intensiv gearbeitet und diskutiert.

Das Leitungstraining frischte das Repertoire der Teilnehmenden mit aktuellen und praxisbezogenen Methoden auf. Es wurden nicht nur Persönlichkeitsmodelle und Widerstände im Gemeindealltag an konkreten Beispielen erläutert und erprobt, sondern auch wie Menschen in Veränderungsprozessen reagieren, und welches Führungshandeln geeignet ist. „Wer an dem Training teilnimmt, kann auf jeden Fall erwarten, sehr konkretes und gut umsetzbares Handwerkszeug zu erhalten, verschiedene Prozesse in Zukunft bewusster und aktiver zu gestalten“, sagte Nele Saß.

Ehrenamtliche zu gewinnen und für eine nachhaltige Mitarbeit zu fördern und dabei die typisch baptistischen Herausforderungen von einer anderen Perspektive zu verstehen, waren Elemente des Trainings. Carsten Kruse aus Kiel empfand: „Mich hat die gute Kombination in fröhlicher Atmosphäre begeistert.“ Besonders geholfen habe ihm eine Pyramide zur Basis guter Zusammenarbeit, an der sich die Gemeindeleitung selbst reflektiert hat.

Neue Impulse, die Gemeinde zu führen und mit anderen Leitungsteams vernetzt zu sein, ließ die Teilnehmerinnen und Teilnehmer frohen Mutes gestärkt in ihre Heimatgemeinden zurückkehren.

Weitere Trainings finden auch in anderen Regionen und Landesverbänden statt. Alle Termine und weitere Informationen: www.baptisten.de/ful.

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news-2522 Thu, 17 Oct 2019 12:40:00 +0200 „Aufbruch in die Zukunft“ Holger Gohla https://www.baptisten.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/aufbruch-in-die-zukunft/ Das Diakoniewerk der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden in Baden-Württemberg feierte am 12. und 13. Oktober sein 50-jähriges Bestehen in der EFG Karlsruhe. Das Diakoniewerk der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden in Baden-Württemberg feierte am 12. und 13. Oktober sein 50-jähriges Bestehen in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Karlsruhe.

„Ihre Entscheidung trifft den sozialen Nerv unserer Zeit.“ In seinem Grußwort lobte Oberkirchenrat Urs Keller, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Baden, „die weise Entscheidung“ des Diakoniewerks der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden in Baden-Württemberg, durch ein Förderprogramm die Diakonie der Gemeinden zu stärken. „Das Lokale gewinnt zunehmend an Relevanz in einer globalisierten Welt“, ergänzte Keller bei der 50-Jahrfeier. Darauf richte sich auch die Sozialpolitik vermehrt aus.

Die Diakonie habe stets auf die Herausforderungen der Zeit reagiert und müsse dies auch weiterhin tun. Prof. Dr. Ralf Dziewas von der Theologischen Hochschule Elstal nannte in seinem Jubiläumsvortrag insbesondere die Digitalisierung als neue Aufgabe. Hier könne das Knowhow junger Menschen genutzt werden. Als Beispiel schlug der Diakoniewissenschaftler und Sozialtheologe eine App vor, die Smartphones seniorentauglicher mache. Zudem sei es erforderlich, „eine an christlichen Werten profilierte, wirtschaftlich tragfähige und technisch innovative diakonische Arbeit zu gestalten“.

Zum 50-jährigen Bestehen des baptistischen Diakoniewerks waren mehr als 100 Gäste gekommen. Es wurde am 4. Oktober 1969 in Stuttgart-Feuerbach gegründet. Vorstandsvorsitzender Holger Gohla erinnerte an die wechselvolle Geschichte der Einrichtung, die seit über zehn Jahren von Karlsruhe aus geleitet wird und in ganz Baden-Württemberg aktiv ist. Das Diakoniewerk unterhält ein Seniorenwohnhaus in Welzheim im Schwäbischen Wald, aktuell vier psychologische Beratungsstellen in Böblingen, Ludwigsburg, Stuttgart und Tübingen und seit Mai 2017 die Koordinierungsstelle Integration und Flüchtlingsarbeit. Letztere wird maßgeblich von der Aktion Mensch und der Diakonie Württemberg gefördert.

In Workshops wurde ein „Aufbruch in die Zukunft“ gestartet. Hier komme es vor allem auf einen Perspektivwechsel an, sagte Pastor Michael Noss, Präsident des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland. Um Neues zu wagen, müsse manchmal Altes beendet werden. „Wir müssen uns bewegen und uns mit den Megatrends unserer Zeit auseinandersetzen“, erläuterte Noss, der auch als Business-Coach aktiv ist. Dazu gehören für ihn etwa eine zunehmende Individualisierung oder sich verändernde Geschlechterrollen. Christen müssen hier „mutig und entschlossen“ vorangehen.

Als neue Möglichkeit diakonischer Gemeindeentwicklung brachte Daria Kraft, die Leiterin der Koordinierungsstelle, gezieltes Fundraising ins Spiel.

Das Diakoniewerk hat sich zum Fachverband für die rund 80 Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden in Baden-Württemberg entwickelt und ist die bundesweit einzige Einrichtung dieser Art in der eigenen Kirche.

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news-2523 Tue, 15 Oct 2019 15:37:54 +0200 Ein folgenreicher Traum https://www.baptisten.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/ein-folgenreicher-traum/ Omid Homayouni ist seit 2016 Referent für Integration und Migration im Landesverband Nordwestdeutschland. Jetzt wurde er in der EFG Delmenhorst ordiniert. Omid Homayouni ist seit 2016 Referent für Integration und Migration im Landesverband Nordwestdeutschland. Jetzt wurde er in der EFG Delmenhorst ordiniert.

Einen außergewöhnlichen Weg in den Pastorendienst hat Omid Homayouni erlebt: Vor sieben Jahren hatte er in Teheran seinen ersten Kontakt zum Christentum. Wie bei vielen iranischen Geschwistern spielte auch bei ihm ein Traum eine wichtige Rolle auf dem Weg zu Jesus hin und Jesus hinterher. Als Konsequenz seiner Entscheidung für Jesus, musste Omid mit seiner Familie im April 2013 nach Deutschland fliehen. In Nordwestdeutschland hat er nicht nur eine neue Heimat gefunden, sondern auch Baptisten, die ihn auf seinem Weg mit Jesus unterstützt und ermutigt haben. Sie haben schon früh seine Begabungen erkannt und ihn in seinem Engagement gefördert. Seit 2016 ist Omid Homayouni Referent für Integration und Migration im Landesverband Nordwestdeutschland. Im selben Jahr begann er das Pastorale Integrations- und Ausbildungs-Programm (PIAP) der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie Elstal, das er nach drei Jahren erfolgreich abschließen konnte.

Am 22. September wurde er nun als Pastor im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) ordiniert. In der EFG Delmenhorst kamen viele Wegbegleiter und Freunde zusammen, aus Nordwestdeutschland und darüber hinaus. Pastor Thomas Klammt, Referent für Integration und Fortbildung, führte im Auftrag des BEFG die Ordination durch. In seiner Predigt über 1. Mose 28, 10-22 verwies er auf den Traum des Flüchtlings Jakob, der in eine Berufung und Verheißung mündete. Auch Zohreh Niazi Vahdati  aus Dortmund und Pastor Amir Paryari aus Mainz waren vom Leitungsteam der Deutsch-Persischen Gemeindeentwicklung an dem Festgottesdienst beteiligt, der eindrucksvoll zeigte, wie ein deutsch-iranischer Gottesdienst aussehen kann. Dazu gehörten die projizierte Predigtübersetzung, zweisprachige Lieder, Grußworte in beiden Sprachen und ein Vaterunser im Wechsel. Durch den Gottesdienst leitete Christian Richter, Pastor der gastgebenden Gemeinde in Delmenhorst.

Der Landesverbandsleiter Bernd Splettstößer überbrachte die Grüße des Landesverbands Nordwestdeutschland, der der Arbeitgeber des bisherigen Regionalreferenten – nun des Regionalpastors – Omid Homayouni ist. Im Grußwort aus Omids Heimatgemeinde Varel, die ihren Gottesdienst an diesem Sonntag gleich ganz nach Delmenhorst verlegt hatte, zeichneten Edwin Witt und Elke Visser seinen eindrucksvollen Weg in den letzten sechs Jahren nach.

Die Ordination, in der Omid Homayouni und seine Ehefrau Bahareh Hashemi unter den Segen Gottes gestellt wurden, stand unter dem Zuspruch von Paulus an Timotheus: „Deshalb ermutige ich dich dazu, die geistliche Gabe wirken zu lassen, die Gott dir schenkte, als ich dir die Hände auflegte. Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furcht gegeben, sondern einen Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“  (2. Timotheus 1,7).

Nach einem Bericht von Elke Visser, Thomas Klammt

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news-2515 Mon, 07 Oct 2019 12:49:30 +0200 Treffen der europäischen Baptisten Matthias Walter https://www.baptisten.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/treffen-der-europaeischen-baptisten/ Das EBF Council, die Ratstagung der Europäischen Baptistischen Föderation, fand vom 25. bis 28. September in der Nähe von Glasgow in Schottland statt. Pastor Matthias Walter berichtet. Das EBF Council, die Ratstagung der Europäischen Baptistischen Föderation, fand vom 25. bis 28. September in der Nähe von Glasgow in Schottland statt. Pastor Matthias Walter berichtet.

Nein, wir haben nicht ständig über den Brexit gesprochen. Die politische Lage im Land des Ausrichters der diesjährigen Ratstagung der Europäischen Baptistischen Föderation war nicht ständig Thema. Das war im letzten Jahr anders gewesen. Da waren wir in der Ukraine, haben Berichte aus den besetzten Gebieten gehört und aus den Augenwinkeln verfolgt, wie sich die ukrainischen und russischen Delegierten begegnet sind. Unter den Baptisten hat der Brexit nicht so dramatische Folgen. Die schottischen und englischen Delegierten haben gemeinsam über die Politik geseufzt.

Sie gehörten zu den rund 170 Teilnehmern dieser Ratstagung aus 40 Ländern Europas, Zentralasiens und dem Nahen Osten, von Spanien bis Finnland, Irland bis Irak, Frankreich bis Tadschikistan. Was für eine Bandbreite! Und das nicht nur wegen der vielen Breiten- und Längengrade, die dieses Netzwerk überspannt, sondern wegen der vielen unterschiedlichen Prägungen und Lebensumstände und Frömmigkeiten.

Aus Deutschland nahmen teil: BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba, der wieder zum Vorsitzenden des EBF-Nominierungskomitees gewählt wurde, und Joachim Gnep von der Bundesgeschäftsstelle, Samantha Mail, neu Vorsitzende des Kinder- und Jugendkomitees der EBF, und Marten Becker vom Gemeindejugendwerk, Matze Dichristin für EBM INTERNATIONAL, Michael Rohde als neuer Vorsitzender des Aufsichtsrats vom International Baptist Theological Studies Center (IBTSC) in Amsterdam und Matthias Walter im Auftrag des Vertrauensrates.

Wieder war ein Schwerpunkt die Frage nach der Religionsfreiheit. Einer der Tage war diesem Thema gewidmet. Baptistische Parlamentarier aus Schottland und Moldawien erzählten von ihren Bemühungen und Initiativen zu diesem Thema. Delegierte aus Ländern mit prekärer Menschenrechtslage erzählten von ihren Erfahrungen. Der Generalsekretär des Baptistischen Weltbundes (BWA), Elijah Brown, warnte davor, dem „Götzen“ Sicherheit die Freiheit zu opfern. Wir haben füreinander gebetet und eine Resolution zum Thema Religionsfreiheit verabschiedet, mit der wir bei offiziellen Stellen auf unser Anliegen aufmerksam machen können. Das ist eine große Hilfe gerade für kleinere Bünde in weniger demokratischen Staaten. Die zweite Resolution betrifft den Klimawandel und bekräftigt und aktualisiert eine Resolution aus dem Jahre 2008.###3_IMAGES###EBF-Generalsekretär Tony Peck wies uns in einer Grundsatzrede auf „signs of hope“ (Zeichen der Hoffnung) hin, die er an vielen Stellen in den Gemeinden und Bünden der EBF wahrnehme. Dazu gehörten ein neues Fragen nach lebenslangem Lernen in der Nachfolge, die Bereitschaft, um des Glaubens willen Risiken einzugehen und sich um Versöhnung und Bewahrung der Schöpfung zu bemühen.

Mit dieser Ratstagung ging ein knapp dreijähriges Programm zur Nachwuchsförderung innerhalb der EBF zu Ende. Elf junge Menschen („Transfomers“) im Alter von Ende 20 bis Anfang 30 aus der ganzen EBF haben sich während dieser Zeit immer wieder getroffen, um zu verschiedenen Themen der Leiterschaft in internationaler Perspektive geschult zu werden. Aus Deutschland war Marten Becker vom GJW dabei. Die Hoffnung ist, dass sie zur nächsten Generation derer werden, die dazu beitragen, dass der politischen und gesellschaftlichen Tendenz zu „Polarisation und Fragmentierung“, die Tony Peck beklagte, unter den Baptisten gewehrt wird und Baptisten in die Lage versetzt werden, versöhnend und integrierend in ihre Gesellschaften hineinzuwirken.

Dass das auch für Baptisten eine Herausforderung ist, zeigte das Beispiel Georgien. In dem dortigen Bund sind solche Spannungen um Fragen nach der Kirchenleitung aufgetreten, dass sich die Leitung der EBF zum ersten Mal in ihrer Geschichte genötigt sah, die Mitgliedschaft eines Mitgliedsbundes für ein Jahr ruhen zu lassen.

Alle zwei Jahre wechselt die (ehrenamtliche) Präsidentschaft innerhalb der EBF. Wir verabschiedeten Jenni Entrican aus England als Präsidentin der EBF und hießen willkommen: Meego Remmel aus Estland als neuen Präsidenten und Stefan Gisiger aus der Schweiz als neuen Vizepräsidenten.

Es wird wieder einen EBF-Kongress geben! „Mission conference“ heißt die Veranstaltung, und sie wird vom 21. bis 25. Juli 2021 in Stavanger, Norwegen, stattfinden. Es wird Platz sein für 1.700 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der ganzen EBF. Also Termin vormerken!

Das nächstjährige EBF Council soll in Russland stattfinden. Ein Ort wird noch gesucht.

Ein ausführlicherer Bericht vom EBF Council in Glasgow auf Englisch findet sich hier.

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news-2513 Wed, 02 Oct 2019 13:45:03 +0200 Wertvoller Fundus Ines Pieper https://www.baptisten.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/wertvoller-fundus/ Dem Oncken-Archiv wurden verschollen geglaubte baptistische Kirchenregister überreicht – ein Gewinn für die freikirchliche Forschung! Dem Oncken-Archiv wurden verschollen geglaubte baptistische Kirchenregister überreicht – ein Gewinn für die freikirchliche Forschung!

Im Oncken-Archiv in Elstal sind nur wenige Kirchenbücher der Baptistengemeinden in den ehemaligen deutschen Gebieten östlich von Oder und Neiße überliefert. Der Großteil der Kirchenbücher war in den Kriegswirren verlorengegangen oder ist durch Umwege in andere Archive oder Einrichtungen gelangt. So auch die Kirchenbücher der Baptistengemeinden in Elbing/ Westpreußen und Stettin/ Pommern, die im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin (EZA) untergekommen sind. 

Die Anfrage des Oncken-Archivs an das Berliner Zentralarchiv, ob die Bände an den Bund überführt werden könnten, wurde bejaht und so fand am 18. September 2019 die Übergabe statt. Der Leiter des EZA, Herr Dr. Pahl, und sein Kollege von der Kirchenbuchstelle, Herr Engelbart, überreichten die wertvollen Unikate an die Archivarin des Bundes, Ines Pieper.  Es handelt sich um sechs Mitgliederverzeichnisse, die auch Eintragungen zu Trauungen, Taufen, Geburten usw. enthalten - ein Fundus, der fortan interessierten Familien- und anderen Forschern im Oncken-Archiv zur Verfügung steht. „Lange Zeit galten die Kirchenbücher als verschollen. Jetzt können die alten Schätze Teile gemeindlicher Geschichte – sogar von 1840 – rekonstruieren“, freut sich Archivarin Ines Pieper. „Durch die Kirchenregister kann auch nachvollzogen werden, welche Gemeinden Baptistengemeinden waren“, so der ehemalige Dozent für Kirchengeschichte Günter Balders. „Denn die Bezeichnung Baptistengemeinden war damals noch nicht durchgängig gebräuchlich und einige Gemeinden nannten sich zum Beispiel ‚Gemeinde gläubig getaufter Christen‘. Die Bücher sind ein großer Gewinn für die freikirchliche Forschung!“

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news-2512 Wed, 02 Oct 2019 10:34:34 +0200 Ausgrenzung beenden – Schwellen überwinden Jürgen Tischler https://www.baptisten.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/ausgrenzung-beenden-schwellen-ueberwinden/ Die Evangelisch-Freikirchliche Gesamtgemeinde Hannover feierte am 15. September einen Open-Air-Gottesdienst mit 1.200 Besucherinnen und Besuchern im Stadtpark Hannover. Die Evangelisch-Freikirchliche Gesamtgemeinde Hannover feierte am 15. September einen Open-Air-Gottesdienst mit 1.200 Besucherinnen und Besuchern im Stadtpark Hannover.

Zum Abschluss des Gottesdienstes stellten sich am Sonntag die 1.200 Besucher aus elf Teilgemeinden in Form ihres Logos auf: Ein Kreuz, umrahmt von einzelnen Kreisen, die die Gemeinden der Gesamtgemeinde Hannover symbolisieren. Eine Drohne fotografierte von oben dieses eindrückliche Bild. Die Gesamtgemeinde Hannover besteht aus elf Gemeinden in der Region Hannover und bildet mit weiteren acht Partnergemeinden die „Region Mitte“ des Landesverbandes. So feierte am 15. September die „Region Mitte“ des Landesverbandes Niedersachsen-Ostwestfalen-Sachsen-Anhalt (NOSA) im Stadtpark von Hannover.

Die Gemeindeleiterin der spanisch-deutschen Gemeinde in Hannover-Linden, Maria Fernandes, moderierte den Gottesdienst und stellte zwei Menschen vor, die erzählten, wie sie auf unerwartete Weise in Kontakt zu Christen gekommen sind und Jesus Christus persönlich kennengelernt haben.

Lebensgeschichten griff auch Benedikt Elsner, der Jugendpastor des Landesverbandes NOSA auf: Er erzählte nach Apostelgeschichte 10 aus dem Leben von Petrus, einem Nachfolger von Jesus. Petrus grenzte zunächst andere Menschen aus und lernte durch einen Traum, dass Gott grenzenlos liebt. Er stand symbolisch an einer „Türschwelle“ und musste sich überlegen, ob er sie übertritt oder nicht. „Seid Grenzüberschreiter, im Namen der frohen Botschaft!“, rief Benedikt Elsner den Besuchern zu. Diese konnten das später an einer aufgestellten Tür zwischen den Bankreihen konkret-praktisch nachvollziehen. Immer wieder sah man im späteren Verlauf des Tages Menschen bewusst an dieser Tür die Schwelle übertreten. Als Strategie nannte der Jugendpastor fünf Punkte. Einer davon: „Erzählt den Menschen von Jesus, weil ihr es wollt, nicht weil ihr es meint zu müssen!“ Diese Botschaft kam an, viele Besucher betonten das, als sie anschließend nach einem Feedback gefragt wurden. Im parallelen Kinderprogramm unter der Leitung von Jugendpastorin Natalie Georgi wurde das Thema ebenfalls kreativ behandelt und die Kinder kamen mit einem Tür-Modell voller eigener Handabdrücke zurück ins Plenum. 

Bereits vor dem Gottesdienst stimmte der Chor gospelcontakt die Ankommenden fröhlich ein. Zum musikalischen Genuss trug dann zusätzlich der temperamentvolle Gesamtgemeinde-Projektchor unter der Leitung von Frank Wedel bei.

Die Hannoveraner Baptisten hatten ein vielfältiges Angebot aufgebaut: 27 Stände von Gemeindeinitiativen, Diakonischen Werken, der Freien Christliche Schule Hannover (FESH), dem Neuen Land (Drogenberatung) und der mobilen Eventkirche des Landesverbandes umrahmten den Gottesdienstplatz. Am Stand der mobilen Eventkirche gab es nach dem Gottesdienst einen Apfel und Kaffee für das Abgeben eines Votums zur Frage: „Kann man Gott beweisen?“ Verschiedene Antwortmöglichkeiten konnten ausgewählt werden. Insgesamt wurden allein dort 10 kg Äpfel verteilt und 40 Liter Kaffee ausgeschenkt. An anderen Stellen waren es 120 Crepes, dutzende Kuchen und vieles mehr.

Für Mitorganisator Pastor Michael Rohde war es „der schönste Moment, zu erleben, wie viel Kommunikation auf dem Platz, an den Ständen und auf den Picknickdecken entstand.“ Genau das war es, was die Veranstalter und Besucher sich von diesem Treffen erhofften und das fantastische Wetter lieferte dafür beste Bedingungen. Henning Großmann, Pastor der „Gemeinde am Döhrener Turm“ in Hannover zog als stellvertretender Gesamtgemeindeleiter ein positives Fazit des Tages und betonte, dass der letzte Open-Air-Gottesdienst vor zwei Jahren ausführlich vom Vorbereitungsteam evaluiert wurde und Verbesserungs-Impulse daraus konsequent umgesetzt worden seien. Fazit: Ein gelungenes, inspirierendes Gemeindepicknick, bei dem man überall fröhliche und zufriedene Gesichter sehen konnte.

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news-2509 Tue, 01 Oct 2019 10:03:35 +0200 „Gemeinde als Herberge“ Gabriele Löding https://www.baptisten.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/gemeinde-als-herberge/ Am 14. September fand der regionale Diakonietag „Gemeinde als Herberge? – Möglichkeiten und Grenzen der Begleitung von Menschen mit seelischen Belastungen“ in Weltersbach statt. Am 14. September fand der regionale Diakonietag „Gemeinde als Herberge? – Möglichkeiten und Grenzen der Begleitung von Menschen mit seelischen Belastungen“ in Weltersbach statt. Er wurde verantwortet von der Diakonie im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden und im Bund Freier evangelischer Gemeinden. Pastor Ulrich Kühn und Diakonin Gabriele Löding hatten die Leitung des Tages inne.

Der familiäre Charakter freikirchlicher Gemeinden lädt Menschen ein, die sich nach Gemeinschaft sehnen. Dazu gehören auch Menschen mit seelischen Belastungen. Einige von ihnen haben eine ernstzunehmende psychische Erkrankung. Von den Betroffenen oder Angehörigen wird das oft nicht wahrgenommen. Auch in den Gemeinden können psychisch Erkrankte die Erfahrung machen, dass nicht angemessen mit ihnen umgegangen wird. Ein Verständnis ihrer Krankheit und ein bedachter Umgang sind hilfreich, betonte Dr. Martin Grabe, Ärztlicher Direktor der Klinik Hohe Mark, beim regionalen Diakonietag: „Gemeinde als Herberge? – Möglichkeiten und Grenzen der Begleitung von Menschen mit seelischen Belastungen“.

„Wir brauchen das Gebet, die Begleitenden und die Betroffenen, und es ist gut, dass wir mit einer übermenschlichen Kraft rechnen können. Doch Hilfe und Heilung geschieht auch durch das gute Netzwerk von therapeutischen Möglichkeiten“, erläuterte Dr. Grabe vor 120 Teilnehmenden im Diakoniewerk Pilgerheim. Er führte aus, dass psychische Störungen oft Überlebensstrategien sind, die in Krisen- und Stresssituationen ausgebildet werden, und gab einen Überblick über die Krankheiten und ihre Symptome. Dazu zählen zum Beispiel Depressionen, die Manie und die bipolare Störung sowie Angst- und Zwangsstörungen. Bei diesen Erkrankungen geht es in der Therapie darum, sich den dahinterliegenden Problemen zu stellen. In manchen Fällen ist eine unterstützende medikamentöse Therapie notwendig.

In den Gemeinden treffen wir auf Menschen, die im Laufe des Lebens auch bestimmte krankhafte Einstellungen und Verhalten verfestigt haben: die Opferrolle, dieRolle der Hilfsbedürftigen, der Außenseiter, der Regelbedürftigen, der Zukurzgekommenen. Diese Menschen kommen schwer aus ihrer Rolle raus und können ihr Verhalten nur sehr schwer verändern. Dr. Grabe wies darauf hin, dass solche Menschen oft zu lange seelsorgerlich begleitet werden und in dieser Zeit sich die Krankheit manifestiert, ohne dass durch eine entsprechende Therapie geholfen werden konnte. Eine Begleitung seitens der Gemeinde während der Therapie besteht oft im Aushalten und Mittragen des Leidens. Im Kontakt mit den Betroffenen gilt es, auf die eigenen Grenzen der Einfühlung zu achten, zum Beispiel bezüglich der Redezeit und der Begegnungszeiten. Auch besteht die Gefahr einer Co-Abhängigkeit, wenn die Betreffenden in ihrem Verhalten nur oder zu sehr bestätigt werden. Dazu gehört es, zu verdeutlichen, welches Verhalten eine positive Entwicklung fördert und welches Verhalten diese verhindert.

In den Seminarangeboten am Nachmittag wurden einige Themen in Kleingruppen vertieft und weitere Themen aufgenommen, wie beispielsweise „Kinder von Eltern mit psychischen Störungen“, „Nähe und Distanz in der Seelsorge“ und die „Begegnung mit traumatisierte Menschen“. Die Informationen über die unterschiedlichen Krankheitsbilder sowie die Verhaltensstile psychisch belasteter Menschen wurden aufmerksam aufgenommen und sehr geschätzt. Eine Teilnehmerin meinte: „Für mich war es sehr hilfreich, Krankheitssymptome kennenzulernen und zu erfahren, wie ich in guter Weise begleiten kann.“ Ein Teilnehmer fasste das Erfahrene so zusammen: „Für mich entscheidend war das Stichwort: Annahme.“ Dieser Tag war ein wichtiger Impuls in die Gemeinden hinein, psychisch Erkrankte kompetent zu begleiten und für Hinweise auf Therapien und Hilfsangebote zu sensibilisieren.

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news-2506 Wed, 25 Sep 2019 11:51:35 +0200 Verbunden im Lob Gottes Thomas Klammt https://www.baptisten.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/verbunden-im-lob-gottes/ 15 Menschen aus sechs Herkunftsländern begannen am 15. bis 18. September das Pastorale Integrations- und Ausbildungs-Programm der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie Elstal. Im Pastoralen Integrations- und Ausbildungs-Programm (PIAP) hat ein neuer Kurs begonnen.

15 Leute aus ganz Deutschland, von Hurlach bis Hamburg, von Ludwigshafen bis Berlin, reisten zu ihrer ersten Tagung nach Elstal. Geboren sind sie in Nigeria, Ghana, Angola, Marokko, Vietnam und im Iran. In den nächsten drei Jahren haben sie fünf weitere Blockseminare in Elstal vor sich, müssen fünf schriftliche Arbeiten erledigen und mehrere Tagungen auf Landes- und Bundesebene besuchen, und werden dabei von einem Mitglied der Studienleitung intensiv begleitet.

Zur ersten Tagung in Elstal brachten manche viele Fragen und Unsicherheit mit: „Wie werde ich mit der deutschen Sprache zurechtkommen? Wie passe ich in die Gruppe? Kann ich die theologischen Inhalte verstehen?“ Am Ende der drei Tage gaben sie dankbar Feedback: „Meine Hand ist müde vom vielen Schreiben, aber ich bin erfüllt mit guten Erfahrungen und Gedanken … die Atmosphäre in der Gruppe war so gut, die Diskussionen haben mich sehr angeregt … ich weiß, ich bin hier richtig!“

Das Thema „Gemeinde entdecken – Baptismus in Geschichte und Gegenwart“ wurde von der Studienleitung und den Dozenten der Theologischen Hochschule entfaltet: die Entstehung und Identität der Baptisten, ihr Umgang mit Freiheit und Einmütigkeit und ihr Verständnis vom Abendmahl waren einige der Schwerpunkte, die gründlich erklärt und intensiv diskutiert wurden. Dabei entstand eine bunte Lerngemeinschaft mit den sechs Teilnehmern des Kontaktstudiums, Gemeindereferenten aus Gundelfingen, Weinstadt, Marburg, Baunatal, Hannover und Quedlinburg.

Bei einer Führung über den Campus des Bildungszentrums Elstal und einem Abend mit aktuellen Informationen über die Strukturen und Angebote des BEFG, lernten manche der Teilnehmenden den Bund ganz neu oder erstmals richtig kennen.

In den Morgenandachten gaben drei Teilnehmer biblische und persönliche Impulse. Anschließend wurde in vielen Sprachen gebetet: Englisch, Französisch, Vietnamesisch, Arabisch, Farsi und Deutsch. Eine iranische Teilnehmerin bekannte, dass sie zum ersten Mal gehört habe, wie jemand auf Arabisch zu Jesus betet, und dadurch in ihrer tiefsitzenden Abneigung gegen diese Sprache und Kultur erschüttert worden sei. So trägt PIAP nicht nur zur Integration in den BEFG bei, sondern auch zur Verbindung und Versöhnung von Menschen unterschiedlicher Kulturen. Ein wunderbares Bild dafür war die Musikgruppe, die uns am letzten Morgen im Lobpreis leitete: eine Iranerin am Flügel, ein Deutscher an der Gitarre, ein Spanier auf dem Cajon, ein Ghanaer mit Percussion – und die ganze Gruppe verbunden im Lob Gottes!

Und das war erst der Anfang … Wir sind gespannt, was Gott im PIAP in den nächsten drei Jahren vorhat!

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news-2504 Tue, 24 Sep 2019 13:31:00 +0200 „Die Lebensberatung ist eine ökumenische Erfolgsgeschichte“ Dr. Jenny Jörgensen https://www.baptisten.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/die-lebensberatung-ist-eine-oekumenische-erfolgsgeschichte/ Am 15. September feierte die Lebensberatung im Berliner Dom ihr 40-jähriges Bestehen. BEFG-Präsident Michael Noss bezeichnet das Angebot als ökumenische Erfolgsgeschichte. Seit 1979 leisten vor allem geschulte Ehrenamtliche Krisenberatung, Seelsorge und Paarberatung anonym und kostenlos. Das Jubiläum beging die Einrichtung am 15. September mit einem Gottesdienst und einem Empfang.

Mit einem Gottesdienst und einem Empfang feierte die Lebensberatung im Berliner Dom am 15. September ihr 40-jähriges Bestehen. Seit 1979 erhalten Menschen dort Krisenberatung, Seelsorge und Paarberatung vor allem durch ausgebildete ehrenamtliche Beraterinnen und Berater.

Der Gründer der Lebensberatung, der evangelische Pfarrer Horst Berger, „wusste, was die Menschen brauchen“, sagte die Görlitzer Generalsuperintendentin, Supervisorin und Pastoralpsychologin Theresa Rinecker in ihrer Predigt zum Thema „Ich lobe den Herrn, der mich beraten hat“ (Psalm 16) beim Jubiläumsgottesdienst im Berliner Dom. „Das Echte, das Unmittelbare, das, was andere unansehnlich finden, war ihm und den anderen Beraterinnen und Beratern gerade recht“, sagte Rinecker. Die Lebensberatung im Dom leiste auch in Zeiten, in denen Beratung ein „richtiger Markt“ geworden sei, weiterhin einen wichtigen Beitrag mit ihrem für alle zugänglichen Angebot.

Verlässliche finanzielle Unterstützung gesucht

Andreas Mende, Geschäftsführer der Trägergesellschaft Beratung + Leben GmbH innerhalb der Immanuel Albertinen Diakonie, würdigte beim anschließenden Empfang: „Dass die Lebensberatung im Berliner Dom 40 Jahre alt geworden ist, verdanken wir dem großen ehrenamtlichen Engagement und der finanziellen Unterstützung durch Spenden und Kollekten.“ Die Lebensberatung ist ein reines Spendenwerk. Sie wird über die freiwilligen Spenden der Ratsuchenden und über Gottesdienstkollekten finanziert. Die Finanzierung sei schon immer schwierig gewesen, so Mende. „In den letzten Jahren ist die Unterstützung durch Kollekten insgesamt leider stark zurückgegangen. Um auch in Zukunft im Berliner Dom Beratung und Seelsorge für Menschen in Krisen leisten zu können, benötigen wir verlässliche Unterstützung.“

Die erste Beratung fand am 20. Oktober 1979 in der noch unrenovierten Küsterei des Domes statt. Wenig später zog das Team in einen Nebenraum der Tauf- und Traukirche, zunächst ohne Telefon und Strom. Drei Stühle stiftete die Domgemeinde, ein kleiner Tisch war eine Spende eines Ratsuchenden. Schrittweise wurde das Angebot erweitert. Im Oktober 1991 zog die Lebensberatung in ihr aktuelles Domizil im Souterrain des Doms. Nachdem das Diakonische Werk und die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg die Domseelsorge in den 1990er Jahren aufgaben, übernahm sie der evangelisch-freikirchliche Verein Beratung und Lebenshilfe. Der Verein ging 2006 in die Beratung + Leben GmbH über.

Ökumenische Erfolgsgeschichte

„Die Lebensberatung ist eine ökumenische Erfolgsgeschichte“, betonte Michael Noss, Präsident des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland und ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Beratung und Lebenshilfe.

Ein Team von zurzeit rund 25 Ehrenamtlichen und einem Hauptamtlichen bietet nach Terminvereinbarung und montags bis freitags von 14 bis 18 Uhr auch ohne Anmeldung in drei Räumen anonym Krisenberatung, Seelsorge, Paarberatung, Supervision und Gesprächsangebote für Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe. Die Lebensberatung im Berliner Dom ist eine von nur zwei Berliner Beratungsstellen der offenen Tür, die alle Menschen kostenlos beraten. Bei jährlich etwa 3.000 Kontakten geht es um Lebens-, Beziehungs- und Glaubenskrisen. Die Ehrenamtlichen sind Pfarrerinnen und Pfarrer, Psychologinnen und Psychologen, Theologinnen und Theologen, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter oder Juristinnen und Juristen und haben mindestens eine Zusatzausbildung in psychologischer Beratung oder Seelsorge oder Psychotherapie.

Hilfe im Hier und Jetzt

„Um Menschen begleiten zu können, braucht es einen liebenden Blick auf sie, ein hörendes Herz, professionelle Kompetenz und eine gute Supervision. Es hilft auch, selbst Krisen überwunden zu haben“, sagte der ehemalige Ehrenamtliche Dieprand von Richthofen. Der frühere Verwaltungsjurist mit einer Ausbildung als Logopäde und Imaginationstherapeut war zehn Jahre bei der Telefonseelsorge, bevor er sich von 2012 bis 2017 in der Lebensberatung engagierte.

Dienstälteste ehrenamtliche Beraterin ist Anneliese Stephan. Seit 2004 begleitet die frühere Psychologin und Psychotherapeutin an der Charité für vier Stunden in der Woche Ratsuchende in der Lebensberatung im Dom, um ihre Erfahrungen auch im Ruhestand weiterzugeben. „Anfangs musste ich erst umdenken. Wir machen hier keine Therapie, wir machen keine Anamnese und stellen keine Diagnose. Wir konzentrieren uns auf das Hier und Jetzt und versuchen Handlungsoptionen aufzuzeigen“, erläuterte Anneliese Stephan.

Immer häufiger kommen kinderlose Paare oder Paare mit bereits volljährigen Kindern in die Lebensberatung im Berliner Dom, die sich als einzige konfessionelle Beratungsstelle in Berlin noch unter dem Dach einer Kirche befindet. Der Grund: „Das Angebot städtischer Beratungsstellen ist Ratsuchenden mit minderjährigen Kindern vorbehalten, weil der Senat nur diese finanziell fördert. Alle anderen Ratsuchenden müssen kostenpflichtige Angebote in Anspruch nehmen oder eine Beratung der offenen Tür aufsuchen“, erläuterte Karl-Heinz Hilberath, Leiter der Einrichtung und psychologischer Psychotherapeut. Umso wichtiger sei der Erhalt dieser Beratung der offenen Tür im Herzen Berlins. 

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news-2501 Fri, 20 Sep 2019 14:53:37 +0200 Ökumene der Kirchen als gutes Beispiel für internationale Beziehungen zwischen Staaten Dr. Gabriele Riffert https://www.baptisten.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/oekumene-der-kirchen-als-gutes-beispiel-fuer-internationale-beziehungen-zwischen-staaten/ Am 18. und 19. September tagte die Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Augsburg. Am 18. und 19. September tagte die Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Augsburg. Vom BEFG delegiert waren Manfred Ewaldt, Ulf Beiderbeck und Generalsekretär Christoph Stiba.

Gleich mit mehreren aktuellen und gesellschaftlich relevanten Themen hat sich die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) Deutschland im Rahmen ihrer Mitgliederversammlung befasst.

Eines davon war die geplante Änderung der Beschäftigungsverordnung, die ausländische Seelsorger betrifft. Diese sollen vor Erhalt einer Einreisegenehmigung nach Deutschland beweisen, dass sie über hinreichende deutsche Sprachkenntnisse verfügen. Die Mitglieder unterstützten den Brief, den der Vorstand der ACK an die zuständigen Ministerien geschrieben hat. Darin wird festgestellt, dass die geplante Änderung auch erhebliche negative Folgen für die pastorale Praxis mehrerer ACK-Mitgliedskirchen hätte und massiv ins Selbstbestimmungsrecht der Kirchen eingreife, das im Grundgesetz verankert sei.

Tendenz zur „Archipelisierung“?

Reverend Sören Lenz, Exekutivsekretär der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) in Straßburg, referierte im Rahmen der Mitgliederversammlung zum Thema „Kurz vor dem Brexit – nach der Wahl: Europa vor einer Zerreißprobe?“. Anhand der Beispiele der „Gelbwestenbewegung“ in Frankreich, des Brexit und des Erstarkens der AfD in Deutschland arbeitete er heraus, dass sich größere Teile der jeweiligen Bevölkerung von den politischen Eliten auf nationaler und internationaler Ebene nicht mehr vertreten fühlten. Dabei handle es sich vielfach um Angehörige der Mittelschicht, die von Abstiegsängsten geplagt sei. Deshalb fühlten sie sich von populistischen Unabhängigkeitsbestrebungen angesprochen. Insgesamt, so Sören Lenz, setze sich die Tendenz zur „Archipelisierung“ fort.

Menschen bewegten sich zunehmend innerhalb von Gruppen, die ihre eigenen Überzeugungen teilten. Zu dieser „Blasenbildung“ trügen auch die Sozialen Medien wesentlich bei. Zugleich lasse sich auch innerhalb der Kirchen die Tendenz feststellen, dass sie in ihrer Positionierung zu grundsätzlichen Fragen, wie zum Beispiel im Bereich von Ehe und Familie, auseinanderdriften.

Die Kirchen könnten in ihren internationalen Organisationen wie der KEK gleichwohl ein positives Beispiel für ein konstruktives und zukunftsweisendes Miteinander in Europa geben. Sie lebten gerade auf dem Gebiet der Ökumene nach dem Grundsatz der versöhnten Verschiedenheit und der „Einheit in Vielfalt“.

Jahr der Ökumene 2021

Die Mitgliederversammlung der ACK Deutschland hatte sich auch intensiv mit dem Jahr 2021 beschäftigt, in dem gleich mehrere, für die Ökumene höchst relevante Ereignisse stattfinden: Neben dem Dritten Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt am Main treffen sich ca. 755 Delegierten und über 4000 Gäste und Beobachter des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) in Karlsruhe zu ihrer Vollversammlung. Zudem werden auch 2021 die Gebetswoche für die Einheit der Christen und der Ökumenische Tag der Schöpfung durchgeführt. Die bundesweite Eröffnungsveranstaltung zu letzterem soll im Dreiländereck zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz auf dem Bodensee begangen werden. Aufgrund dieser Häufung bedeutsamer ökumenischer Ereignisse sprachen sich die Mitglieder der ACK Deutschland für ein gemeinsames Jahresmotto aller ökumenischen Veranstaltungen unter dem Titel „2021: Jahr der Ökumene“ aus.

Multilaterale Kooperation

Im Hinblick auf die Vorbereitung des Dritten Ökumenischen Kirchentags betonte die Mitgliederversammlung der ACK Deutschland, dass es sich bei Ökumene nicht nur um das Miteinander von evangelischer und römisch-katholischer Kirche handle, sondern vielmehr um eine multilaterale Kooperation. Die Mitgliederversammlung sprach sich deshalb für eine starke Präsenz der ACK auf dem Ökumenischen Kirchentag aus.

Die Mitgliederversammlung erinnerte außerdem an 20 Jahre „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“. Dies war in Form eines vorgeschalteten Studientages erfolgt. Außerdem nahm sie einen Text an, den der Deutsche Ökumenische Studienausschuss (DÖSTA) dazu vorbereitet hatte und verabschiedete in diesem Zusammenhang eine eigene Erklärung.

Der 1999 von der römisch-katholischen Kirche und vom Lutherischen Weltbund unterzeichneten Erklärung haben sich inhaltlich mittlerweile auch der Weltrat methodistischer Kirchen, die Anglikanische Gemeinschaft sowie die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen angeschlossen. Weitere Konfessionen diskutieren, wann sie dies gegebenenfalls tun können. Die Einheit in Vielfalt hat Zukunft.

Im Anschluss an die Mitgliederversammlung besuchten der neue Vorsitzende der ACK, Erzpriester Constantin Miron, und die neue Geschäftsführerin der ACK, Dr. Verena Hammes, die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF), die durch den Präsidenten Christoph Stiba und das Vorstandsmitglied Frank Uphoff, Vizepräses des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP), vertreten war. In diesem Gespräch wurde die vertrauensvolle Zusammenarbeit von VEF und ACK gewürdigt. Die ACK betonte, dass neben den beiden in Deutschland großen Kirchen und den Orthodoxen die Freikirchen eine weitere wichtige Säule der ACK-Arbeit seien.

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news-2499 Thu, 19 Sep 2019 10:57:08 +0200 Spenden wie zu Paulus' Zeiten Timo Neumann https://www.baptisten.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/spenden-wie-zu-paulus-zeiten/ Erntedankspenden an das Bundesopfer ermöglichen viele Arbeiten, die allen Gemeinden zugutekommen. Schon Paulus warb um finanzielle Unterstützung und Solidarität unter den Gemeinden. „Zu Erntedank wird Gottes Wirken unter uns Menschen auf besondere Weise sichtbar. Wir danken unserem Herrn und Versorger, dass er uns so reich beschenkt und zugleich denken wir an unsere Nächsten, indem wir davon etwas abgeben“, so formuliert es Christoph Stiba, Generalsekretär des BEFG. Für die Kollekten in den Bundesgemeinden empfiehlt der Bund traditionell eine Auswahl an Projekten, die auch Einzelpersonen durch Spenden unterstützen – darunter die für die Arbeit der Bundesgemeinschaft so bedeutenden Spenden an das Bundesopfer.

„Im Augenblick habt ihr mehr als die andern. Darum ist es nur recht, dass ihr denen helft, die in Not sind. Wenn dann einmal ihr in Not seid und sie mehr haben als ihr, sollen sie euch helfen. So kommt es zu einem Ausgleich zwischen euch.“ (2. Kor. 8,14) In seinem 2. Brief an die Gemeinde in Korinth bittet der Apostel Paulus um Unterstützung der Geschwister in Jerusalem. Dass Gemeinden sich gegenseitig unterstützen sei schon zu neutestamentlichen Zeiten ein wichtiges Kennzeichen für die verbindende Liebe und Solidarität untereinander gewesen. „Diese Solidarität lebt auch in unserem Bund: einer Gemeinschaft von über 800 Gemeinden, die in ihrer Umgebung auf ganz unterschiedliche Weise das Wort Gottes bezeugen – geeint in Christus und in seinem Geist miteinander verbunden“, hebt Stiba hervor.

In einer Spendenbitte, die einige Geschwister postalisch erhalten, bittet der BEFG auch Einzelpersonen, diese Gemeinschaft finanziell zu unterstützen. Volker Springer, der kaufmännische Geschäftsführer des Bundes, erklärt: „Diese freien Spenden an das Bundesopfer ermöglichen eine Vielzahl bundesweiter Arbeiten, die allen Gemeinden zugutekommen.“ Kreative Missionsprojekte, die Pastoren- und Diakonen-Ausbildung an der Theologischen Hochschule Elstal, Bildungs- und Beratungsprogramme für Gemeinden, ein umfangreiches Seminarangebot für die vielen Engagierten in den Gemeinden an der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie Elstal, Impulse für die Kinder- und Jugendarbeit, die Koordinierung humanitärer Hilfsprojekte und weltweiter Katastrophenhilfe und vieles mehr. Weiter führt Springer aus: „Diese Vielfalt an bundesweiten Arbeiten kann nur bestehen, wenn wir dafür auch die richtige Basis schaffen. Als Bundesgemeinschaft sind wir angewiesen auf freie Spenden an das Bundesopfer.“ Diese Spenden sind für ihn ein Zeichen gelebter Solidarität. Augenzwinkernd ergänzt er: „Für Paulus und seine Helfer war es damals übrigens eine logistische Herausforderung, die gesammelten Spenden nach Jerusalem zu bringen. Heute reichen wenige Klicks beim Online-Banking oder ein Gang zur Bank“.

Für die Kollekten stellt der BEFG zu Erntedank eine Auswahl an Projekten vor, die auch Einzelpersonen immer wieder durch private Spenden unterstützen. In DIE GEMEINDE (Ausgabe 20/2019), die es hier zu bestellen gibt, stellt ein Artikel die Erntedank-Projekte näher vor. Hier geht es direkt zu dem Flyer mit den Projekten.  

Die Erntedankspenden und -kollekten können viel Gutes bewirken. Auch das hat sich seit Paulus Zeiten nicht geändert:

„Gott, der dem Sämann Saatgut und Brot gibt, wird auch euch Samen geben und ihn wachsen lassen, damit eure Wohltätigkeit eine reiche Ernte bringt.“ (2. Kor. 9,10)

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news-2495 Fri, 13 Sep 2019 10:39:39 +0200 Vor 55 Jahren: Martin Luther Kings überraschende Predigt in Ost-Berlin Constance Bürger https://www.baptisten.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/vor-55-jahren-martin-luther-kings-ueberraschende-predigt-in-ost-berlin/ Im September 1964 besuchte Martin Luther King das geteilte Berlin. Sabine Rackow, Marcus Meckel und Michael Markus Schulz waren bei Kings Auftritten in Ost-Berlin mit dabei. Im September 1964 besuchte Martin Luther King das geteilte Berlin. Nach einer Predigt vor 20.000 Menschen in der West-Berliner Waldbühne reiste er überraschend auch in den Ostteil der Stadt und predigte in der überfüllten Marienkirche und in der Sophienkirche. Sabine Rackow, Markus Meckel und Michael Markus Schulz waren damals dabei.

Am 13. September 1964 macht sich Sabine Rackow auf den Weg von Berlin-Schöneweide, wo sie lebt, zum Alexanderplatz. Dort ist die 27-jährige Chemikerin mit Freunden aus ihrer früheren Evangelischen Studierendengemeinde verabredet. Sie wollen in der St.-Marienkirche Martin Luther King im Gottesdienst hören. Der US-amerikanische Bürgerrechtler und Baptistenprediger ist zu dieser Zeit auf dem Höhepunkt seiner Popularität: Wenige Wochen zuvor wurde per Gesetz die Rassentrennung in den USA aufgehoben; einige Wochen später wird verkündet, dass ihm der Friedensnobelpreis verliehen werden soll.

„Wir wurden an der Marienkirche jedoch abgewiesen und sollten nach Hause gehen“, erinnert sich Sabine Rackow heute. Die Menschenmenge ist unüberschaubar. Um 20 Uhr soll der Gottesdienst beginnen. Schon eine Stunde davor ist die Kirche überfüllt.

Sabine Rackow ist eine von etwa 3.000 Menschen, die an diesem Sonntagabend auf Martin Luther King warten. Als der Bürgerrechtler ankommt, umringen sie das Auto, wollen ihn berühren oder ein Autogramm ergattern. Generalsuperintendent Gerhard Schmitt (1909-2000), leitender Kirchenvertreter für Ost-Berlin und Brandenburg, und Pastor Rolf Dammann (1924-2014), Generalsekretär des Bunds Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in der DDR, begrüßen King. In der Kirche harren 1.500 Menschen aus, unter ihnen viele junge Menschen und auch Kinder, so wie der damals 12-jährige Markus Meckel, späterer letzter Außenminister der DDR und Mitglied des Bundestags. Viele Erinnerungen an den King-Besuch hat Markus Meckel nicht mehr, dafür war er zu jung. Aber die volle Kirche und die vielen Menschen sind ihm gut im Gedächtnis geblieben. Nach dem Gottesdienst reicht er King vor der Kirche die Hand.

Der Besuch im damaligen Ost-Berlin war Kings erster und einziger hinter dem Eisernen Vorhang – für Michael Markus Schulz eine Besonderheit. Er ist Mitbegründer des Martin Luther King Memorial Berlin Komitees und selbst Zeitzeuge von 1964. „King besuchte die Front zwischen Ost und West, dort, wo der Kalte Krieg direkt aufeinanderprallte“, sagt er. Weder die evangelische Kirche noch der DDR-Staat hatten King offiziell nach Ost-Berlin eingeladen. Jedoch waren die Baptisten aus den USA und Deutschland seit Jahrzehnten eng verbunden. Außerdem stand Heinrich Grüber (1891-1975), Propst der Marienkirche, seit 1963 mit King in brieflichem Kontakt. Er lud ihn nach Ost-Berlin ein, konnte jedoch selbst nicht an dem Gottesdienst teilnehmen: Seit August 1961 wurde ihm die Einreise verwehrt.###3_IMAGES###Eine Absage des Besuchs stand jedoch im Raum. Kirchenleitende Vertreter hatten Wochen zuvor diskutiert, ob der Gottesdienst stattfinden solle. Einige stimmten dagegen. Allen Warnungen zum Trotz übernahm Generalsuperintendent Gerhard Schmitt die Verantwortung für den Gottesdienst und die möglichen gesellschaftspolitischen Konsequenzen, die solch ein Besuch mit sich bringen könnte. Die Marienkirche war zu dieser Zeit ohne geistliche Leitung: Propst Heinrich Grüber durfte nicht einreisen, ein Pfarrer war 1963 geflohen, und ein anderer saß im Gefängnis, weil er Menschen zur Flucht verholfen hatte.

Predigt vor etwa 20.000 Christen

Auf offizielle Einladung von Willy Brandt (1923-1992), Regierender Bürgermeister von West-Berlin, reiste Martin Luther King im September 1964 nach West-Berlin. Das Programm umfasste mehrere offizielle Punkte: King trug sich unter anderem in das Goldene Buch der Stadt Berlin ein. Er eröffnete das erste internationale Jazzfestival Deutschlands und sprach bei der Gedenkfeier für den verstorbenen US-Präsidenten John F. Kennedy, wo auch ein schwarzer Gospelchor aus den USA sang. Zum „Tag der Kirchen“, dem traditionellen Treffen der evangelischen Gemeinden Berlins, predigte King in der Waldbühne vor etwa 20.000 Christinnen und Christen. Der „Tag der Kirchen“ stand unter dem Motto „Überall ist Kain und Abel“. Martin Luther King hielt hier die gleiche Predigt wie später in der Marienkirche und Sophienkirche. Danach überreichte ihm Otto Dibelius (1880-1967), damaliger Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, die Ehrendoktorwürde der Theologischen Hochschule Berlin.

In den Morgenstunden des 13. September kam es zu einem Zwischenfall an der Berliner Mauer. Ein 21-Jähriger wollte von Ost-Berlin in den Westen fliehen, wurde jedoch angeschossen. Ein US-Grenzsoldat riskierte sein eigenes Leben, um den Mann zu retten: Er kletterte auf die Mauer, warf ein Seil nach unten zu dem Angeschossenen und zog ihn hoch. Damit die DDR-Soldaten sich zurückziehen, warf er eine Tränengasgranate. US-Soldaten und West-Berliner Polizei gaben ihm Feuerschutz. Der Mann überlebte. Willy Brandt überreichte dem US-Soldaten später die Ehrenbürgerurkunde, und auch der US-Stadtkommandant ehrte ihn für seinen Einsatz.

„Eine göttliche Fügung“

Der Besuch im damaligen Ost-Berlin war Kings erster und einziger hinter dem Eisernen Vorhang – für Michael Markus Schulz eine Besonderheit. Er ist Mitbegründer des Martin Luther King Memorial Berlin Komitees und selbst Zeitzeuge von 1964. „King besuchte die Front zwischen Ost und West, dort, wo der Kalte Krieg direkt aufeinanderprallte“, sagt er. Weder die evangelische Kirche noch der DDR-Staat hatten King offiziell nach Ost-Berlin eingeladen. Jedoch waren die Baptisten aus den USA und Deutschland seit Jahrzehnten eng verbunden. Außerdem stand Heinrich Grüber (1891-1975), Propst der Marienkirche, seit 1963 mit King in brieflichem Kontakt. Er lud ihn nach Ost-Berlin ein, konnte jedoch selbst nicht an dem Gottesdienst teilnehmen: Seit August 1961 wurde ihm die Einreise verwehrt.

Eine Absage des Besuchs stand jedoch im Raum. Kirchenleitende Vertreter hatten Wochen zuvor diskutiert, ob der Gottesdienst stattfinden solle. Einige stimmten dagegen. Allen Warnungen zum Trotz übernahm Generalsuperintendent Gerhard Schmitt die Verantwortung für den Gottesdienst und die möglichen gesellschaftspolitischen Konsequenzen, die solch ein Besuch mit sich bringen könnte. Die Marienkirche war zu dieser Zeit ohne geistliche Leitung: Propst Heinrich Grüber durfte nicht einreisen, ein Pfarrer war 1963 geflohen, und ein anderer saß im Gefängnis, weil er Menschen zur Flucht verholfen hatte.

Viele DDR-Bürgerinnen und Bürger verehrten Martin Luther King: Er kämpfte mit friedlichen Mitteln gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit. Sie kannten ihn und die Bürgerrechtsbewegung in den USA aus westlichen Radiosendern und dem Fernsehen. Er gab ihnen Hoffnung in einer Zeit, in der sie nur wenig davon spürten. Der Bau der Mauer war drei Jahre her. Das Gefühl der Ohnmacht und Abgeschiedenheit bestimmte noch immer die Gefühlslage.

Seine Predigten in der Marienkirche und Sophienkirche sind für die Anwesenden Trost und Ermutigung. King hält sie auf Englisch, der US-amerikanische Pfarrer Ralph Zorn, der sonst für GIs in West-Berlin predigt, übersetzt. Der Bürgerrechtler überbringt Grüße von den Brüdern und Schwestern aus West-Berlin sowie den USA. „Das schaffte eine Verbundenheit zu diesen Menschen“, sagt Michael Markus Schulz. King betont die Geschwisterlichkeit aller Menschen – in Nord, Süd, Ost und West: „Hier sind auf beiden Seiten der Mauer Gotteskinder, und keine durch Menschenhand gemachte Grenze kann diese Tatsache auslöschen.“ King spricht über die Rassentrennung und den schwierigen Weg des Neuanfangs. Er erzählt von Rosa Parks und ihrem passiven Widerstand gegen die Unterdrückung der Schwarzen: Sie löste den 361 Tage währenden Busboykott in Montgomery aus, wodurch Rassendiskriminierung in den USA öffentlich wurde. Auch die Menschen in der DDR sind in einer Situation, die friedlichen Widerstand fordert, sagt King.

Zentrale Figur der Gewaltlosigkeit

Er spricht von einem gemeinsamen Glauben: „Es gibt eine gemeinsame Menschlichkeit, die uns für die Leiden untereinander empfindlich macht. In diesem Glauben können wir aus dem Berg der Verzweiflung einen Stein der Hoffnung schlagen. In diesem Glauben werden wir miteinander arbeiten, miteinander beten, miteinander kämpfen, miteinander leiden, miteinander für die Freiheit aufstehen in der Gewissheit, dass wir eines Tages frei sein werden.“ –„Mit seiner tiefen christlichen Überzeugung hat er uns Zuversicht gegeben“, sagt Markus Meckel. Martin Luther King wird für ihn eine zentrale Figur der Gewaltlosigkeit: Er stehe dafür, dass jede Bürgerin und jeder Bürger selbst aktiv werden muss, um Veränderungen auf den Weg zu bringen. Dies sei eine Orientierung für viele Menschen zu DDR-Zeiten gewesen, so Markus Meckel.

Kings Appell für Gewaltfreiheit und passiven Widerstand begleiteten Michael Markus Schulz ein Leben lang. Der gebürtige Berliner demonstrierte mit 300 jungen Menschen am Staatsfeiertag der DDR, dem 7. Oktober 1966, in der Karl-Marx-Allee gegen das Verbot von Populärmusik aus dem Westen. Für zwei Tage wurden daraufhin alle inhaftiert. 1968 fuhr er nach Prag zu den Demonstrationen. Dort sang er mit den Protestierenden „We shall overcome“, eines der prägenden Lieder der US-Bürgerbewegung rund um King. Michael Markus Schulz verweigerte als junger Mann den Militärdienst sowie den Dienst als Bausoldat. Ihm drohten zwei Jahre Zuchthaus. Er flüchtete mit seiner Ehefrau über die bulgarisch-türkische Grenze in den Westen, half später auch anderen Menschen zur Flucht. Heute lebt er in Hamburg.

„Martin Luther King war unser großes Vorbild“

Für ihn ist Martin Luther King ein Friedensstifter. „Martin Luther King war unser großes Vorbild“, erzählt er heute. Am 13. September 1964 besuchte er mit seiner Mutter den Gottesdienst in der Marienkirche. Schon zwei Wochen vorher hatte sein Pastor Rolf Dammann offiziell in der Bibelstunde der baptistischen Kirchengemeinde Bethel in Berlin-Friedrichshain, an der auch Schulz’ Mutter teilnahm, den Besuch angekündigt. Am nächsten Tag sagte er zu Michael Markus Schulz und den anderen Kindern im Religionsunterricht: „Haltet euch dieses Wochenende frei.“

2005 gründete Michael Markus Schulz gemeinsam mit Michael Schmitt, Sohn des damaligen Generalsuperintendenten Gerhard Schmitt, das Martin Luther King Memorial Berlin Komitee. Sie wollen das Erbe von Martin Luther King weitergeben und insbesondere an seinen Berlin-Besuch erinnern. Sie informieren darüber auf ihrer Homepage, bieten eine Wanderausstellung an sowie Vorträge. Denn der Besuch in Ost-Berlin und seine Bedeutung sei den wenigsten Menschen überhaupt bekannt, so Schulz. An Orten, die Martin Luther King auf seiner damaligen Berlin-Reise besuchte, initiiert das Martin Luther King Memorial Berlin Komitee Gedenktafeln – so auch an der Sophienkirche.

Aufgrund des großen Andrangs für den Gottesdienst am 13. September 1964 in der Marienkirche kündigt Generalsuperintendent Gerhard Schmitt vor dem Hauptportal der Marienkirche spontan einen zweiten Gottesdienst für 22 Uhr in der Sophienkirche an. Sabine Rackow läuft mit ihren Freunden zu Fuß zur etwa 15 Minuten entfernten Sophienkirche. „Wir waren begeistert, dass Martin Luther King auch nach Sophien kam“, erinnert sie sich heute. Gemeinsam mit mehreren jungen Menschen wartet sie in einer langen Schlange, um in die Kirche zu gelangen. Sie findet Platz auf der Empore; der untere Teil ist komplett überfüllt.

„Seine Worte waren tröstlich. Er hat uns ermuntert und ermutigt, nicht zu resignieren und aufzugeben“, sagt Sabine Rackow heute.

In der Sophienkirche schaut sie direkt auf Martin Luther King, blickt ihm ins Gesicht. Er bekräftigt sie durch seine Worte, entschlossen und mutig ihren Weg weiterzugehen: Sabine Rackow hatte gerade einen Neuanfang hinter sich. Nachdem sie zwei Jahre zuvor acht Monate im Stasi-Untersuchungsgefängnis in Berlin-Pankow und zwei Monate im Frauengefängnis in Berlin-Friedrichshain inhaftiert war, kam sie gerade aus Dresden, wo sie als Laborantin arbeitete, nach Berlin zurück. Trotz einiger Rückschläge hat sie es geschafft, ihren Berufswunsch zu verwirklichen und ihre Diplomarbeit in Chemie abzuschließen.

Mit freundlicher Genehmigung des Sonntagsblattes.

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news-2491 Wed, 11 Sep 2019 11:48:00 +0200 Klimarat auf dem Elstaler Campus Jasmin Jäger https://www.baptisten.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/klimarat-auf-dem-elstaler-campus/ Auf dem Elstaler Campus des BEFG wurde ein Klimarat ins Leben gerufen. Mit dabei sind Vertreterinnen und Vertreter aus der Bundesgeschäftsstelle, vom GJW, EBM INTERNATIONAL und der TH Elstal. Auf dem Elstaler Campus des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden wurde ein Klimarat ins Leben gerufen. Er soll „konkrete Schritte aufzeigen, wie die Verantwortung für diese Welt bereits im direkten Umfeld wahrgenommen werden kann“, so BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba.

„Für uns Christinnen und Christen ist es keine Neuigkeit, dass wir Menschen einen Auftrag haben, bewahrend und sorgsam mit der Schöpfung Gottes umzugehen“, so BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba, der zu dem Klimarat eingeladen hatte. „Ganz neu wollen wir diesen Auftrag ernst nehmen und uns Gedanken darüber machen, wie wir ihn in unserem täglichen Handeln umsetzen können“, sagte Christoph Stiba. Im Zuge der „Fridays for Future“-Demonstrationen und der befürchteten und prophezeiten Klimaveränderungen sei hierfür in unserer Gesellschaft ein breiteres Bewusstsein entstanden. Auch auf dem letzten Bundesrat wurde eine stärkere Auseinandersetzung mit diesem Thema gefordert. Der Klimarat soll nun konkrete Schritte für ökologische Maßnahmen auf dem Campus des Bildungszentrums Elstal erarbeiten. Mit dabei sind Vertreterinnen und Vertreter aus der Bundesgeschäftsstelle, vom Gemeindejugendwerk, EBM INTERNATIONAL und der Theologischen Hochschule Elstal.

Bei seiner ersten Zusammenkunft hat der Klimarat eine Bestandsaufnahme bereits etablierter Maßnahmen gemacht: vom Energiemanagement über Mobilität bis hin zum Wareneinkauf. So werden auf dem Campus zum Beispiel an vielen Stellen energiesparende LEDs verwendet oder nach und nach ersetzt, das Gemeindejugendwerk druckt auf ökologischem Papier und die Servicedienste Elstal GmbH benutzt ökologische Reinigungsmittel und hat ein Zertifikat dafür. Einige Maßnahmen, um Ressourcen ökologisch verantwortungsvoll zu nutzen, werden bereits umgesetzt, andere sind in Planung. In Zukunft sollen beispielsweise vermehrt Videokonferenzen durchgeführt werden, um Fahrtwege zu vermeiden.

Der Senat der Theologischen Hochschule Elstal hat den Beschluss gefasst, die Hochschule zu einer Fairtrade University zu entwickeln und auszeichnen zu lassen. Das ist vergleichbar mit dem Erwerb des Zertifikats „Grüner Hahn“ für Gemeinden. Im Rahmen ihres Qualitätsmanagements hat die Hochschule bereits ein Ökologiekonzept erarbeitet. Die Maßnahmen zur Nachhaltigkeit reichen von der Verwendung von Recyclingpapier bis hin zu einer fairen Kaffee- und Keksversorgung bei Campusandachten und Sitzungen. Unlängst haben die Studierenden eine Initiative zur Pflanzung von Obstbäumen auf dem Campusgelände gestartet – für die Insekten und natürlich zur eigenen Ernte.

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news-2492 Tue, 10 Sep 2019 16:49:26 +0200 Partnerschaft mit Malawi auf gesunden Füßen https://www.baptisten.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/partnerschaft-mit-malawi-auf-gesunden-fuessen/ Der BEFG hatte bis 2016 eine Partnerschaft mit dem Baptistenbund in Malawi (BACOMA). Auch danach blieben die Gemeindepartnerschaften bestehen. Der BEFG hatte bis 2016 eine Partnerschaft mit dem Baptistenbund in Malawi (BACOMA). Auch danach blieben die Gemeindepartnerschaften bestehen: Etwa 20 Vertreterinnen und Vertreter aus fünf Baptistengemeinden haben im August ihre Partnergemeinde in Malawi besucht. Mitorganisator Ulrich Wagner berichtet.

„Die Partnerschaft der Baptistengemeinde hat meine Community vorangebracht,“ so sprach „Senior Chief Mbwana“ aus dem abgelegenen 6.000 Einwohner-Ort Usisya zu einer Delegation aus der EFG Gummersbach-Windhagen, die im August für eine Woche an den Malawi-See gekommen war. Neben den Gummersbachern waren Delegationen aus Witzenhausen, Berlin-Lichterfelde und Höxter in und um Blantyre unterwegs, sowie in diesem Jahr erstmalig Vertreter der EFG Heidelberg in der Universitätsstadt Zomba.

Gemeinsame Projekte zur Stärkung der missionarischen Kraft und gegenseitige Besuche prägen die Beziehungen. „Erst waren wir Geschwister im Herrn, dann Partner und jetzt Freunde,“ stellte Pastor Vincent Chirwa beim Abschlussbankett in seiner Gemeinde in Blantyre fest. Er hatte die Reise von malawischer Seite aus organisiert.

Nach den individuellen Gemeindebesuchen stand noch eine Reise durchs Land an, mit Besuch einer Lodge am See und einer Foto-Safari durch den Kasungu-Nationalpark. Besonders begeistert zeigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vom kurzen Halt auf der Balaka-Farm. Dort hat eine Missionarin von EBM INTERNATIONAL zusammen mit Einheimischen einen ökologischen und naturheilkundlichen Landwirtschaftslehrbetrieb auf die Beine gestellt. „Malawi ist ein Land mit Hoffnungspotential und in manchem auch ein Vorbild für unsere Gemeinden“, stellte Mitorganisator und Präsidiumsmitglied Volker Bohle zum Schluss fest.

Der BEFG hatte seinerzeit im Rahmen seiner Partnerschaft mit der BACOMA (Baptist Convention of Malawi), die von 2012 bis 2016 lief, auch bilaterale Partnerschaften auf Gemeindeebene angeregt. Und diese tragen anscheinend nachhaltig durch – auch nach Ende der Bundespartnerschaft. Für Gemeinden des BEFG ist es weiterhin noch möglich, eine Partnerschaft mit einer malawischen Baptistengemeinde einzugehen.

Ein Artikel von Ulrich Wagner

Informationen zu Gemeindepartnerschaften gibt es bei Grenna Kaiya.

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news-2489 Mon, 09 Sep 2019 11:25:49 +0200 ACK feiert ökumenischen Tag der Schöpfung Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland https://www.baptisten.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/ack-feiert-oekumenischen-tag-der-schoepfung/ Am 6. September fand der ökumenische Tag der Schöpfung unter dem Motto „Salz der Erde“ auf dem Gelände der Bundesgartenschau statt. Am 6. September fand der ökumenische Tag der Schöpfung unter dem Motto „Salz der Erde“ auf dem Gelände der Bundesgartenschau statt. VEF-Rundfunkbeauftragte und Baptistenpastorin Andrea Schneider predigte.

Zum ökumenischen Tag der Schöpfung hat der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann auf der Bundesgartenschau in Heilbronn am heutigen Freitag auf die notwendigen Impulse der Kirchen für die Bewahrung der Schöpfung verwiesen: „Um die Schöpfung Gottes zu bewahren, brauchen wir die Impulse der Kirchen, wo und wie Nachhaltigkeit noch stärker unser gesellschaftliches Miteinander und unsere politischen Entscheidungen prägen kann. Wir brauchen ihre Kritik, wo wir als Einzelne, als Politiker, als Gesellschaft hinter unseren Ansprüchen zurückbleiben und in alte Muster zurückfallen. Und wir brauchen das gute Beispiel kirchlicher Einrichtungen und Projekte, in denen nachhaltiges Handeln glaubwürdig und ermutigend vorgelebt wird“, erklärte Kretschmann in seiner Eröffnungsrede.

„Heute haben wir die Chance, Augen, Ohren und alle Sinne für Gottes Schöpfung zu öffnen und so dem Geheimnis des Lebens neu auf die Spur zu kommen.“ Dies betonte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland, Erzpriester Radu Constantin Miron, am 6. September bei der Eröffnung des ökumenischen Tags der Schöpfung unter dem Motto „Salz der Erde“ auf dem Gelände der Bundesgartenschau. Er erinnerte daran, dass orthodoxe Christen bereits seit 1989 einen Schöpfungsfeiertag begehen. Seit dem Zweiten Ökumenischen Kirchentag 2010 werde dieser jedes Jahr am ersten Freitag im September von allen christlichen Kirchen in Deutschland gefeiert. Er bete dafür, dass immer mehr Menschen nicht nur die eigenen Interessen vor Augen hätten. „Wir sind alle Geschöpfe Gottes. Das dürfen wir nie vergessen“, erklärte der Vorsitzende.

Der Tag der Schöpfung biete eine ideale Gelegenheit, das Thema der Bundesgartenschau vom „Blühenden Leben“ um eine Dimension zu erweitern, erklärte der ACK-Vorsitzende für Baden-Württemberg, Prälat Traugott Schächtele. Das Motto vom „Salz der Erde“ nehme dabei nicht nur auf die Heilbronner Bodenschätze Bezug, sondern mache auch eine Aussage darüber, „was unverzichtbar ist, damit Menschen zu einem blühenden Leben finden“.

Nicht jedem Massen-Billig-Trend hinterhershoppen

„Was können wir dafür tun, dass Gottes schöne Schöpfung auch in Zukunft ein Lebensraum für alle bleibt? Das ist keine Auch-mal-so-nebenbei-Frage, sondern unausweichlich wichtig. Buchstäblich brennend in diesem Hitzesommer in Deutschland und vielen Gegenden in der Welt“, erklärte Pastorin Andrea Schneider, Rundfunkbeauftragte der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF), in ihrer Predigt beim Gottesdienst zum Tag der Schöpfung. Die Zeit dränge. Die Menschen müssten Konsequenzen für ihr Handeln ziehen. Sie benannte dafür konkrete Beispiele: „Nicht jedem Massen-Mode-Billig-Trend hinterhershoppen. Auf manche Luxus-Fliegerei verzichten. Und auf Billig-Fleisch sowieso. Dinge restaurieren, flicken, reparieren. Nachhaltige Werte schöpfen. Vielleicht gemeinschaftlich einen Garten bebauen.“ Für eine gelingende Zukunft bräuchte die Gesellschaft eine in diesem Sinne konservative Wende, „in der zunehmend mehr Menschen bescheidener, aber auch zufriedener lebten“, so die Pfarrerin.

Unter Bezugnahme auf das Motto des diesjährigen ökumenischen Tags der Schöpfung ermutigte sie die Mitfeiernden, „Salz der Erde“ zu sein. Zur Erinnerung an den gemeinsamen Tag erhielten die Gottesdienstbesucher ein Päckchen Salz mit auf dem Weg. Bereits zuvor hatten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Zeit zwischen Eröffnung und Gottesdienst auf dem BUGA-Gelände dazu eigene Inspirationen bei Informationsständen, Führungen oder Schnupperbesuchen geholt.

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news-2486 Wed, 04 Sep 2019 12:20:11 +0200 Schön und schwer mit der Leichten Sprache Dr. Michael Rohde https://www.baptisten.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/schoen-und-schwer-mit-der-leichten-sprache/ 17 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben an der „Werkstatt Leichte Sprache“ am 31. August in der EFG Hannover-Walderseestraße teilgenommen. „Ganz schön schwer mit der Leichten Sprache, aber es macht viel Freude!“ So lautete das Fazit von vielen der 17 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der „Werkstatt Leichte Sprache“, die am 31. August in der EFG Hannover-Walderseestraße stattgefunden hat. Andrea Schneider, die Referentin der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie Elstal, führte in die Grundregeln dieser Sprache ein. Leichte Sprache bemüht sich um Verständlichkeit für Erwachsene besonders mit Lern-Schwierigkeiten. Die Einladung hatten vor allen Gottesdienstmoderatoren wahrgenommen, die verständlicher werden wollen. Die Teilnehmenden kamen aus sechs verschiedenen Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden der Region Hannover, aber auch aus Hamburg und einer katholischen und lutherischen Kirche: Anhand von Johannes 3 Vers 16 zeigte die Pastorin und Germanistin Andrea Schneider wie kompliziert dieser so berühmte Vers des Neuen Testaments ist. Altbekannte oder auch schwierige Bibeltexte in Leichte Sprache zu übertragen ist eine echte Hilfe für alle Bibelleser. Besonders deutlich wurde, dass hinter den Regeln für eine verständliche Sprache die innere Grundhaltung steht, sich Mühe um den anderen zu machen, der die Worte hören oder lesen soll. In kleinen Arbeitsgruppen wurde in der Werkstatt regelrecht an Wochen- oder Monatssprüchen und später auch an ganzen Predigttexten und Gebeten gehobelt und gesägt.###3_IMAGES###Das machte Satz für Satz Mühe, denn jeder Satz sollte nur einen Gedanken enthalten. Die Ergebnisse wurden einander vorgestellt und die Teilnehmenden waren begeistert, wie unmittelbar und frisch die Bibelworte auf sie wirkten. Aus „Lobe den Herrn, meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ (Ps 103,2) wurde so: „Ich liebe Gott. Ich sage es ihm. Es kommt tief aus mir. Ich erinnere mich, was er Gutes getan hat. Daran denke ich.“ Am Ende waren die Teilnehmenden hoch motiviert auch künftig genau, kreativ und verständlich Bibeltexte zu Gehör zu bringen.

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news-2479 Tue, 27 Aug 2019 15:46:00 +0200 „I have a dream“: Martin Luther Kings legendäre Rede jährt sich zum 56. Mal Carmen Möller-Sendler (Stiftung Creative Kirche) https://www.baptisten.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/i-have-a-dream-martin-luther-kings-legendaere-rede-jaehrt-sich-zum-56-mal/ Am 28. August 1963 hielt Martin Luther King seine „I have a dream“-Rede. Das Chormusical „Ein Traum verändert die Welt“ greift die Anliegen des Baptistenpastors und Bürgerrechtlers auf. „I have a dream“: Am 28. August 1963 spricht der schwarze amerikanische Bürgerrechtler und Baptistenpastor Martin Luther King vor 250.000 Menschen in Washington. „Ich hab den Traum“ singt 56 Jahre später der schwarze Musical-Darsteller Gino Emnes zusammen mit insgesamt über 15.000 Menschen in Deutschland beim Chormusical „Martin Luther King – Ein Traum verändert die Welt“. Kings Rede trug maßgeblich dazu bei, dass Amerika die Rassentrennung abgeschafft hat: Er forderte die Gleichstellung von Weißen und Afroamerikanern und entwarf eine Zukunftsvision vom gemeinsamen, friedlichen Miteinander in den Vereinigten Staaten und in der gesamten Welt.

In diesen Tagen beginnen die Proben für die Tournee mit 20 Aufführungen in elf Städten bundesweit. Herzstück einer jeden Show ist der riesige Chor mit Sängerinnen und Sängern aus der jeweiligen Region. Er erinnert daran, dass Kings Botschaft vom gleichen Recht für alle heute so aktuell ist wie einst. Sei es im Chor oder im Publikum – vom Tourneestart am 11. Januar bis zur vorläufig letzten Aufführung Anfang April 2020 werden es über 70.000 Menschen sein, die durch das Musical mit Kings Traum in Berührung kommen und seine Ideen weitertragen werden. Hinein in eine Gesellschaft im Umbruch, die besonnene Stimmen gerade ebenso nötig hat wie kluge Visionen.###3_IMAGES###

Vom Schulkind bis zur Uroma: Alle singen mit!  

Bundesweit haben sich rund 15.000 Sängerinnen und Sänger angemeldet, die das Stück vom Leben und Wirken Kings gemeinsam mit Musical-Profis und einer Big-Band auf die Bühne bringen. Vom Schulkind bis zur Uroma und quer durch die Bevölkerungsgruppen, Berufe und Konfessionen – bei diesem Musical singen alle mit. Die jüngste Teilnehmerin ist fünf Jahre alt, die älteste weit über 90. Mit von der Partie sind insgesamt 250 Chöre, aber auch viele einzelne Sängerinnen und Sänger ohne Chorzugehörigkeit. Die 22 Stücke des Mitsing-Musicals werden in den heimischen Chören, mit Hilfe von Übungs-CDs sowie bei gemeinsamen Chorproben einstudiert. Je Region treffen sich in Kürze die Mitwirkenden zu ersten gemeinsamen Proben, später zur Haupt- und Generalprobe und schließlich zur Aufführung.
Veranstalter der Aufführungen sind die Stiftung Creative Kirche in Kooperation mit den jeweiligen Evangelischen Landeskirchen und Kirchenkreisen sowie den jeweiligen katholischen Bistümern und Dekanaten, der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland (Baptisten- und Brüdergemeinden). Projektpartner des Chormusicals ist Brot für die Welt. Im Rahmen der Aktion „Gospel für eine gerechtere Welt“ unterstützt das Chormusical Martin Luther King ein Projekt von Brot für die Welt im Norden Kenias, das den Zugang zu sauberem Trinkwasser sichert. Weiterer Aktionspartner sind die Versicherer im Raum der Kirchen und die Bank im Bistum Essen. Das Chormusical wird unterstützt durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Curacon.

Und darum geht es:

In einer Mischung aus Gospel, Rock 'n' Roll, Motown und Pop entführt die mitreißende Show ihr Publikum in die 60er-Jahre des vorigen Jahrhunderts. Schon zu Beginn fällt jener Schuss, der dem Leben des nur 39 Jahre alten Baptistenpastors ein Ende setzte. Der Titelsong „Ich hab den Traum“ spielt an auf Kings legendäre Rede beim Marsch auf Washington; ein Jahr später erhielt er in Stockholm den Friedensnobelpreis. Auch in West-Berlin war King, und wie er es schaffte, ohne Pass in den Osten einzureisen, zeigt das Musical in einer humorigen, aber historisch verbürgten Anekdote. Weiter geht es um Kings gewaltbereite Widersacher, seine Familie – und um seine Mitstreiterin Rosa Parks: Sie weigerte sich, einen für Weiße reservierten Sitzplatz zu verlassen, und löste so den Busstreik von Montgomery aus, der wiederum das Ende der Rassentrennung einläutete.###3_IMAGES###

Kings Botschaft ist auch heute noch aktuell

Die bewegenden Melodien der Komponisten Hanjo Gäbler und Christoph Terbuyken und die eindrücklichen Texte von Librettist Andreas Malessa illustrieren eine Zeit des Umbruchs und der sozialen Verwerfungen und zeigen den Bürgerrechtler King mit seinen Motivationen, Träumen und auch Fehlern. Seine Botschaft vom gewaltlosen Kampf für Menschenrechte wirkt bis heute nach. „In unserer Gesellschaft, in der Debatten oft mit enormer Härte geführt werden, kann uns der Baptistenpastor Martin Luther King ein Vorbild sein“, so Christoph Stiba, Generalsekretär des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden: „King setzte sich mit Nachdruck für die Gleichbehandlung von Menschen ein, blieb dabei aber stets seinem Prinzip der Gewaltlosigkeit treu.“

Nachfolgeprojekt des Pop-Oratoriums Luther im Reformationsjahr

Bereits im Reformationsjahr 2017 war die Wittener Stiftung mit dem vielumjubelten „Pop-Oratorium Luther“ bundesweit unterwegs. Auch hier bildete sich für jede Aufführung ein eigener Projektchor mit Sängerinnen und Sängern aus der jeweiligen Region. Beim aktuellen Projekt, dem „Chormusical Martin Luther King“, setzt Regisseur Andreas Gergen bewusst minimalistische Inszenierungsmittel ein, um – gemeinsam mit dem riesigen Chor, Musicalsolisten und Big-Band – eine Geschichte zu erzählen, die ihr Publikum berührt und gleichzeitig unterhält. 

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news-2482 Tue, 27 Aug 2019 11:00:00 +0200 Weltkonferenz von Religions for Peace in Lindau Jasmin Jäger https://www.baptisten.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/weltkonferenz-von-religions-for-peace-in-lindau/ „Für unsere gemeinsame Zukunft sorgen – das Gemeinwohl für alle fördern“. So lautete das Motto der 10. Weltkonferenz von Religions for Peace, die vom 20. bis 23. August in Lindau stattfand. „Für unsere gemeinsame Zukunft sorgen – das Gemeinwohl für alle fördern“. So lautete das Motto der 10. Weltkonferenz von Religions for Peace, die vom 20. bis 23. August in Lindau am Bodensee und damit  erstmals in Deutschland stattfand.

Religions for Peace ist die weltweit größte Allianz religiöser Gemeinschaften. Das Friedensnetzwerk besteht aus führenden Religionsvertreterinnen und -vertretern aus mehr als 100 Ländern. Sie setzen sich für Frieden, eine gerechte Gesellschaft und die Umwelt ein. Dabei respektieren sie religiöse Unterschiede und handeln auf der Grundlage gemeinsam geteilter Werte. Seit fast 50 Jahren vermittelt Religions for Peace als internationale Nichtregierungsorganisation (NGO) in Konflikten und hilft bei Katastrophen. Alle fünf Jahre findet eine Weltversammlung statt. Dieses Jahr nahmen neben 700 Vertreterinnen und Vertretern aus 17 Religionen 200 Gäste aus Politik und Gesellschaft teil.

Der Beauftragte der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) am Sitz der Bundesregierung, Baptistenpastor Peter Jörgensen, war der Deutschland-Koordinator der 10. Weltversammlung. Er hebt die Bedeutung des Treffens hervor: „Hier haben die Religionen eine gemeinsame wichtige Stimme, um nach dem Wesentlichen für das globale Gemeinwohl zu fragen. Das ist das Anliegen von Religions for Peace. Die Frage nach dem Gemeinwohl nicht ökonomisch zu klären und Wohlsein mit Wohlstand zu verwechseln, sondern glaubwürdig zum Wohle der Menschen zu agieren.“

Zum Anlass der Konferenz wurde im Lindauer Luitpoldpark eine 7,5 Meter hohe Skulptur aus verschiedensten Hölzern aus aller Welt gebaut: der Ring for Peace. Er ist das Symbol der 10. Weltversammlung und soll ein dauerhaftes Symbol des Friedens zwischen den Religionen sein. Der Ring ist wie ein Möbiusband – eine Fläche, die nur eine Kante und eine Seite hat – geformt. So kann man beim Betrachten des Rings nicht zwischen innen und außen unterscheiden.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeiner eröffnete die Konferenz: „Religions for Peace macht Ernst mit der Überzeugung, dass Religionen keinen Anlass mehr sein dürfen für Unfrieden und Krieg, sondern dass sie im Gegenteil Werkzeuge des Friedens sein können – und müssen.“ Religion dürfe niemals Rechtfertigung von Hass und Gewalt sein, so der Bundespräsident. Unter den 900 Anwesenden war auch VEF-Präsident und BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba. Er unterstützt die Friedensbemühungen: „Bundespräsident Steinmeier hat bei der Konferenz den schwedischen Theologen und Friedensnobelpreisträger Nathan Söderblom zitiert, der häufig sagte: ‚Lehre trennt, Dienst eint.‘ Unterschiede zwischen den Religionen sollten wir nicht unter den Tisch kehren. Aber ich werbe dafür, dass wir vor Ort und auch überregional stärker danach suchen, was wir in einer multireligiösen Gesellschaft nur zusammen bewirken können.“###3_IMAGES###Erstmals in der Geschichte von Religions for Peace wurde eine weibliche Generalsekretärin gewählt: Prof. Dr. Azza Karam. Sie ist Professorin für Religion und Entwicklung an der Vrije Universiteit Amsterdam und die Nachfolgerin von Dr. William F. Vendley, der das Amt seit 1994 innehatte. Frauen, ihre Rolle und ihr Potential als Friedenstifterinnen standen bei der diesjährigen Konferenz im Fokus. Darüber wurde mit Vertreterinnen aus den sogenannten MENA-Staaten (Mittlerer Osten und Nordafrika) diskutiert. Denn es sei laut Religions for Peace erwiesen, dass Frauen weltweit eine spezifische und bedeutende Rolle in friedensstiftenden Prozessen spielen, oft aber noch nicht genügend in ihrer Rolle wahrgenommen würden. Religions for Peace hat das Ziel, die Rolle der Frauen und Jugendlichen und deren Führung in Institutionen auf lokaler, regionaler und globaler Eben weiter voranzutreiben.

Auf der Versammlung wurde darüber hinaus eine Erklärung für Gerechtigkeit und Frieden verabschiedet. Sie ruft zum gemeinsamen Handeln in verschiedenen Bereichen auf: Die Religionsgemeinschaften verpflichten sich, die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen zu unterstützen und sich für das Wohlergehen von Geflüchteten und Migrantinnen und Migranten einzusetzen, indem sie Begleit- und Unterstützungsprogramme entwickeln. Außerdem werden sie auffordert, ihre Ressourcen in Übereinstimmung mit den Nachhaltigkeitszielen, den Sustainable Development Goals (SDGs), zu verwenden. Als Antwort auf den Klimawandel und die Waldbrände im Amazonasgebiet fordert Religions for Peace in Kooperation mit der Interfaith Rainforest Initiative religiöse Führungspersonen und Gemeinschaften dazu auf, „sich im Sinne von Moral, Menschenrechten und Humanität aber auch aus spirituellen und wissenschaftlichen Gründen für das Beenden der Regenwaldabholzung bzw. für eine Politik zum Schutz der Regenwälder und der Rechte indigener Völker einzusetzen“.

Bei der Konferenz stand die Gemeinschaft im Mittelpunkt: Die Teilnehmenden und die Lindauer Bevölkerung waren zu einem multireligiösen Abendessen unter freiem Himmel an einem langen Tisch auf dem Marktplatz eingeladen. Viele kamen dabei ins Gespräch und lernten sich kennen. „Religionen werden in der Öffentlichkeit häufig als Ursache für Spannungen und Konflikte wahrgenommen“, so Christoph Stiba. „Dem können und müssen wir etwas entgegensetzen. Das fängt damit an, dass man miteinander redet und sich kennenlernt. Vor Ort und auch zwischen den Institutionen. Ich nehme aus Lindau genau diesen Impuls mit. Wir brauchen mehr Miteinander und weniger Gegeneinander. Zum Wohle der Menschen und zur Ehre Gottes.“

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news-2474 Wed, 14 Aug 2019 13:22:00 +0200 Theologie studieren in Elstal DIE GEMEINDE https://www.baptisten.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/theologie-studieren-in-elstal/ Es gibt viele Orte, an denen man Theologie studieren kann. Doch die Theologische Hochschule Elstal ist etwas Besonderes. Ein Interview Prof. Dr. Ralf Dziewas. Es gibt viele Orte, an denen man Theologie studieren kann. Doch die Theologische Hochschule Elstal (THE) ist etwas Besonderes – nicht nur, weil sie die Ausbildungsstätte unseres Bundes ist. Wolfgang Günter (WG) von der Zeitschrift DIE GEMEINDE im Gespräch mit Prof. Dr. Ralf Dziewas (RD), dem Prorektor der THE, der dort Diakoniewissenwissenschaft und Sozialtheologie unterrichtet.

WG: Theologie zu studieren – das heißt, die biblischen Sprachen zu lernen, sich mit der Auslegung des Alten und Neuen Testaments zu befassen und sich auf die Gemeindearbeit vorzubereiten. Warum gerade in Elstal?

RD: Die biblischen Texte sind die Basis unseres Glaubens und deshalb sollten angehende Pastorinnen und Pastoren sie gut kennen und die Sprachen gelernt haben, in denen die Bibel geschrieben wurde. Aber Theologie zu studieren bedeutet an unserer Hochschule in Elstal nicht nur, Wissen zur Bibel zu erwerben. Wer bei uns Theologie studiert, wird von uns auch dabei unterstützt, den eigenen Glauben zu vertiefen und an der eigenen Persönlichkeit zu arbeiten. Außerdem sind wir die einzige theologische Ausbildungsstätte in Deutschland, an der man akkreditierte Abschlüsse in Evangelischer Theologie und Freikirchlicher Diakonie erwerben kann, die direkt für einen pastoralen oder diakonischen Dienst in unserem Gemeindebund qualifizieren.

WG: Bieten sich dann gute berufliche Perspektiven?

RD: Da in unserem Gemeindebund in den nächsten Jahren sehr viele Stellen in den Gemeinden frei werden, werden auch die Vermittlungschancen in einen Gemeindedienst im BEFG auf absehbare Zeit sehr gut sein.

WG: Wie sieht das Verhältnis von Theorie und Praxis in der Lehre aus und kommt dabei auch ein spezifisch baptistischer Aspekt zum Vorschein?

RD: Wenn man sich auf einen konkreten Beruf vorbereitet, muss man viele Dinge zunächst erst einmal in der Theorie lernen und verstehen, um in der Praxis hilfreich sein zu können. Wer andere operieren will, sollte vor dem Griff zum Skalpell die Funktionsweise der Organe in der Theorie verstanden haben. Und im pastoralen und diakonischen Dienst muss man über breite biblische und theologische Kenntnisse sowie über soziale und psychologische Kompetenzen verfügen, bevor man Menschen in schwierigen Lebenssituationen seelsorgerlich begleiten und Gemeinden gründen, leiten oder weiter entwickeln kann. In Elstal aber lehren wir keine reine Theorie, sondern unterrichten immer mit dem Blick auf die zukünftige Berufspraxis und wählen unsere Beispiele, Übungen und Aufgabenstellungen eben aus dem Kontext der baptistischen Gemeinden und Diakoniewerke, für die wir ausbilden.

WG: Was muss ich an Voraussetzungen mitbringen und woran erkenne ich, ob das Studium etwas für mich ist? Braucht man dafür eine besondere „Berufung“?

RD: Wer Freude daran hat, in der Gemeinde ehrenamtlich mitzuarbeiten, und dabei gute Erfahrung macht, oder wer für sein Engagement positive Bestätigung erhält, sollte sich einmal die Frage stellen: Steckt in diesen positiven Erfahrungen für mich vielleicht die Anfrage Gottes, mich auf einen hauptamtlichen Gemeindedienst vorzubereiten? Und dann gilt es, die Antwort auf diese Frage im Gebet und in Gesprächen mit Menschen zu suchen, die den pastoralen oder diakonischen Dienst aus eigener Erfahrung kennen. Und wer sich für ein Studium interessiert, wird bei uns zu allen notwendigen Zulassungsvoraussetzungen und den individuellen Studienmöglichkeiten beraten.

WG: Vielen Dank für das Gespräch!

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news-2472 Thu, 08 Aug 2019 08:41:49 +0200 Neu nachdenken über die Geschichte der Frau in Kirche und Bibel Prof. Dr. Andrea Klimt https://www.baptisten.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/neu-nachdenken-ueber-die-geschichte-der-frau-in-kirche-und-bibel/ Vom 5. bis 7. Juli fand die 9. Internationale Baptistische Konferenz für Theologische Ausbildung in Nassau auf den Bahamas statt. Vom 5. bis 7. Juli fand in Nassau auf den Bahamas die 9. Internationale Baptistische Konferenz für Theologische Ausbildung (Baptist International Conference on Theological Education – BICTE) als Vorkonferenz zum jährlichen Delegiertentreffen des Baptistischen Weltbunds, der Baptist World Alliance (BWA) statt. Mit 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus 33 Ländern war es die bisher größte Konferenz, zu der die BWA-Kommission für Theologische Ausbildung alle fünf Jahre einlädt. Dies war unter anderem dem Thema „TogetHER: Re-Imagining, Re-Reading HERstory in the Church“ (Gemeinsam: IHRE Geschichte in der Gemeinde neu erinnern und neu lesen) zu verdanken. Im Zentrum der Überlegungen und Vorträge stand der (pastorale) Dienst von Frauen.

Molly Marshall (USA), Präsidentin des Central Baptist Theological Seminary, beleuchtete die besondere Leistung von Frauen im pastoralen Dienst. Ihre einzigartigen Begabungen würden einen wichtigen Beitrag zur positiven Veränderung von christlicher Identität und Praxis bilden. Marshall stellte besondere (Geistes-)Gaben von Frauen heraus, auf die die Kirche nicht verzichten sollte, zum Beispiel, dass Frauen, gerade dadurch, dass ihre Rolle oft hinterfragt wird, ihren Dienst nicht selbstverständlich nähmen, sondern als ein Privileg sähen. Außerdem würden Frauen Bibeltexte aus ihrer Perspektive anders sehen, worin eine notwendige Ergänzung zur herkömmlichen patriarchalen Sichtweise bestehe. Frauen im pastoralen Dienst vermittelten außerdem ein anderes Gottesbild. Allein durch ihre Präsenz und ihre Art zu predigen, würde Gott nicht mehr so einseitig männlich wahrgenommen werden können. Die Person der Predigerin könne nicht ein zu eins auf Gott projiziert werden. Frauen befassten sich darüber hinaus mit den Anforderungen des Lebens auf eine realistische Weise. Marshall bezog sich hier auf eine Studie, in der verschiedene Arten spezifisch weiblichen Wissens nachgewiesen wurden. Frauen verstünden unter anderem, dass Wissen durch die perspektivische Voreingenommenheit und den sozialen Ort geprägt sei. Entscheidende Bedeutung hätten dabei Empathie und das Wahrnehmen von Nuancen. Frauen hätten gelernt, scheinbare Unmöglichkeiten zu bewältigen und sähen die Komplexität gebrechlichen menschlichen Lebens. Diese Qualitäten könnten, so Marshall, gerade Frauen in Leitungsgremien einbringen. So würden sie zu einem Werkzeug der Gnade Gottes. „Marshall schlussfolgerte, dass die Gemeinde diese Gaben der Frauen im pastoralen Dienst wie nie zuvor brauche, wenn sie sich als zuverlässige Haushalterin (der Gaben Gottes) erweisen wolle.“

Textinterpretation bei Bibelübersetzungen

Im Zentrum baptistischen Interesses steht die Bibel, denn auf ihrem Zeugnis beruht der christliche Glaube. Valérie Duval-Poujol (Frankreich) zeigte in ihrem spannenden und fundiert recherchierten Vortrag auf, welchen Einfluss Bibelübersetzungen auf das Engagement von Frauen in Gemeinde und Gesellschaft haben. Sie wies sehr präzise nach, dass viele Bibelübersetzer dort, wo sie die Wahl haben, Entscheidungen in einer geschlechtsbezogenen Perspektive treffen. In der Übersetzung neutestamentlicher Texte wird zum Beispiel das griechische Wort für Mensch (anthropos) häufig mit „Mann“ wiedergegeben. Auch in Bezug auf den „Peritext“ – wie ein Text in Verse und Abschnitte gegliedert wird, wie interpunktiert wird oder welche Überschriften gesetzt werden – sind Entscheidungen der Übersetzer oft gegen die Stärkung der Rolle von Frauen in Kirche und Gesellschaft ausgefallen. Gerade anhand der verschiedenen Übersetzungen wird deutlich, dass wir hier Gottes Wort in einer menschlichen Übersetzung, das heißt verbunden mit den Entscheidungen und Interpretationen der Übersetzerinnen und Übersetzer haben, die ihrerseits durch ihre (eventuell patriarchale) Kultur geprägt sind. Duval-Poujol wies darauf hin, dass wir als Theologinnen und Theologen besonders gefordert sind, genau in den Text zu schauen, um die eigentliche Intention zu erfassen.

Pastoraler Dienst von Frauen im Baptismus

Welchen Platz haben Frauen in einer baptistischen Theologie des Dienstes? Dieser Frage ging Paul Fiddes (Regents Park College – England) nach. Er stellte insbesondere heraus, dass Baptisten, wenn sie sich an Grundentscheidungen in ihrer eigenen Theologie erinnerten, den pastoralen Dienst von Frauen unterstützen müssten. Wesentlich für einen Dienst in der Gemeinde sind aus baptistischer Sicht die Berufung durch Christus und die Bestätigung durch die Gemeinde. Wo beides vorliegt stellt sich dann nicht die Frage des Geschlechts. Dies war in England ab 1922 in mehreren Situationen der Fall. Frauen, die sich von Christus zum pastoralen Dienst berufen fühlten, wurden durch die Gemeinde bestätigt. Die Baptist Union of Great Britain and Ireland schuf dann folgerichtig im Jahr 1926 die formalen Rahmenbedingungen dafür. Auch schon vorher (im 17. Jahrhundert) gab es in englischen Baptistengemeinden begabte, und von Christus zum pastoralen Dienst berufene Frauen, nur hat die Gemeinde damals (beschämenderweise aus der Sicht des Referenten) diese Berufungen nicht bestätig und die Frauen wurden nicht zu Pastorinnen ordiniert. Neben Berufung, Bestätigung durch die Gemeinde und Begabung sind innerhalb der baptistischen Perspektive ein weiterer Grund für die Ordination von Frauen die Menschenrechte. Positionen wie „gleich aber anders“ oder „Komplementarität“, die Frauen zwar die generelle Gleichheit vor Gott zugestehen, aber gegen die Ordination von Frauen argumentieren, müssten gründlich hinterfragt werden. Dass Christus das Haupt der Gemeinde sei, sei ein wesentlicher Aspekt des baptistischen Gemeindeverständnisses. Von daher ist die Argumentation, dass der Mann das Haupt der Frau sei und daher auch der Gemeinde vorstehen muss, unbegründet. Es gibt nur ein Haupt der Gemeinde und das ist Christus. Das kann nicht durch menschliche Leitung ersetzt werden. Ferner ist aus baptistischer Sicht eine Beteiligung von Frauen bei der Austeilung des Abendmahls unbedingt erforderlich, entgegen anderen theologischen Positionen, die aufgrund eines sakramentalen Verständnisses für die Austeilung einen Priester fordern. Nur Frauen und Männer gemeinsam könnten den ganzen „Leib Christi“ so verkörpern, wie er auch im Abendmahl symbolisiert wird, so Fiddes. In frühen Baptistengemeinden war es darüber hinaus eher üblich, eine Gemeinde kollegial im Team zu leiten zum Beispiel in einer Gruppe von Ältesten, von denen einer den Vorsitz hatte. Heute findet man dies in größeren Gemeinden, die von einem Pastorenteam geleitet werden. Schon der Generalsekretär der Britischen Baptisten forderte 1918 einen „neuen Platz von Frauen in der sozialen Ordnung“ und hoffte, „dass sie nicht länger vom höchsten Dienst in der Gemeinde ausgeschlossen würden“. Auch aus der Sicht des Referenten gäbe es gerade jetzt keine Entschuldigung mehr, Frauen von bestimmten Diensten in einer Gemeinde auszuschließen. Fiddes beendete seinen Vortrag mit dem Fazit, dass aus baptistischer Sicht klar sei, dass alle Arten ordinierten Dienstes ihren Platz in der Berufung durch Christus und der Bestätigung durch seine Jünger hätten, und nirgendwo sonst.

Die Geschichte von Akiko Matsumara, die in der 70er Jahren auch Vizepräsidentin der BWA-Frauenarbeit war und als Pionierin für den pastoralen Dienst von Frauen gelten kann, wurde von Eiko Kanamaru (Japan) als Beispiel für weibliche baptistische Spiritualität in Japan erzählt.

Zwei weitere Vorträge von André Bokundoa-Bo-Likabe, Präsident der Church of Christ in Congo, über das Versöhnungswerk Jesu Christi und unseren verantwortlichen Umgang damit – wir sollen herauszufinden, was für alle gut ist, ohne Diskriminierung – und von Regina Sudheer-Alexander über ihre Berufung, ihr Leben und ihre Arbeit mit Angehörigen der „Unberührbaren“ in Indien rundeten das inhaltliche Programm ab.

Theologisch fundiertes Panoptikum konkreter Themen

Auf alle Vorträge gab es jeweils anschließend Antworten aus drei verschiedenen Perspektiven. Theologische Lehrerinnen und Lehrer verschiedener baptistischer Hochschulen und Seminare hatten sich im Vorfeld eingehend mit den wesentlichen Punkten der Vorträge befasst und antworteten darauf aus ihrer Sicht. So ergab sich ein vielfältiges, theologisch fundiertes Panoptikum konkreter Themen, das über den Materialdienst der BWA allen Interessierten zu Kenntnisnahme und den Bünden zur Diskussion zur Verfügung steht. Es bleibt zu hoffen, dass die einzelnen Gemeinden und Unionen, die im Hinblick auf den Dienst der Frau als Pastorin Diskussionsbedarf haben, diese Materialen zur Kenntnis nehmen und sie diskutieren.

Abschlusspodium: „Frauen im pastoralen Dienst ermutigen“

„Frauen im pastoralen Dienst zu ermutigen“ war das Motto des Abschlusspodiums. Hier beantworteten theologische Lehrerinnen und Lehrer aus vielen verschiedenen Ländern diverse Fragen der Teilnehmenden, wie zum Beispiel: „Wie habt ihr Diskriminierung von Frauen erlebt? Und wie kann sie überwunden werden?“ „Wie überlebt man den Schmerz der mangelnden Anerkennung durch die Gemeinden oder auch Attacken und Ungerechtigkeiten von Kollegen im Dienst?“ Zum Abschluss des Plenums stellte der amtierende Präsident der BWA, Paul Msiza, die Position der Baptist Convention of South Africa deutlich heraus: Nach dem Ende der Apartheid war den Verantwortlichen bezüglich der Entscheidung im Hinblick auf den pastoralen Dienst klar, dass sie hier keine Unterscheidung zwischen Männern und Frauen machen wollten. Nachdem sie jahrzehntelang durch die weiße südafrikanische Bevölkerung unterdrückt wurden, sahen sie in einer Ungleichbehandlung von Frauen und Männern eine andere Form von Apartheid. So entschied die Baptist Convention of South Africa den Dienst der Frau als Pastorin einzuführen.  

Resolution verabschiedet

Aus der Tagung erwachsen ist eine „Resolution zur Anerkennung und Bestätigung der Berufung von Frauen in der Gemeinde“ die auf der nachfolgenden Ratstagung der Baptist World Alliance mit nur zwei Gegenstimmen angenommen wurde. Die letzte BWA-Resolution, in der der Dienst von Frauen in der Gemeinde bekräftigt wurde, wurde 1988 ebenfalls in Nassau verabschiedet. In der jetzigen Resolution wird dazu aufgerufen, „die vielfältigen Gaben und das Feingefühl zu würdigen, die Frauen in den Dienst Jesu Christi und in das Werk der baptistischen Familie auf der ganzen Welt einbringen“ und „den Mitgliedsunionen zu empfehlen, die Befähigung von Frauen und das Einbringen ihrer Gaben biblisch fundiert und gewissenhaft zu fördern.“ Baptisten und Baptistinnen werden dazu aufgerufen, „für die Lehren und Praktiken Buße zu tun“, die „verhindert haben, dass Frauen, als Menschen geschaffen nach dem Bilde Gottes und als vollgültige Glieder des Leibes Christi, aufblühen.“ Die Gemeinden sollen für die Kraft des Heiligen Geistes, die Veränderung bewirken will, offen sein, damit sie „die von Gott gegebene Berufung von Frauen zum Dienst in der Kirche“ bekräftigen können. BWA-Mitglieder sollten auch „eine Sprache verwenden, die in Gottesdienst, Kommunikation und Veröffentlichungen, einschließlich Bibelübersetzungen, sowohl Frauen als auch Männer bejaht“ und „gezielt darauf hinarbeiten, dass Frauen in allen Führungspositionen den gleichen Raum erhalten, sowohl in den Gemeinden, wie auch in baptistischen Bünden und Unionen und in der Baptist World Alliance.“

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news-2470 Thu, 01 Aug 2019 13:54:00 +0200 Tomás Mackey: Designierter BWA-Präsident Prof. Dr. Andrea Klimt https://www.baptisten.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/tomas-mackey-designierter-bwa-praesident/ Vom 8. bis 12. Juli 2019 fand in Nassau, Bahamas, die jährliche Tagung des Baptistischen Weltbunds statt. Vom 8. bis 12. Juli 2019 fand in Nassau, Bahamas, die jährliche Tagung des Baptistischen Weltbunds (Baptist World Alliance/BWA) statt. Die Delegierten der 239 Mitgliedsbünde befassten sich in den fünf Tagen mit relevanten kirchlichen und gesellschaftlichen Themen wie Menschenrechte, Religionsfreiheit und Gleichstellung. Inspirierende Predigten, lebendiger Austausch und gute Begegnungen prägten die Tagung.

Tomás Mackey aus Argentinien wurde als designierter Präsident der BWA vorgestellt. „Seine Liebe zu Gott und den Menschen und seine mehr als 30 Jahre lange Erfahrung im Dienst der Baptisten auf lokaler, nationaler, regionaler und internationaler Ebene zeichnen ihn in besonderer Weise für diese wichtige Rolle im Leben der weltweiten baptistischen Familie aus”, heißt es von Seiten des Baptistischen Weltbunds. Mackey war unter anderem von 1993 bis 2004 Dekan am Internationalen Baptistischen Theologischen Seminar in Buenos Aires und ist derzeit Pastor einer Baptistengemeinde in Buenos Aires (Iglesia Evangélica Bautista del Once). Er ist der Nachfolger von Paul Msiza aus Südafrika, der bei der Ratstagung im Juli kommenden Jahres verabschiedet wird.

Ein Highlight beim Eröffnungsabend, der „Bahamian Cultural Night“, war die Beteiligung der Polizeikapelle Nassaus und der Auftritt der Junkanoo All-stars, einer schrillen, bunten Sambagruppe. Die Teilnehmenden wurden mit mitreißenden Rhythmen in die bahamaische Kultur hineingenommen. Zu dieser Kultur gehört auch die enge Verbindung von Kirche und Staat. Dies wurde einerseits durch die Beteiligung der staatlichen Vertreterin Lanisha Rolle, Ministerin für Jugend, Sport und Kultur, am Eröffnungsabend und andererseits durch die gemeinsame Feier der Unabhängigkeit Bahamas am nächsten Abend deutlich. Die Delegierten waren am zweiten Abend des Treffens eingeladen, an einem ökumenischen Festakt zur Feier des 46. Jahrestages der Unabhängigkeit, unter dem Motto „United we stand Bahamas … together we can”, teilzunehmen. Faszinierend war die dramaturgische Darstellung der Geschichte der Unabhängigkeit Bahamas und der Stolz, der für die Bahamaerinnen und Bahamaer daraus resultiert. Der Abnahme einer militärischen Parade und der Segnung der bahamischen Flagge – für die europäischen Teilnehmenden eher befremdend – folgte dann zum Ende des Abends ein großes Feuerwerk. Baptisten stellen auf den Bahamas mit 37,5 % die größte christliche Denomination dar.

Ein wesentlicher Teil der Arbeit während des jährlichen BWA-Treffens findet in Kommissionen statt. Hier werden aktuelle theologische Positionen ausgetauscht, zum Beispiel zu baptistischer Spiritualität, theologischer Ausbildung, baptistischer Identität, baptistischer Lehre, christlicher Ethik, Mission, Evangelisation, Religionsfreiheit, sozialer und ökonomischer Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung, Bewahrung der Schöpfung, Menschenrechten und anderen relevante Themen. Zur Arbeit der Kommissionen tragen unter anderem Theologinnen und Theologen oder andere Expertinnen und Experten mit eigens zu diesem Anlass vorbereiteten Beiträgen zu vorher festgelegten Fragestellungen bei. Pastor Thomas Klammt, Referent des BEFG für Integration und Fortbildung und Mitglied des Vorstands der BWA, berichtete über „Gemeinde als Zufluchtsort“ aus der Flüchtlingshilfe und den Erfahrungen mit Kirchenasyl. Neben der Gelegenheit zum Austausch wird auch danach gefragt, wo Handlungsbedarf ist und was die BWA tun kann.

Aus der Arbeit der Kommissionen werden dann bei Bedarf Resolutionen erstellt. In diesem Jahr gab es zwei Resolutionen. Zum einen wurde eine „Resolution zur Anerkennung und Bestätigung der Berufung von Frauen in der Gemeinde“ mit nur zwei Gegenstimmen angenommen. Die letzte BWA-Resolution, in der der Dienst von Frauen in der Gemeinde bekräftigt wurde, wurde 1988 ebenfalls in Nassau verabschiedet. In der jetzigen Resolution wird dazu aufgerufen, „die vielfältigen Gaben und das Feingefühl zu würdigen, dieFrauen in den Dienst Jesu Christi und in das Werk der baptistischen Familie auf der ganzen Welt einbringen“ und „den Mitgliedsunionen zu empfehlen, die Befähigung von Frauen und das Einbringen ihrer Gaben biblisch fundiert und gewissenhaft zu fördern.“ Baptisten und Baptistinnen werden dazu aufgerufen, „für die Lehren und Praktiken Buße zu tun“, die „verhindert haben, dass Frauen, als Menschen geschaffen nach dem Bilde Gottes und als vollgültige Glieder des Leibes Christi, aufblühen.“ Die Gemeinden sollen für die Kraft des Heiligen Geistes, die Veränderung bewirken will, offen sein, damit sie „die von Gott gegebene Berufung von Frauen zum Dienst in der Kirche“ bekräftigen können. BWA-Mitglieder sollten auch „eine Sprache verwenden, die in Gottesdienst, Kommunikation und Veröffentlichungen, einschließlich Bibelübersetzungen, sowohl Frauen als auch Männer bejaht“ und „gezielt darauf hinarbeiten, dass Frauen in allen Führungspositionen den gleichen Raum erhalten, sowohl in den Gemeinden, wie auch in baptistischen Bünden und Unionen und in der Baptist World Alliance.“
 
Eine zweite Resolution gab es „zu aktuellen Erscheinungsformen religiöser Intoleranz und religiös motivierter Gewalt“. „Tiefe Besorgnis über die jüngsten Fälle religiöser Intoleranz und religiös motivierter Gewalt“ wurde geäußert und Beispiele für Angriffe auf Synagogen, Moscheen und Kirchen im vergangenen Jahr aufgezeigt. In der Resolution wird das Anwachsen von Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und Christenverfolgung kritisiert – unter Berufung auf einen kürzlich vom britischen Außen- und Commonwealth-Ministerium in Auftrag gegebenen Bericht, in dem festgestellt wurde, dass etwa 245 Millionen Christen durch starke Verfolgung gefährdet sind. Die Resolution erinnerte ferner daran, dass 2019 der 85. Jahrestag einer historischen Resolution war, die 1934 auf dem fünften baptistischen Weltkongress in Berlin verabschiedet wurde. Vor dem Hintergrund des aufkommenden Faschismus und der Begegnung in einem mit riesigen Hakenkreuzen geschmückten Saal stimmten die Baptisten mutig gegen „Antisemitismus und alle anderen Formen religiöser und rassistischer Vorurteile“. Es wurde bei dieser Gelegenheit auch daran erinnert, dass Thomas Helwys 1612 appellierte, Juden, Christen und Muslimen zu erlauben, Gott in Freiheit zu verehren und miteinander in Frieden zusammenzuleben. „Wir stehen allen Menschen, die unter Gewalt, Verletzung und Schaden leiden, unabhängig von Religion, Rasse, Geschlecht, Kultur oder ethnischer Zugehörigkeit, solidarisch und mitfühlend gegenüber“, heißt es in der Resolution; und wir fordern Baptistinnen und Baptisten auf, in Frieden mit allen zu leben und so „zu bekräftigen, dass Hass und Gewalt Respekt, Liebe und Glauben nicht besiegen können.“ Solche Handlungen, so die Schlussfolgerung, dienen „als prophetische Antwort auf Gottes Liebe gegen alle Äußerungen von Terrorismus, Gewalt und religiöser Intoleranz.“###3_IMAGES###Während der Tagung wurde sehr wertschätzend an Dr. Denton Lotz, den im April dieses Jahres verstorbenen ehemaligen Generalsekretär der BWA, erinnert. Viele kurze Statements von Menschen, die ihm besonders verbunden waren, machten deutlich, wie engagiert, kompetent und warmherzig Denton Lotz seinen Dienst ausgeübt hat. Eine bleibende Erinnerung an ihn ist auch der Denton and Janice Lotz Human Rights Award, der in diesem Jahr von Janice Lotz an Pastor Dr. Burchel Taylor, für den langjährigen persönlichen Einsatz und auch den Einsatz seiner Gemeinde für den Erhalt von Menschenrechten in Jamaika, ging.

Die Kongressleitung hatte einige Baptisten aus Venezuela eingeladen, um von der sich zuspitzenden Notlage im Land zu berichteten und um sie der Solidarität der weltweiten Baptistengemeinschaft zu versichern. Viele Menschen verlassen das Land, um Arbeit zu suchen und so ihre Familien zu unterstützen. Den Kongressteilnehmenden wurden venezolanische Geldscheine ausgeteilt. Sie symbolisieren die Wertlosigkeit der venezolanischen Währung und sollen den Teilnehmenden als Gebetserinnerung dienen.

Der Generalsekretär der BWA, Dr. Elijah Brown, berichtete über sein erstes Dienstjahr, indem er die fünf zentralen Aufgabenbereiche beleuchtete: Gemeinschaft und Einheit stärken, Mission und Evangelisation leben, Not- und Entwicklungshilfe leisten, Menschenrechte und Religionsfreiheit verteidigen, theologisches Nachdenken und transformative Leitung fördern. Erstmals präsentierte er die „Baptist World Trends“: Insbesondere in Afrika erleben die Baptistengemeinden außergewöhnliches Wachstum; zugleich leiden sie stark unter den wirtschaftlichen Bedingungen, niedrigen Einkommen und Nahrungsmittelknappheit. Über ein Drittel aller Baptisten weltweit leben in Ländern, in denen Verstöße gegen die Menschenrechte und religiös motivierte Gewalt verbreitet sind.

Als 240. Mitgliedsbund der BWA wurde die „Zomi Baptist Convention“ aus Myanmar aufgenommen, die 28.000 Mitglieder in 190 Gemeinden hat.

2020 findet der Weltkongress der BWA in Rio de Janeiro, Brasilien, statt. Alle fünf Jahre treffen sich neben den Delegierten auch weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den einzelnen Bünden, die Arbeit der Kommissionen pausiert und es gibt ein inspirierendes Programm, ermutigende Gottesdienste und aufbauende Gemeinschaft für mehrere tausend Besucherinnen und Besucher aus aller Welt.

Weitere Impressionen von der Ratstagung in Nassau finden sich auf YouTube oder auf der Facebookseite der BWA.

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news-2468 Mon, 29 Jul 2019 10:34:21 +0200 Highway to Heaven Klaus Rösler https://www.baptisten.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/highway-to-heaven/ Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Trossingen veranstaltete ihren fünften Motorradgottesdienst. Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Trossingen veranstaltete ihren fünften Gottesdienst für Motoradfahrerinnen und -fahrer.

Zu einem Leben mit Jesus Christus wurde im Motorradgottesdienst der EFG Trossingen, bei Villingen-Schwenningen, eingeladen. Zu dem Gottesdienst unter dem Motto „Highway to Heaven“ – in Anspielung auf den bekannten Rocksong „Highway to Hell“ – kamen 80 Besucherinnen und Besucher, darunter 30 Motorradfreunde mit ihren Fahrzeugen. Damit es genügend Platz gab, waren an dem Tag die Straßen rund um das Gemeindezentrum gesperrt worden. Der hauptberufliche Vorstand des Christlichen Schul- und Erziehungsvereins in Freiburg, Alexander Pollhans, sprach über die Aussage von Jesus Christus: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“. Der bekennende Motorradfan wies darauf hin, dass Jesus Christus der einzige Weg zu Gott sei. Sein Schulverein ist Träger der Freien Christlichen Schule und der Kindertagesstätte Bunte Burg in Freiburg. Für die Musik im Gottesdienst sorgte die Esslinger Gruppe „Die Väter“. Im Anschluss gab es Pizza, die von einer örtlichen Pizzeria in ihrem Pizzawagen vor Ort zubereitet wurde. Der Motorradgottesdienst fand zum fünften Mal statt. Nach einem Bericht der Gemeinde waren sich die Besucher einig: „Das war ein toller Motorradgottesdienst, der auch im kommenden Jahr angeboten werden sollte.“ Wie der frühere Gemeindeleiter Helmut Schön sagte, gibt es in der Gemeinde keine Motorradgruppe, aber drei Motorradfahrer. Weil sie gerne Motorradgottesdienste besuchten, sei die Idee aufgekommen, in der Gemeinde so einen Gottesdienst anzubieten. Seit fünf Jahren stoße nun dieser Gottesdienst auf große Resonanz: „Die Biker kommen aus ganz Baden-Württemberg und Bayern.“ Die Gemeinde hat rund 80 Mitglieder.

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news-2460 Tue, 23 Jul 2019 11:53:04 +0200 Workshop Moderation in St. Michaelisdonn Brigitte Fiedler (EFG St. Michaelisdonn) https://www.baptisten.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/workshop-moderation-in-st-michaelisdonn/ Akademie vor Ort mit Andrea und Friedrich Schneider. 27 Teilnehmende aus Neumünster, Schleswig, Kiel, Kappeln, Heide und St. Michaelisdonn waren angereist, um neue Ideen zur Gestaltung interessanter Gottesdienste sammeln zu können. Immerhin ist Gottesdienst die Begegnung mit unserem Herrn und den Menschen, die in unsere Gemeinde nach St. Michaelisdonn kommen. Das sind nicht nur Mitglieder, sondern auch Gemeindefremde bzw. Freunde und oft auch Urlauber.

Welche Aufgabe hat hier die Moderation und welche hat sie nicht?
Andrea und Friedrich Schneider vermittelten uns Programmpunkte für ein mögliches Gottesdienstmodell. Grund-Sätze waren z.B. „authentisch sein“, „wirkungsvoll agieren“, die „Funktion mit Würde erfüllen“ und „lebendig Glauben bekennen“!

Wir bekamen Denkanstöße, wie die Moderation Kontakt zu den Besucherinnen und Besuchern aufnehmen kann, um miteinander „Gottes-Dienst“ zu erleben und zu feiern. Wir übten „Textlesungen“, sahen uns an, wie ein Musik- und Anbetungsteil gestaltet werden kann und wie auch die Gemeinde ihre Antwort an Gott richten, also aktiv teilnehmen kann. „Anteil-nehmen und -geben“ war ein wichtiger Punkt und natürlich die drei „Ws“: Was, Wann, Warum?

Der Tag war prall gefüllt von Informationen und dem gegenseitigen Austausch, von praktischen Übungen und damit verbundener konstruktiver und somit wertvoller Kritik.
Unser aller Dank gilt Andrea und Friedrich Schneider. Ihre professionelle und motivierende Art lässt sicher noch manches nachklingen in unseren Köpfen und wird ganz bestimmt demnächst praktische Anwendung finden.

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news-2458 Mon, 22 Jul 2019 11:02:42 +0200 Projektpartner, die gut tun! Joachim Gnep https://www.baptisten.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/projektpartner-die-gut-tun/ Joachim Gnep, der Leiter des Dienstbereichs Mission im BEFG, und seine Frau haben in der Türkei und in Jordanien Projekte besucht, die German Baptist Aid unterstützt. Joachim Gnep, der Leiter des Dienstbereichs Mission im BEFG, und seine Frau haben in der Türkei und in Jordanien Projekte besucht, die German Baptist Aid unterstützt. Die Begegnungen, zum Beispiel im „Zarqa Life Center“, haben ihn tief beeindruckt.

„Die Christen sind gute Menschen! Sie tun das, was eigentlich wir Moslems tun sollten.“ Der Stadtteilbürgermeister sitzt neben mir und schlägt mir beim Reden immer wieder mit der Hand auf Oberschenkel und Knie – vor Begeisterung, wie er sagt, dass wir extra aus Deutschland angereist sind und muslimischen Flüchtlingen helfen. Wir sind gerade erst in Adana gelandet und befinden uns schon eine knappe Stunde später mit Pastor Şükrü und unserer Delegation im Stadtteilbüro des Bürgermeisters, nebst einem ehemaligen Bürgermeister aus einem anderen Stadtteil und einigen Angestellten.

Diese Szene gleich zu Beginn steht sinnbildlich für die Art, wie die noch sehr jungen und kleinen Gemeinden in der Türkei arbeiten: Sie sind großartig vernetzt und tun ihre sozialdiakonische Arbeit in enger Kooperation mit den kommunalen Behörden und wichtigen Personen des öffentlichen Lebens. Sie verstecken sich nicht, obwohl es allen Grund dazu gäbe: Die Veranstaltungen der Gemeinden finden in Adana, Samsun und Izmir unter Polizeischutz statt. Den Pastoren stehen Leibwächter zur Verfügung. In einem Land mit mehr als 99 Prozent Muslimen kommt es immer wieder zu Drohungen und Anfeindungen.

Im Stadtteil, in dem sich die kleine Gemeinde in Adana mit Unterstützung von German Baptist Aid (GBA) engagiert, leben circa 20.000 geflohene Menschen bei ursprünglich 30.000 Bewohnern. Die Not ist groß. Obwohl in den letzten Jahren viele Häuser aufgestockt und erweitert wurden, gibt es immer noch Flüchtlingscamps. Zu einem dieser Camps im Süden von Adana fahren wir auf besonderen Wunsch des Bürgermeisters, um auch dort mit Lebensmittelpaketen zu helfen. Schnell ist der LKW von Menschen umsäumt, besonders von Frauen und Kindern. Die 100 Pakete werden nicht wahllos verteilt, sondern bedarfsorientiert gegen einige Tage zuvor zugeteilte Berechtigungsscheine.###3_IMAGES###Einige Tage später in Izmir erleben wir eine ähnliche Aktion in der Altstadt. In den vielen heruntergekommenen Häusern finden Geflohene Obdach, weil sonst niemand dort wohnen will. Das Team der Baptistengemeinde in Izmir arbeitet freundlich und professionell und macht mit den Paketen auch Hausbesuche. Der dortige Bürgermeister führt höchst selbst penibel die Bedarfsliste und macht seine Häkchen. In Samsun im Nordosten werden dagegen Lebensmittelgutscheine an die geflohenen Menschen ausgegeben, weil diese zu weit verstreut leben.

Mich beeindruckt, wie mutig und entschieden die jungen Gemeinden in Adana, Samsun und Izmir sich auf die Menschen und ihre Not einlassen. Sie setzen dabei unübersehbare Zeichen der Liebe Gottes, und diese Zeichen kommen an. Jeder gespendete Euro wirkt mehrfach: zuerst unmittelbar bei denen, die Hilfe bekommen. Darüber hinaus verändert sich das Gemeinwesen positiv und der Zusammenhalt wird gestärkt. Gleichzeitig hat die Arbeit der Christen positive Auswirkungen auf die Gemeindeentwicklung, weil viele Menschen ins Fragen kommen und Kontakt suchen. Und auch die Solidarität aus Deutschland kommt an, nicht nur in den Gemeinden.

Nach vier intensiven Tagen in der Türkei geht die Reise für meine Frau Sabine und mich weiter nach Jordanien. Dort unterstützt GBA das „Zarqa Life Center“ (ZLC), das für viele Frauen genau das geworden ist: ein „Lebens-Zentrum“! Seit 2017 wurden hier fast 2.000 jordanische und syrische Frauen begleitet, ermutigt, ausgebildet und in die Lage versetzt, die eigene Lebenssituation zu verbessern.###3_IMAGES###Als wir auf vielen Umwegen verspätet im ZLC ankommen, warten schon etwa 45 Frauen im neuen Gemeindegebäude, in dem auch ein medizinisches Zentrum untergebracht ist. Um ein Gespräch in Gang zu bringen, frage ich: „Was bedeutet Dir das ZLC und wie verändert es Dein Leben?“ Überraschend steht eine Frau nach der anderen auf – und erzählt! Einem fremden Mann aus Deutschland, und seiner Frau.

„Mein Leben war sehr schwer und ist es immer noch“, berichtete eine von ihnen. „Ich war allein mit allem und hatte schon keinen Mut mehr. Dann habe ich die Frauen hier im Center kennengelernt. Ich habe hier von Anfang an eine besondere Liebe gespürt, die ich so nicht kannte. Ich fühle mich hier angenommen und tanke hier Kraft.“ Und viele weitere Frauen erheben sich: „Ich habe hier nähen gelernt!“ – „Wir halten hier alle zusammen, das hier ist meine Familie!“ – „Ich konnte hier lernen und habe sogar mein Abitur geschafft!“ – „Ich kann jetzt Englisch!“ – „Ich verdiene mein Geld jetzt mit der Seifenproduktion – das gemeinsame Arbeiten und die Liebe untereinander, das tut mir so gut!“ – „Mein Leben lang konnte ich weder lesen noch schreiben und habe mich geschämt. Aber jetzt, wo ich alt bin, kann ich lesen und schreiben! Hier habe ich das gelernt. Die Lehrerin ist so geduldig. Ich bin jeden Tag dankbar dafür!“ …

Das Feuerwerk scheint auch Gertrud Khoury, die Leiterin, zu überraschen. Es hört gar nicht auf. Mehr als die Hälfte der Frauen steht auf und redet. Stichworte, die immer wieder fallen, sind: „Liebe“, „Familie“, „Schwestern“, „hat mein Leben verändert“. Meine Frau Sabine und ich sind tief berührt. Der ganze Raum ist erfüllt von den Schicksalen und der Lebensenergie dieser Frauen – und der verändernden Kraft der Liebe Gottes! So etwas habe ich in dieser Form woanders noch nie erlebt.

Die Geschichte von Nawja, deren Seifen-Startup erfolgreich arbeitet, findet sich als Video auf der  Homepage von GBA. Ebenso ein Bericht von Amal, deren Leben im ZLC eine ganz neue Qualität und Bestimmung erfahren hat.

Ich bin von Herzen dankbar für die Begegnungen und Eindrücke dieser Reise. Das Reich Gottes wächst – auch durch einfache Christen, die ihr Licht leuchten lassen!

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news-2457 Thu, 18 Jul 2019 14:25:48 +0200 21. Theologischer Grundkurs ist zu Ende gegangen Monika Bahne https://www.baptisten.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/21-theologischer-grundkurs-ist-zu-ende-gegangen/ Was ist der Theologische Grundkurs der VEF? Auf der Internetseite heißt es (www.thgk.de): „Der … ThGK bietet seit über 40 Jahren … eine besondere Möglichkeit zur eigenen Weiterbildung.... (Er ist eine) Kombination aus Fernkurs und Seminareinheiten ...“

... und er ist auch:

Eineinhalb Jahre Bibellesen, theologisches Denken lernen, Fragen beantworten, sich Gedanken machen, gemeinsames Singen, Feiern, Gespräche, Lachen, zu einer Gemeinschaft werden, Predigen, Fragen stellen, Gottesdienste feiern, die Dozenten herausfordern und sich selbst herausfordern lassen, kurze Nächte (wer mag), Beten, Gott hören, einander Zuhören, Meinungen äußern und stehenlassen ...

Ich könnte noch lange aufzählen, weil 18 Monate eine lange Zeit sind. Aber plötzlich ist das letzte Seminarwochenende da, es gibt keine neuen Lehrbriefe mehr, dafür viel Zeit zum Rückblick und Auswerten – und dann geht es für die Teilnehmenden zurück in ihre Gemeinden, mit einem dicken Ordner voll Papier und noch viel mehr Wissen im Kopf.

Dieser Kursus ist eine Empfehlung für Menschen, die gerne tiefergraben wollen; die Bibelstellen neu verstehen und Zusammenhänge erkunden möchten, die sich für Kirchengeschichte interessieren, die Gottesdienstformen und Liturgie kennenlernen wollen, die mit einem Gang durch die Geschichte begreifen, wie sich Theologie und Glauben zu unterschiedlichen Zeiten entwickelt haben.

Etwas Zeit muss man natürlich einplanen: Die Seminare besuchen (8 Wochenenden + eine Seminarwoche), insgesamt 32 Lehrbriefe bearbeiten und rechtzeitig an die Dozenten schicken, je eine Exegese zu einem Text aus dem AT und NT anfertigen – und viel lesen!

So nach und nach erkennt man Zusammenhänge, bekommt die eine oder andere Antwort, tauscht sich mit anderen aus und stellt fest: Ich bin sprachfähiger geworden, wenn es um den Glauben und die Bibel geht. Und: Wir sind zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen, die trotz unterschiedlicher Gemeindezugehörigkeit zu einer Seminar-Gemeinde geworden ist. Unsere Dozenten haben uns mit großer Sachkenntnis, viel Geduld und Liebe durch die einzelnen Themen geführt, haben Fragen beantwortet und Fragen gestellt und uns geholfen, gründlich nachzudenken und vielleicht überraschende Entdeckungen zu machen.

P.S. Zu den neuen Kursen kann man sich jetzt anmelden.

 

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news-2441 Wed, 10 Jul 2019 11:39:41 +0200 Abschlusstagung für Hauptamtliche im Anfangsdienst Dagmar Lohan, Teilnehmerin, Diakonin und Referentin im Fachbereich Familie und Generationen https://www.baptisten.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/abschlusstagung-fuer-hauptamtliche-im-anfangsdienst/ 19 Pastorinnen und Pastoren sowie eine Diakonin trafen sich zur Abschlusstagung ihres Anfangsdienstes. Dabei blickten sie auf die drei vergangenen Jahre und ihre Erfahrungen zurück. 19 Pastorinnen und Pastoren sowie eine Diakonin trafen sich zur Abschlusstagung ihres Anfangsdienstes. Dabei blickten sie auf die drei vergangenen Jahre und ihre Erfahrungen zurück.

Im Anfangsdienst nehmen die Hauptamtlichen neben dem Gemeindedienst regelmäßig an Fortbildungen teil und erhalten zum Beispiel Beratung und Begleitung in Form von Supervision. In der letzten Juniwoche kamen 20 Hauptamtliche im Tagungszentrum Weltersbach zusammen, um gemeinsam den Abschluss ihres Anfangsdienstes zu begehen. Mit dabei waren Hauptamtliche aus dem Dienstbereich Mitarbeiter und Gemeinde sowie Mitglieder des Vertrauensrates und der Leitung des Konvents der Diakone und Diakoninnen.

Udo Herrmann, Leiter des Dienstbereichs Mitarbeiter und Gemeinde, stellte schon zu Beginn der Tagung fest, dass dies eine der schönsten Veranstaltungen in seinem Dienstbereich sei. Es waren 48 intensive Stunden, in denen die sehr unterschiedlichen Anfangsdienste reflektiert wurden und in denen Gruppengespräche und Einzelgespräche stattfanden. Diese Gespräche sind für Hauptamtliche einer der letzten Schritte, um auf die Liste der Pastorinnen und Pastoren oder der Diakoninnen und Diakone zu gelangen. Danach saßen die Leitungsmitglieder der Tagung zusammen, um für jeden Teilnehmer und jede Teilnehmerin eine persönliche Rückmeldung zu formulieren. Gleichzeitig sprachen sie damit eine Empfehlung für die Bundesgeschäftsführung aus, die Hauptamtlichen zukünftig auf den Listen zu führen.

Die Atmosphäre der Tagung war von hoher Wertschätzung und großer Offenheit füreinander geprägt, denn in den drei Jahren haben sich die Kolleginnen und Kollegen kennen und schätzen gelernt. Davon ist auch Pastorin Charlotte Fehmer begeistert: „Ob drei oder schon zwanzig Jahre im Gemeindedienst, aus dem Ruhrpott oder aus Angola - es war sehr bereichernd, an den unterschiedlichen Erfahrungen teilzuhaben und auch meine eigenen Erlebnisse in diesem Kreis zu reflektieren.“ Dabei wurden Erfolge gefeiert, gute segensreiche Erfahrungen geteilt, aber auch manches Schmerzhafte aus den vergangenen drei Jahren angeschaut. Denn so unterschiedlich die Hauptamtlichen sind, so individuell sind ihre Lebens- und Diensterfahrungen. Mit dabei waren auch einige Kontaktstudenten mit theologischer Grundausbildung und längerer Erfahrung im Gemeindedienst, wie auch die Absolventen vom Pastoralen Integrations- und Ausbildungs-Programm (PIAP). Die PIAP-Absolventinnen und Absolventen arbeiten meist ehrenamtlich als Pastoren und Pastorinnen und bereichern mit den internationalen Gemeinden die Vielfalt in unserem Gemeindebund.

Am Ende der Tagung stand ein gemeinsamer Gottesdienst mit ermutigenden Worten von Pastor Norbert Kursch aus Lukas 5, 1-5 – der Berufung von Simon Petrus zum „Menschenfischer“. Dazu gab es eine musikalische Begleitung durch Pastor Hanno Sommerkamp und ein Abendmahl mit persönlichen Gebeten und Segnungen für die Kolleginnen und Kollegen. In der Auswertung wurde deutlich, dass die Begleitung und die Nähe im Anfangsdienst guttun. Außerdem sind der Rückhalt und die Wertschätzung durch die Bundesgeschäftsstelle und die eingesetzten Personen immer wieder spürbar gewesen, sind sich die Anwesenden einig. Die Fortbildungen und die angebotene Supervision helfen, den Anfangsdienst auch weiter als Zeit des Lernens und der Entwicklung zu begreifen. So konnten beim Abschluss alle Teilnehmenden der Aussage von Udo Hermann zustimmen: Diese Tagung war ihre schönste.

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news-2434 Mon, 08 Jul 2019 15:49:17 +0200 Ermutigungstag für Gemeinden Jürgen Tischler https://www.baptisten.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/ermutigungstag-fuer-gemeinden/ In Lutherstadt Wittenberg trafen sich 120 Menschen aus der Region Sachsen-Anhalt im Landesverband NOSA zu einem Gemeindeermutigungstag. Mit dabei war Pastor, Autor und Journalist Andreas Malessa. In Lutherstadt Wittenberg trafen sich 120 Menschen aus der Region Sachsen-Anhalt im Landesverband Niedersachsen – Ostwestfalen – Sachsen-Anhalt (NOSA) zu einem Gemeindeermutigungstag. Mit dabei war Pastor, Autor und Journalist Andreas Malessa, der über die Begegnung von Kornelius und Petrus predigte. Jürgen Tischler berichtet.

Der Gemeindeermutigungstag (GET) findet unregelmäßig als Treffen der Gemeinden in der Region Sachsen-Anhalt statt. Am 30. Juni versammelten sich etwa 120 Teilnehmende in Lutherstadt Wittenberg. Das regionale Treffen stand unter dem Motto „Das Verständigungswunder von Pfingsten geht weiter: Den Glauben heute zur Sprache bringen“. Andreas Malessa predigte zu dem Thema und am Nachmittag erwarteten die Teilnehmenden Workshops wie zum Beispiel „Sprache ist die Kleidung deiner Gedanken“, „Mut zum Zeugnisgeben finden“ oder zur Frage, wie Christen heute „verstehbar hörend“ vom Glauben reden können.

Andreas Malessa beleuchtete die Begegnung zwischen Kornelius, dem Hauptmann aus Cäsarea, und dem Apostel Petrus. Dabei fragte er, wie es zu der Begegnung kam und welche Rolle der Heilige Geist dabei spielte. Genussvoll-herausfordernd war neben der Sprache die Übertragung des Textes in die Gegenwart. Kornelius und seine erdachte Frau „Kornelia“ als postmoderne Menschen und Petrus als Vertreter zeitgenössischer Frömmigkeit. Malessa stellte sie dar mit ihrer „konfessionellen Heimatlosigkeit“, ihrer „Sehnsucht nach Spiritualität“ und dem „Ringen mit ihrem Gewissen“ in beruflicher und privater Verantwortung. So wurde der Bibeltext aus Apostelgeschichte 10 humorvoll und lebendig zur Herausforderung für die Teilnehmenden.

„Gesunder Menschenverstand kann geistinspiriert sein“, so Malessa. Er betonte, dass Christen die Bibel von hinten läsen, von Christus her. In der Konsequenz hieße das für Petrus: „Steig herab in Milieus, die nicht dein Niveau sind!“ Es sei nicht die Frage, „ob der Heilige Geist zu Menschen spricht, die zwischen allen konfessionellen Stühlen sitzen und trotzdem eine spirituelle Sehnsucht haben, die sie nicht mehr verbalisieren können“. Die Frage sei vielmehr, „ob wir es ihnen glauben.“

Kornelius und Petrus hätten etwas gemeinsam: Beide handeln ohne eine Genehmigung ihrer Heeresleitung oder ihrer Gemeinde. Sie überschreiten gemeinsam eine Grenze. Beide erzählen sich ihre Visionen – und stellen fest, dass sie kongruent sind! Erst jetzt im Nachhinein weiß Petrus, dass es nicht der „Zeitgeist“ war, der ihn verführt hat. Andreas Malessa, der auch Autor des Martin-Luther-King-Musicals ist, fragte die Besucher aus ganz Sachsen-Anhalt: „An welcher Stelle decken sich heute die Visionen? An welcher Stelle wollen ein nichtreligiöser Mensch und ich dasselbe?“

Bei Temperaturen von 38 Grad waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erstaunlich gut dabei und die Gemeinde ein bestens vorbereiteter Gastgeber. Brigitte Neumeister, Gemeindereferentin der EFG Wittenberg, die Band der Gemeinde und die Mitglieder der Regionalleitung gestalteten diesen Tag froher Gemeinschaft der Gemeinden. Karl-Heinz Wegner bot dazu parallel für die Kinder ein spannendes Aktivprogramm an. Bewegend berichtete der Ruheständler Hans-Joachim Schwan als „Alter Bär“ über die Indianerarbeit, die Freizeiten für Kinder von Strafgefangenen durchführt. Benno Braatz vom Dienstbereich Mission stellte sich als neuer Regionalbeauftragter vor. In die Regionalleitung neu gewählt wurde Hartmut Bick aus Quedlinburg. Jürgen Tischler vom Landesverband NOSA ermutigte die Gemeinden, neue Wege zum Gespräch zu suchen, und stellte das Projekt „TischGemeinschaft“ vor, das gerade an diesem Sonntag im Landesverband in Löhne mit der Eventkirche unterwegs war.

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news-2425 Wed, 03 Jul 2019 09:00:00 +0200 Karim kann wieder zur Schule! Timo Neumann https://www.baptisten.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/karim-kann-wieder-zur-schule/ Neben Spenden zur Förderung von GBAid bittet der BEFG aktuell um Spenden für die Kinder- und Jugendarbeit des GJW. Aufgrund der Unterstützung des Tahaddi-Centers muss der zwölfjährige Karim nicht mehr arbeiten. Das Center ist nur eines von vielen Projekten, die German Baptist Aid unterstützt. Neben Spenden zur Förderung von GBAid bittet der BEFG aktuell um Spenden für die Kinder- und Jugendarbeit des GJW.

Der zwölfjährige Karim* lebte glücklich mit seiner Familie in einem Haus mit Garten, Obstbäumen und Gemüsebeet in Syrien – bis der IS in die Region kam und die neunköpfige Familie in den Libanon fliehen musste. Wegen Rückenproblemen kann Karims Vater Ibrahim nicht mehr arbeiten. Seine Mutter Fatima putzt das Haus ihres Vermieters für 3,50 Dollar am Tag – viel zu wenig für die monatliche Miete von 200 Dollar. So waren seine Eltern gezwungen, Karim von der Schule zu nehmen, damit er ebenfalls Geld für die Familie verdient.

Durch das Tahaddi-Center in Hay-el-Gharbeh, einem der Elendesviertel der libanesischen Hauptstadt Beirut, erfahren sie Hilfe. Das Center bietet umfangreiche Unterstützung: Kleinkindbetreuung, Schulunterricht, klassische Sozialarbeit, medizinische und psychologische Betreuung sowie ein Nähzentrum, in dem Frauen Geld für ihren Lebensunterhalt verdienen können. Karims Familie erhielt unter anderem Mietzuschüsse. Dadurch kann Karim wieder zur Schule gehen, statt arbeiten zu müssen. Mit einer Spende an German Baptist Aid besteht die Möglichkeit, Projekte wie dieses zu fördern. Weitere Projekte finden Sie auch in den aktuellen Projektinformationen, die das GBAid-Komitee vierteljährlich veröffentlicht.###3_IMAGES###Außerdem bittet der BEFG in diesem Sommer um Spenden für die Arbeit des Gemeindejugendwerks. Das GJW fördert, qualifiziert und ermutigt die zahlreichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich Woche für Woche in den Ortsgemeinden engagieren. Sie spielen in den Biografien der Kinder und Jugendlichen oft eine prägende Rolle bei einer Entscheidung für Jesus: „Sie sind Vorbilder im Glauben und wichtige Ansprechpartner“, weiß Udo Rehmann, Leiter des Dienstbereichs Kinder und Jugend. „Wir wünschen uns, dass die Kinder eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus erfahren, die ihrem Leben Sinn und Hoffnung gibt. Die biblische Botschaft soll für junge Menschen erlebbar und jede Ortsgemeinde ein phantasievoller und sicherer Lebensraum sein.“

Das Gemeindejugendwerk unterstützt die Mitarbeitenden durch zeitgemäßes Material und Schulungen. Viele Stundenentwürfe, Andachten und Kinderteile für den Gottesdienst sind auf „EDITION GJW online“ kostenlos verfügbar. Zudem bietet das GJW Webinare zu relevanten Themen an. Und durch die Kunterbunte Box erleben Kinder auf spielerische Weise und multimedial, also mit dem Handy in der Hand und gleichzeitig durch die Gemeinderäume streifend, alttestamentliche Geschichte hautnah.

* die Namen sind aus Sicherheitsgründen geändert

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news-2428 Tue, 02 Jul 2019 11:49:09 +0200 Osterleute gestalten Claudia Sokolis-Bochmann, Pastorin der EFG-Schönebeck, SCHALOM-Haus https://www.baptisten.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/osterleute-gestalten/ In einem persönlichen Rückblick auf das Jahresthema „INSPIRIERT LEBEN … dass Christus Gestalt gewinnt“ beschreibt Pastorin Claudia Sokolis-Bochmann ihre Erfahrungen mit dem Osterkalender. Pastorin Claudia Sokolis-Bochmann hat im Kreativkreis für das Jahresthema und im Redaktionskreis des Osterkalenders mitgearbeitet. In einem persönlichen Rückblick auf das Jahresthema „INSPIRIERT LEBEN … dass Christus Gestalt gewinnt“ beschreibt sie ihre Erfahrungen mit dem Osterkalender.

Das Telefon klingelte. Ich wurde zum ersten ThinkTank zum Jahresthema 2018/19 nach Elstal eingeladen. Damals ahnte ich noch nicht, wie intensiv und prägend die nächsten Jahre werden sollten. Mein Weg mit dem Jahresthema begann mit diesem Treffen im September 2016 und meine Neugier war geweckt, ebenso wie mein Wunsch mitzugestalten. Langeweile hatte ich wahrlich nicht, im Dienst und darüber hinaus genügend Termine. Aber dieses eine Wort hatte mich gepackt: Thementrägerin. Im ThinkTank fiel es, und fiel gleich in mein Herz. Thementrägerin wollte ich sein, für das Thema „Spiritualität“ stehen. Sicher, ich war schon vorher dafür bekannt, deshalb ja auch eingeladen. Doch es schien, als sei da noch mehr möglich. Auch in unserem Bund. Es folgte meine Mitarbeit im Kreativkreis für das Jahresthema und dann für die Bundesratstagungen 2018/19. Zudem erhielt ich die Anfrage, im Redaktionsteam des Osterkalenders mitzuarbeiten, und auch dazu fand ich ein Ja. Meine Kreativität konnte ich hier wie da zum Einsatz bringen.

In den Arbeitskreisen und Aufgaben lernte ich eine Menge Leute neu oder anders kennen. Sie inspirierten mich mit neuen Ideen und Gedanken und ließen mich ins Fragen kommen. Einige der Mitarbeitenden wurden für eine Zeit intensive Gegenüber. Wege gingen wir gemeinsam, auch bei Unterschiedlichkeiten, feierten Etappen, freuten uns an Ergebnissen, brachten Themen ins Gespräch.

Ende 2018 war ich dankbar, dass sich das Ende mancher Arbeitskreise und Aufgaben abzeichnete, einfach, weil Leben und Dienst sich geändert hatten und ich mich mehr auf das Thema konzentrierte, darüber arbeitete und referierte, in Lehre investierte und raus aus organisatorischen Aufgaben trat, um weiter Thementrägerin zu sein.

Doch die Zeit des Osterkalenders hatte es für mich noch in sich und hat mich nachhaltig geprägt. Diese Zeit zwischen Ostern und Pfingsten werde ich nicht vergessen. Zumal sie auch gemeindlich für uns von den Themen des Osterkalenders geprägt war. Redaktionell und als Autorin am Kalender mitzugestalten, war schon ein Geschenk für mich und hatte zur Auswirkung, dass ich in besonderer Weise den Kalender beworben und verschenkt hatte, in Gemeinde, an Freunde und Familie. Das Thema für Bibelstunden und Gottesdienste war klar, und ich freute mich über Rückmeldungen von Freunden, die lange nichts mit Gemeinde zu tun haben, aber angesprochen wurden.

In der Gemeinde lasen wir gerade den Einstieg des Osterkalender „Osterleute gehen weiter“ und wir ahnten noch nicht, was geschehen würde. Kurze Zeit darauf starb eine Mitarbeiterin aus der Mitte der Gemeinde, mitten im Abendmahlsgottesdienst wurde sie in die Ewigkeit berufen. Gerade hatte ich über „Osterleute lieben“ gepredigt, über Petrus, der ans andere Ufer geht. Die Mitarbeiterin hatte sich vor Ostern einige Kalender erbeten, um sie weiterzugeben, und mir gerade in der Woche vor ihren Tod erzählt, wie ansprechend sie den Kalender findet und wie wichtig es sei, die Osterbotschaft in die Welt hinauszutragen. Dann starb sie. Und schon am Sonntagmittag stellte sich mir die Frage, ob nun ein Themenwechsel dran war. Weitermachen wie geplant?

Die Osterleute wurden mir und uns als Gemeinde zum Halt. Sie gaben uns einen „Rahmen“ in schwerer Zeit. Auf der Beerdigung verkündigten wir die Osterbotschaft und erzählten von den Osterleuten, die weitergehen. Mehr als 200 Leute hörten an dem Tag von der Hoffnung und Kraft der Auferstehung, Fremde nahmen den Osterkalender mit, weil er der Mitarbeiterin wichtig war. Worte, die ermutigten, trösteten und Kraft gaben. „Jesus lebt, mit ihm auch ich, das ist meine Zuversicht“. Zu diesem Lied folgte mein eigenes Gedicht und viele, die mich auf dem Friedhof hörten, lasen dieses Bekenntnis und wir kamen ins Gespräch.

Mein Mann, der seine erste Frau auf ähnlich schmerzliche Weise so plötzlich verloren hatte, übernahm die Stephanus-Predigt und verkündigte den offenen Himmel. Osterleute hoffen. Wir brauchten keine anderen Themen zu suchen, mussten uns nicht überlegen, wie wir die nächsten Wochen gestalten sollten. Wir ließen uns einfach fallen in die Perikopen der Osterleute. Ich war dankbar für Predigten der Kollegen aus Elstal, Anregungen des Hauskreismagazins und fühlte mich in dieser Zeit getragen von den Osterleuten. Und nicht nur symbolisch. Kolleginnen und Kollegen, Freunde nahmen Anteil, beteten mit, ermutigten. Texte, die ich mit redigiert hatte, bekamen einen neuen Klang, Bilder sprachen an und in mir wuchs die Dankbarkeit, in so ein Netz – die Gemeinschaft – eingebunden zu sein und an dieser Aufgabe mitgewirkt zu haben. Und wenn es nur für uns als Gemeinde war, nur für diese Zeit des Abschiednehmens – mein Einsatz über die Jahre und im Bund hatte sich gelohnt.

Prof. Dr. Volker Spannengenberg schreibt in seiner Predigt zum Osterkalender: „‚Zeit in der Zeit‘. So lautet der Titel, den der Schweizer Theologe Robert Leuenberger seinem Buch über das Gebet gegeben hat. ‚Zeit in der Zeit‘. Kürzer kann man wohl kaum beschreiben, was ein Gebet ist. Und schöner vermutlich auch nicht. Denn genau das ist es, was Menschen tun, wenn sie beten: Sie nehmen sich Zeit. Zeit in der Zeit. Zeit für Gott. Zeit für sich selbst. Und Zeit für andere.“ Nach dem Todesfall hatten wir im Juli jeden Donnerstag „Treffen am Kreuz“ – wir hatten Zeit für Stille und Gebet. Kein Programm, einfach Zeit. Und mit denen die da waren eine intensive Zeit. Mich selbst hat diese Predigt sehr angesprochen und in der Zeit ganz für mich in die Situation hineingepasst.

Die aktuelle Situation und die letzten drei Jahre haben mich verändert. Sie haben mich vertieft, mich stärker an meinen eigenen Herzschlag gebracht und mich auf meine Themen gestoßen, an denen ich arbeiten will, für die ich mich einsetze. Dafür mir die Zeit zu nehmen, hat sich als Segen ausgewirkt und ich bin dankbar, dass 2016 das Telefon bei mir klingelte und ich gefragt wurde, ob ich mir vorstellen könnte, mich einzubringen, mitzugestalten.

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